Bauern wollen von Milchkäufern mindestens den Richtpreis

06.06.17, 11:20

Milchbauern wollen mehr Geld von den Milchkäufern und verweisen dabei auf ihre schwierige wirtschaftliche Lage. Weiterverkäufer und Verarbeiter sollen ab 1. Juli mindestens den Richtpreis der höchsten Stufe - 65 Rappen pro Liter - bezahlen, ohne Abzüge.

Vertreter des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) stellten ihre Forderung am Dienstag in Bern den Medien vor. In Anbetracht der schwierigen Lage auf den Bauernbetrieben seien die höheren Preise für Milch zwingend und mehr als gerechtfertigt, sagte Bauernverbandspräsident Markus Ritter gemäss Redetext.

Bauern erhielten für die teuerste Milch nicht den von der Branchenorganisation (BO) Milch festgelegten Richtpreis von 65 Rappen, sondern weniger. Ein Mengenproblem gebe es in der Schweiz nicht: Die Milchmenge sei gegenüber dem Vorjahr um rund 5 Prozent gesunken. Weltweit seien die Milchpreise gestiegen.

Seit Monaten könne er nicht kostendeckend Milch produzieren, doppelte SBV-Vizepräsident Hans Frei laut Redetext nach. Denn Milchbauern legten drauf: Die Vollkosten der Milchproduktion lägen im Tal bei mindestens 65 Rappen, «ohne Entschädigung der eigenen Arbeit und ohne Verzinsung des Eigenkapitals».

In Hügel- und Berggebieten sei die Produktion noch teurer. Er selbst erhalte vier Rappen weniger als den Richtpreis, führte Frei aus. Damit fehlten ihm monatlich über 1000 Franken im Portemonnaie. Doch ein Ausstieg koste - wegen der Investitionen in den Milchbetrieb - noch mehr als der Betrieb.

Der Vorstand der Branchenorganisation Milch hatte am 24. Mai nach langer Diskussion entschieden, den Richtpreis für Milch in den Monaten Juli bis September nicht zu erhöhen. Er befürchtete, dass nach einer Erhöhung wegen Importprodukten und Einkaufstourismus weitere Marktanteile verlorengehen könnten.

Die BO Milch sieht jedoch «eine nicht in jedem Fall gerechtfertigte Differenz zwischen dem Richtpreis und dem tatsächlich ausbezahlten Milchpreis». Die Branchenorganisation forderte deshalb, diese Differenz zu verkleinern.

Milch ist nach Angaben von Markus Ritter der wichtigste Produktionszweig der Schweizer Landwirtschaft. Rund zwei Milliarden Franken des Produktionswertes stammten aus der Milch. «Weil der Milchpreis eine zentrale Bedeutung hat, ist auch die Verzweiflung gross und flächendeckend», sagte er.

Die Forderung des Bauernverbandes tragen die Schweizer Milchproduzenten (SMP) mit. Ungerechtfertigte Abzüge, die den Euro-Franken-Kurs und die Lage auf dem Fettmarkt ausgleichen sollten, dürfe es nicht mehr geben, verlangt die Organisation.

Die Butterproduktion in der Schweiz ist nach Angaben der SMP rückläufig. In den ersten fünf Monaten 2017 wurden mehr als 4000 Tonnen Butter weniger produziert als im Vorjahr. Die Butterlager hätten den für die Jahreszeit üblichen Umfang. (sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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