Basel
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Obdachlosen-Mord in Basel: «Habe gespürt, dass ich diese Person umbringen soll»

Im Dezember 2017 wurde ein Obdachloser in der Dreirosenanlage ermordet. Ein 22-Jähriger hat die Tat gestanden. Nun streiten Anklage und Verteidigung vor Gericht, ob die Motive in dessen psychischer Krankheit oder in religiösem Wahn zu sehen sind.

Patrick Rudin / ch media



A policeman stands in front of a police car of the cantonal police Basel-Stadt, on July 14, 2015, in Basel, Switzerland. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Ein Polizist steht vor einem Dienstfahrzeug der Kantonspolizei Basel-Stadt, am 14. Juli 2015, in Basel. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Bild: KEYSTONE

«Ich denke, ich komme in den Himmel, weil Gott mir vergibt», liess der 22-jährige Angeklagte am Dienstag die Gerichtsdolmetscherin aus dem Portugiesischen übersetzen. An seiner Tat gibt es wenig zu deuten: Im Dezember 2017 tötete er den 60-jährigen Obdachlosen Georg bei der Dreirosenanlage mit einem Messerstich direkt ins Herz. Die Kriminaltechniker gehen aufgrund der Spuren von weiteren Stichen und Schlägen aus.

«Hat er sich gewehrt?», fragte Gerichtspräsident Roland Strauss den 22-Jährigen. «Ja, er hat versucht, mich mit seinen Händen abzuwehren», sagte der Mann. Abwehren konnte Georg den Angriff allerdings nicht, er wurde am nächsten Morgen tot aufgefunden.

Einen Sinn ergaben die Erklärungen des 22-jährigen Mannes vor Gericht nicht, offenbar war er frustriert darüber, dass seine Missionsversuche bei Georg keine Früchte trugen. Den Obdachlosen lernte er kennen, weil er regelmässig bei der Anlage trainierte.

«Zuerst habe ich die Bibel gelesen. Dann habe ich in meinem Herz gespürt, dass ich diese Person umbringen soll», versuchte er zu erklären. Am nächsten Tag beichtete er die Tat einem Freund, dieser rief die Polizei an. Seither sitzt der 22-Jährige in Haft.

«Wie würden Sie sich heute dazu stellen?», fragte Strauss daraufhin. «Ich würde das nicht machen, weil in der Bibel steht, dass es nicht korrekt ist, jemanden zu töten». «Aber im letzten Dezember haben sie es für richtig gehalten?», fragte Strauss. «Ja, ich dachte, ich bin im Recht». Später sagte er allerdings, der Auftrag sei wohl vom Teufel gekommen. Auf die Frage von Strauss, weshalb Gott ihm dann nicht geholfen habe, reagierte er ausweichend. Ein Gutachter bestätigte, dass der Mann zur Tatzeit schuldunfähig war.

Die Diagnose: Paranoide Schizophrenie. Anklage wie Verteidigung haben am Dienstag beantragt, den Mann in eine stationäre Massnahme in der geschlossenen Psychiatrie einzuweisen. Dabei wird kein Strafmass festgelegt.

Der Mann verkehrte in der Basler Baptistengemeinde im St. Johannsquartier, dort brach er wenige Wochen vor dem Tötungsdelikt auch erfolglos in ein Nebengebäude ein. Bei einem anderen Einbruch erbeutete er 48 Zigarettenpackungen im Wert von 384 Franken. Der 22-Jährige wollte die Ware verkaufen, um seinen Cannabiskonsum zu finanzieren. Er lebte von Sozialhilfe, mit seiner abgelaufenen Aufenthaltsbewilligung fand er sowieso keinen Job.

Seit er im Gefängnis sitzt, hat er keinen Zugang mehr zu Cannabis, erhält dafür Neuroleptika und wartet auf einen Therapieplatz. Glücklich ist er dort nicht, zumal er auch keiner Arbeit nachgehen kann, sagte er vor Gericht. Immerhin habe er keine Halluzinationen mehr. Auch derzeit im Waaghof liest er die Bibel «und andere Religionsbücher».

Staatsanwalt Camilo Cabrera verlangt einen Schuldspruch wegen Mordes. «Er hat trotz fehlender Einsichtsfähigkeit zielgerichtet gehandelt. Wir haben es hier im weitesten Sinne mit religiösem Fanatismus zu tun», so Cabrera. Damit sei auch zwingend ein Landesverweis von fünf Jahren auszusprechen. Verteidiger Sandro Horlacher hingegen wertete die Tat als vorsätzliche Tötung. «Er sah keine andere Möglichkeit, er stand unter erheblichem Druck. Man darf nicht vergessen, dass er an einer psychiatrischen Krankheit leidet», betonte der Verteidiger. Auf eine Landesverweisung sei zu verzichten, da hier keine Schuldfähigkeit vorliege.

«Ich bereue sehr, was ich gemacht habe», betonte er in seinem Schlusswort. Die drei Richter fällen ihr Urteil heute Mittwoch.

Mehr Basel!

Wer die Basler Quartiere nicht anhand von 4 Emojis erkennt, muss heute ohne Läckerli ins Bett!

Link to Article

Die Schweiz aus Basler Sicht – böse, böse, böse, böse, böse

Link to Article

«Morgestraich! Vorwärts, Marsch!» – das war der Auftakt der Basler Fasnacht

Link to Article

Basler Hooligan-Studie: 14 Prozent sind Akademiker und jeder Zweite schützt die Zähne

Link to Article

Adieu Basel. Jetzt muss ich statt Bebbi-Sägg Züri-Säck kaufen 

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

33
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pippo123 14.11.2018 04:43
    Highlight Highlight Ein Ausländer der nicht die Landesprache spricht noch eine Aufenthaltsbewilligung hat, bezieht Sozialhilfe.
    Natürlich ist der Mann nicht schuldfähig weil er Psychisch krank ist. Das heisst also die Schweiz schafft einen Mörder der keine Aufenthaltsbewilligung hat nicht aus.

    Ich fühle mich als Schweizer nur noch verrarscht. Ich habe in Firmen gearbeitet in denen 99% Ausländer arbeiten, weil es billiger als Schweizer anzustellen.

    Kriminelle Ausländer dürfen oder können nicht ausgeschafft werden dank irgendwelchen stupiden Regeln aus Brüssel.........
  • Juan95 14.11.2018 00:34
    Highlight Highlight Religionsfeindlicher Hugo Stamm Artikel, der die Schuld wieder im Glauben sucht und ignoriert dass sein Cannabiskonsum warscheinlich seine Schizophrenie verstärkt und ihn zum Psychopaten gemacht hat in 3.. 2.. 1.....
  • Bijouxly 14.11.2018 00:32
    Highlight Highlight "Auf eine Landesverweisung sei zu verzichten, da hier keine Schuldfähigkeit vorliege."

    Ähm, seine Aufenthaltsbewilligung ist abgelaufen - Schuldfähigkeit hin oder her.

    Ganz im Ernst, langsam verstehe ich einige Wutbürger. Also das geht doch echt nicht - da fühlt man sich als 50-Stunden-Woche-Steuerzahler doch echt langsam veräppelt...
  • Pisti 13.11.2018 20:56
    Highlight Highlight Er hatte also eine abgelaufene Aufhentaltsbewilligung und erhielt trotzdem Sozialhilfe?
    Die Person die dies bewilligt hat müsste man auch fristlos kündigen. Und natürlich müsste noch die Staatsanwaltschaft aktiv werden und eine Untersuchung einleiten.
  • Musikuss 13.11.2018 19:57
    Highlight Highlight Es ist nicht die Religion, die schuld ist, dass er sein Gehirn mit Canabis zugenebelt hat! Aber es ist sehr auffällig, was in letzter Zeit alles möglich ist, mit dem angeblich harmlosen Shit: 1 geköpfte Grossmutter, weil sie kein Geld geben wollte, 1 Sohn, der seine Mutter aus dem selben Grund ermordete, aber ja klar, « legalize the pot » ist alles, was den vernebelten Hirnen in den Sinn kommt... Ich kenne einen Typen, der, wie er merkte, dass das Haus brannte, in dem er wohnte, nur seinen Shit im Wald vergrub, anstelle die Feuerwehr zu rufen!! Das Stöckli brannte vollständig ab...
    • riqqo 13.11.2018 22:05
      Highlight Highlight Alterrrrrr. Das ist wie, wenn vier Menschen je eine üble Straftat begehen und man bei ihnen jeweils ein Gascho Bier findet. Dann behauptest du auch nicht, dass es am Alkohol liegt, oder?

      Oder alle vier hatten Nike-Schuhe an oder ein iPhone oder weiss de Gugger was. Es wird immer jemand irgendwo einen Zusammenhang finden, um andere Sachen zu verteufeln...
  • Ataraksia Eudaimonia 13.11.2018 19:55
    Highlight Highlight Wenn Mensch keinen Halt in sich findet, dann sucht er diesen extern. Manche entdecken Religionskonzepte als etwas woran man sich orientieren kann, was Sinn, Geborgenheit gibt. Die anderen Shoppen, Zocken, sich ewig bilden, Genüssen übergeben, Umwelt retten...je nach Persönlichkeitsstruktur.
    Was aber immer alarmant ist wenn man sich darin verliert, wenn's einen 'verschlingt' statt was Externes zu bleiben...Da Religionen sozial legitim sind & Ersatz für manches versprechen, werden sie nicht selten & leicht 'missbraucht' von Menschen die unkritisch und mit sich selbst nicht im Reinen sind.
  • no-Name 13.11.2018 18:18
    Highlight Highlight Entfernt. Bitte formuliere deine Kritik sachlich. Danke, die Redaktion.
  • thegreif 13.11.2018 17:24
    Highlight Highlight Aber bitte zurück in sein Herkunftsland abschieben
    Mit abgelaufener Aufenthaltsbewilligung wollen wir solche Typen nicht noch über Jahre in unseren Gefängnissen horten und für sie bezahlen.
  • #Technium# 13.11.2018 17:24
    Highlight Highlight Jaja, immer im Nachhinein den Täter für schuldunfähig erklären...
  • hiob 13.11.2018 17:23
    Highlight Highlight himmel/hölle, gott/teufel, gut/böse. religiöse sehen oft nur schwarz/weiss. mal stands in der bibel, mal hat's ein engel geflüstert. dann war es der teufel, das schlitzohr. die machen doch einfach was sie wollen und sind mit sich im reinen, weil ja eine höhere macht über sie bestimmt. solche leute kotzen mich an.
  • Herr Kules 13.11.2018 17:00
    Highlight Highlight Da sieht man, was die Religion mit einem Menschen anstellt.
    • Nickname_499 13.11.2018 17:14
      Highlight Highlight Das hat nichts mit Religion zu tun, der Typ ist wohl krank oder so! Ich lege meine Hand ins Feuer, dass man nicht durch Bibel lesen und Religion fähig wird, jemanden zu töten! Die Probleme liegen in der Persönlichkeit dieses Menschen
    • Gollum27 13.11.2018 17:28
      Highlight Highlight viele psychisch kranke aber sehen sich durch eine höhere Macht befugt, irgendwelche absurden dinge zu tun. Denn was ist religion anderes als delusion?
    • meine senf 13.11.2018 17:35
      Highlight Highlight Vielleicht kann man Herrn Kules und Nickname_499 Recht geben:

      Die Religion ist nicht an der Krankheit schuld. Andererseits ist es sicher kein Zufall, dass viele psychisch Kranke von einem Religionswahn befallen werden. Andere steigern sich aber genauso z.B. in nichtreligiöse Geheimdienstgeschichten rein.

      Letztendlich ist Religion eine gesellschaftlich akzeptierte Massenpsychose (die im besten Fall keinen Schaden anrichtet). Und einen Jesus würde man heute nicht ans Kreuz nageln, sondern in die Psychiatrie einliefern.

      Die Religion ist also nicht direkt schuld, Zusammenhänge gibt es aber.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Okabe Rintarou 13.11.2018 16:52
    Highlight Highlight Lebenslänglich wegsperren oder nach Portugal zurück so schwer ist das nicht...
    • Nick3628 13.11.2018 22:37
      Highlight Highlight Er kommt aus 🇧🇷 er soll da zurück.

Nach zwei Monaten können die letzten gestrandeten Kurden den Flughafen Zürich verlassen

Seit Anfang Oktober sassen die türkischen Kurden Mustafa Mamay und Dogan Yildirim im Transitbereich fest und fürchteten die Ausschaffung. Jetzt dürfen die letzten dort verbliebenen Mitglieder der einst 20-köpfigen Gruppe in die Schweiz einreisen: Das Bundesverwaltungsgericht gab ihren Beschwerden recht.

Die watson-Reportage aus dem Transitbereich des Flughafens Zürich löste ein grosses Medienecho aus. Das Schicksal der rund 20 dort gestrandeten Kurden, welche teilweise schon seit Wochen im Flughafen lebten, bewegte die Schweiz. Am Mittwoch können die letzten beiden dort verbliebenen Kurden den Transitbereich verlassen.

Einer davon ist der 27-jährige Dogan Yildirim, ein Informatiker mit Universitätsabschluss. Er stammt aus Sirnak, einer mehrheitlich von Kurden besiedelten Provinz in der …

Artikel lesen
Link to Article