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Tom Lüthi schafft es nicht, in der MotoGP-Klasse zu punkten.
Tom Lüthi schafft es nicht, in der MotoGP-Klasse zu punkten.Bild: AP/AP

Warum es für Tom Lüthi Zeit ist, das MotoGP-Abenteuer zu beenden

Tom Lüthi (32) ist nach Luigi Taveri der beste Schweizer Rennfahrer aller Zeiten. Gerade deshalb sollte er sein MotoGP-Abenteuer sofort beenden.
10.09.2018, 19:25

Seit der Sommerpause ist Tom Lüthi nur noch ein Schatten seiner selbst. Nach dem 16. Rang beim GP von Tschechien hat er die beiden letzten Rennen in Spielberg und Misano auf dem schmählichen 22. Platz beendet. Nach wie vor wartet er auf die ersten WM-Punkte (für Platz 1 bis 15). Es ist so trostlos wie bei so manchen helvetischen Vorstellungen beim Eurovision Song Contest: «Null Punkte.»

Es war richtig, dass er die Chance für eine Saison auf dem Olymp der zweimotorigen Benzinverbrennung gepackt hat.

Die klägliche Vorstellung in Misano – garniert mit einem Trainingssturz – hat gezeigt, dass es für Tom Lüthi Zeit ist sofort aufzuhören. Nein, nein, natürlich nicht mit der Rennfahrerei. Da hat er mit ein bisschen Glück noch mindestens fünf gute Jahre vor sich. Valentino Rossi ist mit 38 noch WM-Zweiter in der «Königsklasse».

Ist es für Tom Lüthi an der Zeit, das MotoGP-Bike einzupacken?
Ist es für Tom Lüthi an der Zeit, das MotoGP-Bike einzupacken?Bild: EPA/EPA

Aber es ist Zeit, den «Traum MotoGP» unverzüglich zu beenden. Es war richtig, dass er die Chance für eine Saison auf dem Olymp der zweimotorigen Benzinverbrennung gepackt hat. Das ist ungefähr so, wie wenn Leonardo Genoni doch noch die Chance auf eine NHL-Saison bekäme. Tom Lüthi musste diese Chance packen. Aber genug ist genug.

Natürlich gibt es Verträge, die zu respektieren sind. Aber es würde seinem tüchtigen Manager Daniel Epp sicherlich gelingen, gute Gründe für einen vorzeitigen Abbruch der Saison zu finden. Und viel Medienpräsenz – und darum dreht sich alles in diesem Geschäft – entginge ja den Sponsoren nicht mehr. Tom Lüthi fährt inzwischen praktisch unerkannt im Windschatten der Medien und TV-Kameras.

Tom Lüthi (hier noch in der Moto2-Klasse) stürzt eine Klasse höher noch mehr.
Tom Lüthi (hier noch in der Moto2-Klasse) stürzt eine Klasse höher noch mehr.Bild: AP/AP

Nicht einmal mehr alle seine Stürze werden gezeigt. Er ist eigentlich nur noch rennmässig im TV zu sehen, wenn aus dem Helikopter die Vogelperspektive des MotoGP-Feldes vor dem Start gezeigt wird. Warum also nicht den Platz im Team dem Deutschen Testfahrer Stefan Bradl für den Rest der Saison überlassen? Tom Lüthi ist ja nicht einmal mehr dazu in der Lage, diesen Operetten-Rennfahrer hinter sich zu lassen.

Je länger er sich die «Königsklasse» noch antut, umso länger wird es dauern, dieses Selbstvertrauen in der Winterpause wieder aufzuforsten.

Warum das «Abenteuer Königsklasse» gescheitert ist, spielt inzwischen keine Rolle mehr. Es ist, wie es ist. Natürlich tut dieses Versagen dem Ego weh. Aber diese Egoschmerzen sind nicht mehr zu lindern. Selbst dann nicht, wenn es dem Emmentaler doch noch gelingen sollte, in einem der restlichen sechs Rennen ein paar WM-Pünktchen für eine Klassierung unter den ersten 15 zu ergattern. Es wäre bloss ein billiger Trostpreis.

Mit jedem MotoGP-Rennen verliert der Weltmeister von 2005 (125 ccm) ein bisschen mehr Selbstvertrauen. Je länger er sich die «Königsklasse» noch antut, umso länger wird es dauern, dieses Selbstvertrauen in der Winterpause wieder aufzuforsten. Er hat inzwischen die Motivation und die Leidenschaft verständlicherweise verloren.

Und ganz abgesehen davon besteht inzwischen bei jedem MotoGP-Wochenende ein erhebliches Verletzungsrisiko. Mit elf Stürzen ist Tom Lüthi ein Bruchpilot. Nur Alvaro Bautista (12), Carl Crutchlow (12) und Marc Marquez (14) sind noch öfters aus dem Sattel gefallen. Aber die drei fahren auf einem anderen Niveau, Crutchlow und vor allem Marquez gar auf einem anderen Stern.

Tom Lüthi sollte die restliche Saison für intensive Testfahrten mit den neuen Moto2-Höllenmaschinen von Triumph nützen. Es gibt noch genug Chassis-Hersteller, die ein paar der vom Reglement her zustehenden Testtage übrighaben. So kann der 16fache GP-Sieger im März besser vorbereitet als die Konkurrenz zur Moto2-WM 2019 starten. Und mit ein oder zwei solchen Tests bekäme er dieses Jahr mehr Medienpräsenz als mit allen restlichen MotoGP-Einsätzen zusammen.

Wenn Tom Lüthi nächste Saison um den WM-Titel fährt, wird niemand fragen, ob er einen WM-Punkt in der «Königsklasse» geholt hat oder nicht. Dann wird die Saison 2018 nur eine Fussnote in seiner Biographie sein. Ein Irrtum der helvetischen Töffgeschichte.

Soll Tom Lüthi weiterhin in der MotoGP-Klasse fahren?

Tom Lüthi hat alles, um nächste Saison die Moto2-WM zu gewinnen und so die Schmach von 2018 vergessen zu machen. Aber einfach wird es nicht sein. Mit jedem weiteren MotoGP-Wochenende, das er sich diese Saison noch antut, verringert er seine Titelchancen.

PS: Natürlich wird Tom Lüthi die MotoGP-Saison nicht vorzeitig beenden.

Meh Dreck! Die Motocross-WM gastiert in Frauenfeld

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