Russland
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Waffenkunde für die Nachwuchsarmee. Bild: Berlingske

Putins junge Patrioten

Sie marschieren im Gleichschritt, schwören dem Vaterland die Treue – fast 200'000 Kinder und Jugendliche sind Mitglied bei Russlands Militärnachwuchs, der Jugendarmee «Junarmija». Ein Besuch.

24.02.18, 22:47 25.02.18, 00:40

Christina Hebel, kubinka



Ein Artikel von

Danila lädt durch, legt an und zielt. Der Computer zeigt einen Treffer im Zentrum der Zielscheibe, nicht ganz in der Mitte, aber fast. Danila schaut zufrieden auf den Bildschirm und legt die Plastik-Kalaschnikow auf den Tisch. Er sagt: «Wenn Krieg ausbricht, bin ich bereit mein Land zu verteidigen.» Gegen wen? «Gegen jeden Feind.»

Danila Jermuchambetow ist gerade einmal 16 Jahre alt. Er trägt Uniform, eine beigefarbene Hose und einen Pullover, darunter ein rotes T-Shirt mit Schulterklappen und eine Kappe. Der Schüler aus Kolomna, einer Stadt südöstlich von Moskau, ist Mitglied der «Junarmija», der Jungen Armee oder Jugendarmee Russlands. Seit einem Jahr ist er dabei - «aus Liebe zum Vaterland», wie er sagt. Er will später zur echten Armee, Drohnen entwickeln.

Teenager bei der Aufnahmezeremonie in St.Petersburg. Bild: EPA/EPA

Warwara Sitnowa will auch zum Militär, in eine medizinische Einheit. Die 14-Jährige trägt noch Matrosenuniform. Sie ist gerade erst mit 29 anderen Mitgliedern einer Moskauer Gruppe, die sich unter anderem um Veteranen kümmert, in die «Junarmija» eingetreten. «Es ist eine grosse Ehre, Mitglied zu sein», sagt sie. Ihre Augen leuchten. «Wir wollen eine würdige Generation sein», betont ihre Freundin Walerija Hasanowa. Was das bedeute? «Wir stehen immer treu an Russlands Seite».

Vorzeigeverband

Fast 200'000 Mitglieder hat die militärisch-patriotische Organisation «Junarmija» nach eigenen Angaben inzwischen, es sind Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 18 Jahren. Sie sollen nach dem Willen von Verteidigungsminister Sergej Schoigu zu Patrioten des Landes erzogen werden - Patrioten, die auch dem Militär einmal nützlich sein könnten.

Doch es gibt auch Kritik: Walentina Melnikowa vom «Komitee der Soldatenmütter», das Rekruten vor der Willkür in der Armee verteidigt, sieht darin eine «Militarisierung der Kinder wie einst zu Sowjetzeiten».

Minister Schoigu (l.), Präsident Putin.  Bild: AP/POOL SPUTNIK KREMLIN

Minister Schoigu hat die «Junarmija» im Mai 2016 ins Leben gerufen. Grundlage war ein Erlass von Präsident Wladimir Putin vom 29. Oktober 2015. Der sieht vor, eine nationale, patriotische Jugendorganisation zu bilden, angelehnt an die Pionierorganisation und den Jugendverband der kommunistischen Partei, dem Komsomol. Tausende bereits bestehende patriotische Gruppen sollen so zu einem landesweiten «Junarmija»-Verband zusammengeschlossen werden.

Das dient zum einen der Kontrolle der nationalen Bewegung, zum anderen aber auch der Staatspropaganda. Steht die «Junarmija» doch für das, was Putin seit Jahren beschwört: das patriotische Band, das die Bürger in dem sich über elf Zeitzonen erstreckenden Russland vereinigt, das immer noch mit den Folgen des Zusammenbruchs der Sowjetunion ringt.

Stolze Kinder, mit Orden behangene Brust. Bild: EPA/EPA

Nach der Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel vor vier Jahren erreichte die nationale Begeisterung in Russland ihren Höhepunkt: «Krim nasch» - «die Krim gehört uns» tönte es auf den Plätzen des Landes. Der Jubel ist inzwischen etwas abgeflaut, was auch damit zusammenhängen mag, dass Moskau die Halbinsel mit Milliarden von Rubel finanzieren muss. Für den 18. März ist die Präsidentschaftswahl angesetzt, dem Jahrestag der Heimholung der Krim, wie es offiziell in Russland heisst. Putin wird auch diese Wahl gewinnen und damit in seine vierte Amtszeit als Präsident gehen.

Patrioten-Show im Militär-Disneyland

In der Expo-Halle des «Park Patriot» in Kubinka, eine Stunde südwestlich von Moskau, stehen sie hinter Putin. Schoigu hat den Park, eine Art Militär-Disneyland mit Panzern, Raketen und einem nachgebauten Reichstag, der erstürmt werden kann, für umgerechnet 300 Millionen Euro errichten lassen. Hier versammeln sich am «Tag des Vaterlandsverteidigers» - der 23. Februar 1918 gilt als der Gründungstag der Roten Armee - rund 8000 Junarmisten, wie die Mitglieder der Jungen Armee genannt werden.

«Putin ist ein guter Präsident, das werden ihnen hier 99 Prozent der Menschen sagen», sagt Aleksandr Beresin, Offizier im Ruhestand. Putin habe die Armee nach den schwierigen Neunzigerjahren wieder auf Vordermann gebracht. Der 56-Jährige ist Ausbilder der «Junarmija», unterrichtet Kinder und Jugendliche in Militärgeschichte, bringt ihnen bei, wie man eine Kalaschnikow auseinanderbaut und wieder zusammensetzt. Auch Sport und Militärtheorie gehören zum Programm. Beresin ist mit einer Gruppe von 16 Jugendlichen nach Kubinka gekommen.

Hier erleben sie patriotische Eventatmosphäre: Sie proben in Computersimulationen den Strassenkampf, liefern sich virtuelle Panzerschlachten, messen sich bei Klimmzügen, schreiben Soldaten Dankesbriefe oder hören Vorträge.

In der «Junarmija» dienen Kinder und Jugendliche im Alter von acht und 18 Jahren Bild: AP/AP

Ein Panzer für den Minister

Regisseur Nikita Michalkow, Duzfreund von Putin, sitzt in einem weissen Sessel und spricht über die «die wahren Helden» Russlands, die im Zweiten Weltkrieg Hitler-Deutschland besiegten. Er warnt vor dem Internet: «Wichtig ist es, selbstständig zu denken», mahnt der Filmemacher, «nicht nur Selfies zu machen und zu chatten». Wenn man keine Bücher gelesen habe, sei man nur von Google abhängig. Und wer wisse schon in wessen böse Hände die Suchmaschine gelangen könnte. Michalkow muss eine Pause einlegen, der Minister ist da.

Schoigu setzt sich zu Michalkow. Der steht auf, umarmt Schoigu. Alle springen von ihren Stühlen. Zwei Mädchen, seit wenigen Monaten bei der «Junarmija», überreichen dem Minister einen Panzer. Es ist ein Nachbau des Kampfpanzers T-14 Armata, den Schoigu mit einer Fernbedienung steuern kann.

In Zweierreihen in die Mensa

Die «Junarmija» wurde von Schoigu im Mai 2016 ins Leben gerufen. Bild: AP/AP

Putin kommt an diesem Tag nicht in den «Park Patriot», in dem der Kaffee in tarnfarbenen Bechern ausgeschenkt wird und die Kinder in Zweierreihen in die Mensa namens «Höfliche Menschen» marschieren. So werden die russischen Soldaten genannt, die ohne Hoheitsabzeichen die Krim besetzten. Der Präsident schickt eine Videobotschaft. Als sein Gesicht auf der Leinwand erscheint, ertönt Jubel. «Die 'Junarmija' hilft den jungen Menschen ihren Weg im Leben zu finden», verspricht Putin.

Wenig später tritt ein Junge auf der Bühne und fragt, was Patriotismus bedeute. «Verantwortung für sein Land zu übernehmen», ruft ein Mädchen in «Junarmija»-Uniform. «Wollt ihr das?», fragt sie in die Menge. «Jaaaa», rufen sie im Saal und klatschen.

Mitarbeit: Tatiana Chukhlomina

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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27
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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jokerf4ce 25.02.2018 14:18
    Highlight Wenigstens sind es Freiwillige, im Gegensatz zu anderen Ländern.
    6 20 Melden
  • DeSänfdezue 25.02.2018 13:40
    Highlight Warum können Kinder nicht einfach Kinder sein?
    14 4 Melden
  • DerTaran 25.02.2018 13:13
    Highlight Und was machen nationalistische Regime normalerweise mit solchen Armeen? Sie nutzen Sie zur Verteidigung? Die Geschichte sagt uns etwas anderes.
    16 4 Melden
  • Waedliman 25.02.2018 12:03
    Highlight So etwas funktioniert heute nur noch, wenn man durch falsche Informationen und Geschichtsverdrehung eine Generation heranzüchtet, die von Stolz und Patriotismus dominiert wird und weniger durch Bildung und Aufklärung über Zustände im Land und in der Welt. Russland wird niemals eine erwachsene Demokratie werden.
    16 6 Melden
  • rodolofo 25.02.2018 09:47
    Highlight Militarismus und humorlose Disziplin.
    Ist das wirklich alles, was Russland der Welt zu bieten hat?
    37 21 Melden
    • mostlyharmless 25.02.2018 11:31
      Highlight Spontan fallen mir da noch Wladimir Kaminer oder die Slivki Show ein.
      4 2 Melden
    • PaLve! 25.02.2018 16:43
      Highlight Wieso hat so ein Kommentar denn 27 Herzchen?
      Was hat das mit dem Artikel zu tun?
      3 10 Melden
  • walsi 25.02.2018 09:17
    Highlight Das die Armee Jugendorganisationen unterstützt gibt es praktisch in jedem Land, die einten stärker die anderen weniger. Als ich noch jung war und die Pfadi das BULA hatte wurden die auch von der Armee mit Material und Logistik unterstützt. Die Jungschützen sind eine direkte Jugendorganisation der Schweizer Armee. Die Boy Scout in den USA können auf Unterstützung bei der Ausbildung im Aufklären auf die Unterstützung der Armee zählen.
    28 40 Melden
    • DerTaran 25.02.2018 13:23
      Highlight Moderne Pfadfinder in Europa, so wie ich sie erlebt habe, sind im Unterschied zu obigem Artikel weitgehend pazifistisch und werden meist von den Kirchen gesponsert (und nicht vom Militär).
      17 3 Melden
    • manhunt 25.02.2018 15:00
      Highlight ich war auch in der pfadi, war im bula, sogar am jamboree in demn niederlanden. komischerweise mag ich mich nicht daran erinnern, mit waffen handtiert zu haben. auch keine exzerzierübungen oder gefechtssimulationen, waffenkunde, schiessübungen oder nahkampf. und schon gar kein „ich verteidige mein vaterland“ geschwafel. die schweizer pfadi mit einer militärähnlichen organisation zu, bloss weil sie von der armee mit material unterstützt wird, erschlisst sich mir nicht wirklich.
      26 4 Melden
    • walsi 25.02.2018 18:17
      Highlight @manhunt: Sie glauben ja nicht wirklich, dass die Armee solche Organisationen einfach aus Spass an der Freude mit Material unterstützen. Da geht es darum ein gutes Klima zu schaffen. Kurz gesagt es ist Werbung für die Armee.
      2 8 Melden
  • flugsteig 25.02.2018 07:52
    Highlight Beängstigend.
    Erinnert mich auf furchtbare Weise an die HJ. Was mag da wohl das langfristige Ziel sein?
    70 35 Melden
    • Waedliman 25.02.2018 12:04
      Highlight Grossmachtphantasien bedingen so etwas. Wer Russland über den Weg traut, hat schon verloren.
      15 4 Melden
  • NikolaiZH 25.02.2018 07:50
    Highlight Russ. Verfassung definiert seit Jahrzähnten, dass die Wahl des Präsidenten am 2. Wochenende des Monats, in dem letzte Wahlen stattffanden, durchgegührt wird. Fällt dieses oder das vorausgehende WE an ein (verlängertes) Feiertag [8. März Brücke] werden die Wahlen um eine Woche verschoben.
    Also das Datum der Wahlen hat ziemlich wenig mit Krim zu tun.
    29 34 Melden
    • Juliet Bravo 25.02.2018 20:35
      Highlight Ists auch so kalt in SPb?
      2 0 Melden
  • redeye70 25.02.2018 07:41
    Highlight Über 70 Jahre Kommunismus und Sowjetunion bringt man nicht so schnell aus den Köpfen. Möglicherweise lässt sich dieses Land und Gesellschaft aber nur durch strikte Disziplin und eine autotitäre Führung regieren.
    20 39 Melden
    • Juliet Bravo 25.02.2018 11:57
      Highlight Das haben viele auch mal über die Deutschen gesagt.
      13 4 Melden
  • Hugo Wottaupott 25.02.2018 03:31
    Highlight Wieviele Jungschützen gibt hier?
    33 53 Melden
    • Gzuz187ers 25.02.2018 10:03
      Highlight Als Jungschütze kann ich sagen das der Kurs unpolitisch und neutral gehalten wird. Es geht nur um den Sport. Auch das Thema Militär wurde nie angesprochen. Also ich glaube nicht das man so gesagt die Juniorenmannschaft des Schützenvereins mit einem politischen Erziehungskurs gleichsetzen kann.
      16 2 Melden
    • Hayek1902 25.02.2018 10:28
      Highlight Der Vergleich hinkt... Nein, der Vergleich hat sogar einen Rollstuhl
      44 17 Melden
    • reaper54 25.02.2018 10:59
      Highlight Ist halt für all die Waffengegner hier sehr dumm wenn die Jungen richtig an Waffen ausgebildet werden, und dadurch keine Unfälle machen. Zudem gehören sie zu einer Gruppe was sie sozial stabiler macht, und somit die Chance auf einen Amoklauf mindert. Diese zwei Schlüsselpunkte sollte man vielleicht mal Trump verraten...
      15 39 Melden
  • Electric Elefant 25.02.2018 02:13
    Highlight Yepp, Kinder indoktrinieren, toll! Jedem Autokraten seine "Jugendorganisation"! Juhui, hat ja schon bei HJ, FDJ und den Roten Garden bei Maos Kulturrevolution super funktioniert!
    Aber unsere Rechtspopulisten finden Putin ja trotzdem (oder gerade auch darum?) Einen tollen Kerl... Naja, ist ja auch einigermaßen verständlich bei einem, der mit nacktem Oberkörper auch gerne Mal unbewaffnet ein paar Bären erwürgt!
    Ja so eine Putin-Jugend - das macht doch richtig optimistisch für die Zukunft!
    106 26 Melden
  • Juliet Bravo 25.02.2018 01:16
    Highlight Kindersoldaten. Nur irgendwie verpackt in „herzige“ Patrioten oder Jungpioniere.
    81 20 Melden
  • Durolex 25.02.2018 00:37
    Highlight Erinnert irgendwie ein wenig an gewisse Jugendorganisationen der 40er...
    44 13 Melden
  • Ylene 24.02.2018 23:39
    Highlight Na toll, tauft die Truppe doch gleich Putin-Jugend. Wie vor Jahrzehnten mein damals schon alter Geschichtslehrer meinte, Geschichte wiederhole sich andauernd, die Menschheit sei grundsätzlich nicht fähig, aus ihren Fehlern längerfristig zu lernen. Nervtötend, aber wahr.
    117 19 Melden
  • Selbstdenker97 24.02.2018 23:28
    Highlight "Er warnt vor dem Internet: «Wichtig ist es, selbstständig zu denken», mahnt der Filmemacher, «nicht nur Selfies zu machen und zu chatten». Wenn man keine Bücher gelesen habe, sei man nur von Google abhängig."

    Damit scheint er aber Recht zu haben...
    58 6 Melden
    • mostlyharmless 25.02.2018 11:33
      Highlight Blöd ist nur, wenn man nicht überall alles lesen darf.
      10 1 Melden

Putin, der Weltmeister – einen Gewinner hat die WM schon 

Russland lässt sich seine Fussball-Festspiele Milliarden kosten, es wird die teuerste WM, die es je gab. Aus Sicht von Präsident Putin ist der Pomp nur logisch: Das Turnier zementiert seinen Anspruch auf eine Weltmachtstellung.

Dass Wladimir Putin besonders gern Fussball spielt, ist nicht bekannt.

Es gibt nur wenige Bilder, die Russlands Präsidenten, der Judo, Eishockey und das Skifahren liebt, mit Ball zeigen. Doch mit Fifa-Chef Gianni Infantino kickte er im März für ein WM-Werbevideo im Kreml, zehn Sekunden lang, ohne dass das Spielgerät zu Boden fiel.

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Was dagegen durchaus kein …

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