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Ist der dritte Shot nötig? Und für wen? Sechs Antworten zur Impfauffrischung

In einigen Ländern wird bereits zum dritten Mal geimpft. Eine solche Auffrischungsimpfung ist in der Schweiz noch kein Thema. Wir erklären, warum das so ist und für wen ein Booster ein Vorteil ist.
30.09.2021, 06:5630.09.2021, 06:57
Bruno Knellwolf / ch media

Für welche Personen macht eine dritte Impfung Sinn?

Generell für Menschen, bei denen die Wirkung der vollständigen, doppelten Impfung nachlässt. In erster Linie für sehr verletzliche Risikopersonen in Alters- und Pflegeheimen, die dort nahe beieinander leben. Für solche Personen könne eine dritte Impfung, die nun vielerorts gefordert wird, durchaus Sinn machen, sagt der Zürcher Epidemiologe Milo Puhan.

In einem CH-Media-Interview hat Andreas Radbruch, Immunologe an der Charité in Berlin, gesagt, dass alte Menschen erst mit der dritten Impfung eine Immunantwort erhalten, wie sie jüngere Menschen bereits nach der doppelten Impfung haben. Der Schutz sinkt bei einer aggressiven Virusvariante wie Delta, die viel ansteckender ist. Dafür ist nach Radbruch das Immunsystem, das bei alten Leuten träger reagiert, bei manchen Betagten nicht genug gerüstet. Da sie nach der dritten Impfung so viele Antikörper wie jüngere Leute haben, empfiehlt Radbruch generell eine dritte Impfung von über 60-Jährigen.

Warum wird in der Schweiz noch keine Booster-Impfung empfohlen?

Christoph Berger: «Bisher sind in der Schweiz die vollständig mit mRNA Geimpften gut geschützt, insbesondere sehr gut gegen schwere Covid-19-Infektionen.»
Christoph Berger: «Bisher sind in der Schweiz die vollständig mit mRNA Geimpften gut geschützt, insbesondere sehr gut gegen schwere Covid-19-Infektionen.» Bild: keystone

Der Chef der Eidgenössischen Impfkommission Christoph Berger hat gestern an der wissenschaftlichen Medienkonferenz in Bern erklärt, dass gesunde erwachsene Geimpfte im arbeitsfähigen Alter in nächster Zeit keine Auffrischimpfung brauchen. «Bisher sind in der Schweiz die vollständig mit mRNA Geimpften gut geschützt, insbesondere sehr gut gegen schwere Covid-19-Infektionen», sagt Berger. Für eine Auffrischimpfung brauche es zuerst eine Zulassung von Swissmedic. Und zudem klare Hinweise darauf, bei welchen Geimpften der Impfschutz nachlässt.

Die Impfkommission und das BAG verfolgten die Datenlage in Ländern mit Booster-Impfungen genau und seien vorbereitet, rasch eine entsprechende Impfempfehlung bekannt zu geben. Diese werde beschreiben, ob diese für 70- oder 80-jährige gelte und wie viele Monate nach Erhalt der zweiten Dosis die Auffrischung nötig sei. Man sehe noch kein Nachlassen der Impfwirkung, sagt Virginie Masserey vom BAG, was Berger bestätigt. «Wichtig ist jetzt, jene zu impfen, die noch nicht geimpft sind, statt Auffrischimpfungen anzubieten», sagt Masserey. Man kann davon ausgehen, dass für die Ältesten noch vor dem nächsten Frühling eine Empfehlung für eine Auffrischimpfung bekannt gegeben wird.

In welchen Ländern ist mit Drittimpfungen begonnen worden?

Booster-Impfungen werden in den USA, Grossbritannien und in Israel schon seit längerer Zeit durchgeführt. Obwohl es in Deutschland noch keine offizielle Empfehlung gibt, hat die deutsche Gesundheitsministerkonferenz die Booster-Impfungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen empfohlen. Kritisch sieht die Weltgesundheitsorganisation WHO Booster-Impfungen und hatte deshalb ein Moratorium gefordert, damit zehn Prozent der Bevölkerung in allen Ländern geimpft werden können. Drittimpfungen in Industrieländern verlangsamen nach der WHO die schleppenden Impfprogramme im globalen Süden.

Wann wird die Swissmedic eine Zulassung für eine dritte Impfung erteilen?

Wann die Schweizer Arzneimittelbehörde eine dritte Impfung generell zulassen wird, kann Alex Josty von Swissmedic zur Zeit nicht sagen. Der Fahrplan der Zulassung werde massgeblich durch die Firmen bestimmt, unter anderem durch die Qualität der Unterlagen. Wenn die Voraussetzungen erfüllt seien, könne eine Zulassung schnell erfolgen. Josty zeigt das am Beispiel der kurzen Prüfungsdauer für die Zulassung der Covid-Impfstoffe ab 12 Jahren, die bei Pfizer/Biontech einen Monat gedauert hat, bei Moderna zwei Monate. Die dritte Impfung könnte also bald möglich sein.

«Wir beurteilen unter anderem die Wirksamkeit nach der zweiten Dosis, die Notwendigkeit einer dritten Dosis, die Zeitdauer zwischen der zweiten und der dritten Dosis. Wenn wir den Nutzen grösser als die Risiken einschätzen, lassen wir die Indikationsänderung zu», sagt Josty und fügt an: Der Lead bei der Impfstrategie liege aber nicht bei der Swissmedic, sondern beim BAG und der Impfkommission, die noch keinen Zeitpunkt für eine Booster-Impfung nennen.

Ist bei einer dritten Impfung mit den gleichen Nebenwirkungen zu rechnen, wie nach der zweiten Impfung?

Diese Frage sei im Moment noch schwierig zu beantworten, sagt Impfchef Berger. Weil die Schweiz noch keine Zulassung durch Swissmedic habe und weil solche Daten in den jeweiligen Zulassungsunterlagen enthalten sind. Gemäss Interpretation der Daten aus den USA, wo die Auffrisch-Impfungen ein grosses Thema sind, ist die Verträglichkeit ähnlich wie nach der zweiten Dosis. Das heisst, die einen werden etwas spüren, die anderen nicht. Swissmedic schreibt, die Nebenwirkungen seien Teil des Prüfungsprozesses, «worüber wir erst bei der Zulassung kommunizieren werden.».

Gibt es in der Schweiz schon Ausnahmen bei den Booster-Impfungen?

Schon heute können Booster-Impfungen bei Risikogruppen, also bei Immunsupprimierten, bei denen das körpereigene Abwehrsystem unterdrückt wird, und bei älteren Risikopersonen vorgenommen werden. «Besonders gefährdete Personen» listet das BAG auf. Zum Beispiel kann eine dritte Dosis die Impfantwort bei transplantierten Personen verbessern.

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