Wintersport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Austria's Matthias Lanzinger skis during the Men's Downhill Standing training at the 2014 Sochi Paralympic Winter Games at the Rosa Khutor Alpine Center, March 6, 2014.  REUTERS/Christian Hartmann (RUSSIA - Tags: SPORT SKIING OLYMPICS)

Matthias Lanzinger im Training in Sotschi am Donnerstag. Bild: Reuters

Sein langer Weg zurück

Sechs Jahre nachdem Skirennfahrer Matthias Lanzinger ein Bein amputiert wurde, greift er an den Paralympics nach Gold

Der Welt stockt der Atem, als Matthias Lanzinger im März 2008 beim Super-G in Kvitfjell schwer stürzt. Der Österreicher zieht sich Verletzungen zu, die eine Beinamputation erfordern. Die Karriere scheint vorbei zu sein – doch Lanzinger kämpft sich zurück.



Der fürchterliche Sturz, der Matthias Lanzingers Leben veränderte. Video: Youtube/Twinkobold

2. März 2008, ein Sonntag. Bald ist die Skisaison beendet. Matthias Lanzinger, einstiger Junioren-Weltmeister, geht mit Startnummer 30 auf die Piste. Der Super-G im norwegischen Kvitfjell sollte sein letztes Weltcuprennen sein.

Der Österreicher zieht sich bei einem heftigen Sturz einen mehrfachen, offenen Unterschenkelbruch mit schweren Gefässverletzungen zu. Bei der Operation kommt es zu Komplikationen, der linke Unterschenkel muss unterhalb des Knies amputiert werden.

First-place finisher, Austria's Hannes Reichelt (L) and teammate and third-place finisher, Austria's Matthias Lanzinger pose for photographs at the victory stand during the Men's World Cup Alpine Skiing Super G in Beaver Creek, Colorado, Thursday, 01 December 2005.  (KEYSTONE/EPA/JOHN. G MABANGLO)

2005: Lanzinger mit Sieger Hannes Reichelt (links). In Beaver Creek fährt er als Dritter das einzige Mal in seiner ersten Karriere auf ein Weltcup-Podest. Bild: EPA

Erster Sieg im zweiten Weltcuprennen

Lanzinger akzeptiert sein Schicksal rasch. «Das war alles schnell abgeschlossen», sagte er in einem Interview der «Kleinen Zeitung». Den Sport betreibe er nun nicht, um der Welt zu zeigen, wie gut er sei. Er wolle «einfach wissen, was noch möglich ist, wie weit ich kommen kann.»

Im Winter 2011/12 tritt Matthias Lanzinger erstmals zu Skirennen im Behindertensport an, mit den Paralympics in Sotschi als Fernziel. Der Weg dahin ist weit, mühsam. Im Januar 2013, ein gutes Jahr vor den Spielen in Russland, gewinnt Lanzinger erstmals im Weltcup.

«Im Alltag stört die Prothese kaum. Aber es ist gegenüber früher ein grosser Unterschied, wenn man vereiste Pisten hinunter muss, mit vollem Druck.» Er habe auch nicht erwartet, gleich in jedem Rennen abzuräumen, «nur erhofft, dass es in diese Richtung geht.»

epa01338659 Austrian ski racer Matthias Lanzinger juggles a ball at the rehabilitation centre in Bad Haering, Austria, 09 May 2008. Lanzinger had to undergo an emergency amputation of his lower left leg on March 04 in Oslo after breaking the leg in a World Cup Super G race.  EPA/ROBERT PARIGGER

2008: Zwei Monate nach der Amputation kann Lanzinger in der Reha bereits wieder einen Ball jonglieren. Bild: EPA

«Ich weiss, das Gold möglich ist»

Lanzinger, der Weltmeister in der Super-Kombination 2013, hat Mühe mit dem komplizierten Handicap-System. Nicht immer gewinnt bei Behinderten-Skirennen der Schnellste. Je nach Behinderung erhält man einen Zeitbonus oder einen -rückstand.

«Kurz gesagt: Jemand mit zwei gesunden Füssen muss schneller fahren als jemand mit einem Bein», drückt es der 33-Jährige salopp aus. «Auf einer leichten Abfahrt kann man den Rückstand auf einen schwerer Behinderten nicht aufholen. Dafür hat der auf einer schweren, eisigen Strecke keine Chance.» Es sei extrem schwierig, solche Unterschiede zu vergleichen, so Lanzinger. «Da hat der Sport noch viel Potenzial.» Bis zu 14 Sekunden muss er auf die Konkurrenten mit einer schwereren Behinderung gutmachen.

In Sotschi wird auf der gleichen Piste gefahren wie bei den Olympischen Spielen, wo mit Matthias Mayer bereits ein Landsmann und Namensvetter gewann. Allerdings ist die Paralympics-Strecke kürzer. «Wenn ich wo eine Abfahrt gewinnen kann, dann diese», ist Lanzinger optimistisch, «ich weiss, das Gold möglich ist.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

René Fasel: «Ich wollte auch Lukaschenko in die Augen schauen»

Die Bilder sind um die Welt gegangen und haben eine Welle der Empörung ausgelöst: Hockey-Weltpräsident René Fasel (70) umarmt Alexander Lukaschenko, den letzten Diktator Europas. Nun spricht René Fasel erstmals offen über diese Begebenheit und sagt, warum er nach Weissrussland gereist ist, was er dort getan hat und ob eine Weltmeisterschaft noch möglich ist.

War Ihnen bewusst, was Ihr Besuch in Minsk auslösen könnte?René Fasel: Ja sicher war mir bewusst, wie heikel die Reise nach Minsk ist.

Warum sind Sie zusammen mit Ihrem Generalsekretär Horst Lichtner das Risiko dieser Reise eingegangen?2017 ist die WM 2021 mit nur einer Stimme Differenz zu der Bewerbung von Finnland Weissrussland und Lettland zugesprochen worden. Bereits 2014 hatten wir die WM in Minsk ausgetragen und sie wurde ein grosser Erfolg. Die politische Situation seit den Wahlen im …

Artikel lesen
Link zum Artikel