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Direction generale de la Banque cantonale vaudoise, mardi 23 aout  2011.   ARC Jean-Bernard Sieber

Stefan Bichsel ist Generaldirektor bei der Banque Cantonale Vaudoise und leitet die Division Asset Management & Trading.  Bild: ARC

«Kryptowährungen sind eine vorübergehende Mode»

Stefan Bichsel, Generaldirektor der Banque Cantonale Vaudoise (BCV), erklärt, warum er kaum noch eine Bank von innen sieht, weshalb er wenig von Bitcoins & Co. hält, und weshalb es beim Geldanlegen keinen Airbag gegen politische Risiken gibt.



Kantonalbanken stehen im Ruf, konservativ zu sein. Stimmt das heute noch?
Konservativ zu sein ist für eine Bank gar nicht schlecht. Es bedeutet auch, dass sie keine unsinnigen Risiken eingeht. Es hindert sie aber nicht daran, auch modern und schnell zu sein. Deshalb habe ich am liebsten, wenn man die BCV als konservativ-modern bezeichnet.  

Modern zu sein heisst heute für eine Bank: Apps statt Filialen, den Fintech-Zug nicht verpassen. Gilt das auch für Sie?
Sehen Sie (zieht sein Smartphone aus der Tasche): Wir haben sogar zwei BCV Apps und TWINT. Sie können bei uns die meisten Bankgeschäfte mit Ihrem Smartphone erledigen.  

«Die App wird zur Agentur. Sie haben dort ihr Konto, ihre Hypothek, wickeln damit ihre Börsengeschäfte ab.»

Fintech werde die Bankenszene aufmischen wie das heute mit den Medien geschieht, hört man gelegentlich. Was ist davon zu halten?
Auch wir werden unser Filialnetz einmal anpassen, aber im Kern bleibt das Geschäft erhalten. Die App wird zur Agentur. Sie haben dort ihr Konto, ihre Hypothek, wickeln damit ihre Börsengeschäfte ab, etc. Vor allem junge Leute sehen kaum mehr eine Bank von innen. Es gibt aber heute noch Menschen, die gerne auf die Bank gehen und dort in der Warteschlange plaudern. Eine Bank hat auch eine soziale Funktion. Seriöser: es gibt zwar Banktransaktionen, die Sie einfach im Internet oder mit einem App ausführen könnten. Oft ist aber ein Gespräch mit einem Berater wichtig: für eine erste Hypothek, zum Beispiel, oder wenn ein Kunde in Zeiten schwieriger Märkte  seine Asset Allocation überprüfen möchte.  

Eine Kantonalbank soll dem regionalen Gewerbe und den KMU günstige Kredite und dem Mittelstand bezahlbare Hypothekarkredite vermitteln. Warum zieht es die BCV nach Zürich?
Vor 150 Jahren war die Waadt ein Landwirtschaftskanton. Heute beträgt der Anteil Landwirtschaft an der gesamten Wirtschaft gerade mal ein Prozent. Die Waadt gehört zu den Schweizer Regionen, die am schnellsten wachsen und hat heute fast 800'000 Einwohner. Sie hat auch keine Monokultur wie Basel mit der Pharma. In der Waadt gibt es alles, vom modernsten Dienstleister über Med-Tech Unternehmen, IT-Start-Up‘s bis zum Weinbauern und sie ist eine AAA-Kanton. Am Genfersee gibt es mit von den anspruchsvollsten Kunden der Welt. Daher glauben wir auch dem Kunden in der Deutschschweiz etwas zu bieten zu haben. Das tun wir über unsere Vertretung in Zürich, die sich ausschliesslich auf das institutionelle Anlagegeschäft und den Fondsvertrieb konzentriert.  

La bouteille de chasselas du Clos de Chillon immergee dans le lac Leman, photographiee au bord du lac au Chateau de Chillon a Veytaux, pres de Montreux, ce samedi 13 mai 2017. Cette experience unique vise a observer l'evolution du vin dans un milieu lacustre. (KEYSTONE/Thomas Delley)

Mehr als Wein: Der Kanton Waadt. Bild: KEYSTONE

Wie sieht es umgekehrt aus. Gehen die deutschschweizer Banken auch in die Romandie?
Eher nicht. Viele Deutschschweizer haben immer noch nicht wahrgenommen, was in der Romandie abgeht. Sie gilt immer noch als Provinz. Dabei braucht sich beispielsweise die ETH Lausanne längst nicht mehr von der ETH Zürich zu verstecken, und die Hotelfachschule Lausanne und viele andere gehören zu den besten weltweit. Das zieht viele Talente an, die mithelfen, den Wirtschaftsraum zu stärken.

Derzeit gibt es sehr viele Wirbel um die Kryptowährungen, um Bitcoins, Ether und wie sie alle heissen. Wie weit ist dieses Thema auch bei den Kantonalbanken angekommen?
Für unsere Kunden sind Bitcoins kaum ein Thema. Interessant für uns ist vor allem die damit verbundene Technologie, die Blockchain. Auch wir klären ab, in welchen Bereichen wir sie einsetzen können. Richtig eingesetzt, kann sie unser Geschäft viel effizienter und auch sicherer machen.  

«Die Investoren haben sich an die politischen Unsicherheiten gewöhnt.»

Jeden Tag entstehen neue Kryptowährungen und werden an Börsen gehandelt, die kaum jemand kennt. Hand aufs Herz: Begreifen Sie noch, was da abgeht?
Ich halte das für eine vorübergehende Mode. Was sind Kryptowährungen überhaupt? Ein Zahlungsmittel? Ein Anlagemittel? Im Alltag haben sie überhaupt noch keine Relevanz. Offenbar wickelt man damit im Darknet kriminelle Geschäfte ab. Sollten Bitcoin & Co. tatsächlich eine kritische Masse erreichen, dann müssen sie auch reguliert werden.  

Katsching! Zahltag und 11 Arten mit dem Geld umzugehen

Video: watson

Vor rund zehn Jahren ist das Bankensystem beinahe zusammengebrochen. Wie sicher ist es heute geworden?
Die Eigenkapitaldecken der Banken sind vergrössert und die Transparenz verbessert worden. Insgesamt ist das Bankensystem deshalb viel sicherer geworden. Für die BCV war dies ohnehin nie ein Thema. Uns hat die Immobilienkrise der 90er Jahre eine Lehre erteilt, die wir nicht vergessen haben. Deshalb sind wir ungeschoren durch die Finanzkrise gekommen.  

Heute haben wir eine kritische geopolitische Situation. Nordkorea, Spannungen zwischen den USA und Russland. Die Anleger scheint dies nicht zu kümmern, die Börsen boomen weiter. Ist das nicht leichtsinnig?
Die Investoren haben sich an die politischen Unsicherheiten gewöhnt. Diese lassen sich auch schwer in das Anlageverhalten integrieren oder in einem Anlageprozess modellieren. Es gibt keinen Airbag gegen politische Krisen ausser einer generell etwas vorsichtigeren Risikopositionierung.

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