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Ueli Maurer erklärt an der Medienkonferenz des Bundesrates, zu welchen Konditionen die Schweizer Banken Firmen mit Liquiditätsproblemen Kredite mit Bundesgarantie gewähren.
Ueli Maurer erklärt an der Medienkonferenz des Bundesrates, zu welchen Konditionen die Schweizer Banken Firmen mit Liquiditätsproblemen Kredite mit Bundesgarantie gewähren.Bild: KEYSTONE
Offen gesagt

«Lieber Herr Maurer, jetzt müssten Sie gehen ...»

Finanzminister Ueli Maurer hat geschafft, was niemand für denkbar gehalten hätte: Er präsentiert der Schweizer Volkswirtschaft eine Liquiditäts-Spritze zum Null-Tarif. Ein solcher Coup macht Legenden.
25.03.2020, 17:2826.03.2020, 15:01
Maurice Thiriet
Maurice Thiriet
Chefredaktor
Maurice Thiriet
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Lieber Herr Maurer

Es gilt ja für Magistraten die Losung, dass man sich nach dem Rücktritt nicht mehr in die Politik einmischen solle. «Servir et disparaître» heisst das Motto und ich würde verstehen, wenn Sie es jetzt beherzigten und abträten.

Während dieser ganzen Corona-Krise, so weit sie bis jetzt andauert, haben Sie von allen beteiligten Behördenvertretern die beste Falle gemacht. Zwei Wochen lang hat man nichts von Ihnen gehört, es ging schon das Gerücht um, Sie seien vom Kollegium als Risikogruppen-Angehöriger qua fortgeschrittener Seniorität ins Home Office abgeschoben worden.

Derweil präsentierte Wirtschaftsminister Guy Parmelin unzureichende Notpflästerli für die Wirtschaft, das Aussendepartement improvisierte mehr schlecht als recht die Repatriierung im Ausland gestrandeter Landsleute, Gesundheitsminister Berset steckte ob der unzureichenden Vorbereitung auf das Pandemie-Szenario in der Bredouille und die Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga musste ihm mit einem höchstinstanzlichen #staythefuckhome-Disziplinierungsappell zur Seite eilen.

Die Situation schien verzweifelt, ja nachgerade so aussichtslos, dass man sicherheitshalber die Armee aufbot.

Und dann kamen Sie: An der Medienkonferenz am Freitagnachmittag präsentierten Sie in knappen Sätzen Ihre Arbeit der vergangenen zwei Wochen. Es gebe sofort Geld für Firmen mit Liquiditätsproblemen, 500'000 Franken bei der Hausbank innert einer halben Stunde, bis 20 Millionen ebenfalls relativ unkompliziert. Das ganze Programm umfasse Dutzende Milliarden und laufe ab Donnerstag, der Bund und die Banken bürgten für die Darlehen.

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Bumm. Und plötzlich waren Sie, der biedere Finanzminister, einst Geschäftsführer der Landi Hinwil, plötzlich der Heilsbringer, auf den im allgemeinen Chaos alle sehnlichst gewartet hatten.

So richtig glauben mochte man es nicht. Würde das Geld reichen, um die Krise zu bewältigen? Würden die Banken via Zinsen die Krise für ein sicheres Geschäft nutzen? Ihre Antworten: Die Zinsen werden moderat sein und ob das Geld reiche, schaue man dann. «Wir haben Probleme gehabt, die haben wir jetzt gelöst und wenn es neue Probleme gibt, dann lösen wir die wieder, ist ja klar», sagten Sie.

Dann präsentierten Sie am Mittwoch auch noch die Zinssätze für die Darlehen. 0 bis 0,5 Prozent bei einer Laufzeit von fünf Jahren und das, wie angekündigt, ab Donnerstagmorgen innert einer halben Stunde. Zu Ihren Füssen im Publikum sassen die Bankdirektoren, lasen Werbespots für Ihre Institute ab und beantworteten unter Ihrer Aufsicht die Detailfragen der Journalistinnen und Journalisten.

Schon unter normalen Umständen wären eine solche Leistung und zwei solche Auftritte mehr als bemerkenswert und würden lange in guter Erinnerung bleiben. Im Umfeld einer solchen Krise historischen Ausmasses gereichen sie jedoch zu nichts weniger als nationaler Legendenbildung.

Welchem Bundesrats-Mitglied ist es schon vergönnt, nach Ende der Amtszeit lange in Erinnerung zu bleiben? Und dann noch in guter? Ausser den Bundesstaatsgründern eigentlich keiner und keinem. Jedenfalls nicht aus historischer Perspektive.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bitte Sie, jetzt auf keinen Fall abzutreten. Wir werden Sie noch dringend brauchen. In finanzpolitischer, aber vielmehr noch in symbolischer Hinsicht – als jederzeit belastbare Projektionsfigur für die Hoffnung, dass alles wieder gut werden kann.

Aber ich würde verstehen, wenn Sie das Risiko scheuten. Das Risiko, während der weiteren Bewältigung der Corona-Krise und später im politischen Tagesgeschäft den innert zweier Wochen und zweier Medienkonferenzen erarbeiteten Nimbus unverschuldet wieder zu beschädigen. Dieses Risiko ist ja nicht klein, die Situation unberechenbar und die Fallhöhe nun grösser denn je.

Es heisst ja nicht umsonst, dass man aufhören solle, wenn es am schönsten ist. Disparaître auf dem Höhepunkt halt.

Aber auch wenn Sie uns jetzt nichts mehr schulden, so hoffe ich doch, dass Sie noch lange nicht verschwinden.

Hochachtungsvoll

Maurice Thiriet

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