Angriff auf Paris
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«Was ist mit Beirut?»: Viele Tote ≠ viel Berichterstattung – es kommt darauf an, wo es passiert

Am letzten Donnerstag gab es einen Doppelanschlag in Beirut, darauf folgten die Anschläge in Paris. Auf Social-Media beklagen sich viele, dass die Medien sehr ausführlich über Paris berichten, aber nur sehr wenig von Beirut. Hier ein Überblick über 10 schreckliche Ereignisse und wie ausführlich in der Schweiz darüber berichtet wurde.



Die Anschläge in Paris sind auf Social Media das Thema Nummer eins. Doch viele bekunden ihren Unmut darüber, dass der Doppelanschlag in Beirut ebenfalls 40 Todesopfer forderte. Immer wieder stösst man auf die Frage: «Sind westliche Leben etwa wertvoller als alle anderen?» Natürlich nicht.

Es ist aber trotzdem klar, dass einige Geschehnissen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, als anderen. Welche Ereignisse haben in der Schweizer Medienlandschaft die höchsten Wellen geschlagen? Wir haben in der Schweizerischen Mediendatenbank (SMD) nachgezählt, wie viele Schweizer Medienberichte innerhalb einer Woche nach einem schlimmen Ereignis erschienen sind: 

Bild

* Diese Ereignisse lagen beim Erstellen der Grafik weniger als sieben Tage zurück.
daten: schweizerische medien datenbank (smd)

 Das Erdbeben in Japan: 1088 Artikel

epa04657081 Namie fire brigade members are watching tsunami-crippled Tokyo Electric Company's Fukushima Daiichi Nuclear Power Plant, after searching for missing at Ukedo area, about five km north of the nuclear plant, in entry-restricted town of Namie, Fukushima Prefecture, northern Japan, 11 March 2015, on the fourth anniversary of the March 11 earthquake and tsunami in 2011. Namie town, close to Tokyo Electric Company's Fukushima Daiichi Nuclear Power Plant, had the largest number of such deaths at 359. The plant suffered a triple meltdown caused by the 11 March 2011 earthquake and tsunami that left about 19,000 dead.  EPA/KIMIMASA MAYAMA

Bild: KIMIMASA MAYAMA/EPA/KEYSTONE

Am 11. März 2011 bebte vor der Küste Japans die Erde. Die Folge war ein Tsunami und die Fukushima-Katastrophe. Das Tōhoku-Erdbeben forderte in seiner Gesamtheit 18'537 Leben und verwandelte die Region rund um das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in eine radioaktive Todeszone. In der ersten Woche nach dem Erdbeben erschienen in der Schweiz 1088 Artikel, die das Thema behandelten. 

«Je suis Charlie»: 852 Artikel

epa04986296 YEARENDER 2015 JANUARY
People embrace during a flash mob to pay tribute to the victims of a shooting at the French satirical magazine 'Charlie Hebdo' in Paris, outside of the French Embassy in Rome, Italy, 07 January 2015. Masked gunmen with automatic rifles killed 12 people at the Paris headquarters of satirical French magazine Charlie Hebdo, which had angered Muslims two years ago by publishing cartoons of the prophet Mohammed.  EPA/ANGELO CARCONI

Bild: EPA/ANSA

Der Terroranschlag auf die Redaktion des französischen Satire-Magazins «Charlie Hebdo» versetzte Europa im Januar in einen Schockzustand. Damals wurden in den Redaktionsräumlichkeiten der Zeitung wegen Mohammed-Karikaturen elf Personen von islamistischen Terroristen getötet. In der Schweiz erschienen in der folgenden Woche 852 Artikel zu dem Thema. 

#ParisAttacks: 431 Artikel

A rose placed in a bullet hole in a restaurant window the day after a series of deadly attacks in Paris, November 14, 2015. The note reads:

«Wofür?»
Bild: PASCAL ROSSIGNOL/REUTERS

Die Angriffe auf Paris sind noch keine ganze Woche her, doch vier Tage danach sind bereits 431 Artikel in der Schweiz erschienen. Die Angriffe auf einen Konzertsaal und verschiedene Schiessereien in der ganzen Stadt forderten bisher 129 Todesopfer. In viele Ländern wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

11. September 2001: 411 Artikel

ARCHIV: With the skeleton of the World Trade Center twin towers in the background, New York City firefighters work amid debris on Cortlandt St. after the terrorist attacks (11.09.01). (zu dapd-Text) Foto: Mark Lennihan/AP/dapd

Bild: AP

Der 11. September 2001 ging als schwärzester Tag der USA in die Geschichtsbücher ein. Als damals zwei entführte Flugzeuge in die Twin-Towers krachten und diese  daraufhin zusammenstürzten, starben 2'989 Menschen. Die Folgen des Anschlages sind bis heute spürbar. In der ersten Woche nach den Anschlägen erschienen in der Schweiz dazu 411 Artikel

Bombenanschlag beim Boston Marathon: 277 Artikel

epa04547192 (FILE) A file photo dated 15 April 2013 of scene over Boylston Street following two bomb explosions at the finish line area of the 117th Boston Marathon in Boston, Massachusetts, USA. Jury selection is to begin on 05 January 2014 in the trial of the young Chechen immigrant charged with killing four people and injuring scores of others in the 2013 Boston Marathon bombings and their aftermath. Dzhokhar Tsarnaev faces the death penalty in the April 15, 2013 twin bombings near the finish line of the annual iconic race. It was the worst terrorist attack in the United States since the September 11, 2001, attacks by al-Qaeda.  EPA/BILLIE WEISS *** Local Caption *** 50791645

Bild: BILLIE WEISS/EPA/KEYSTONE

Bei einem doppelten Bombenanschlag auf den Boston Marathon 2013 kamen drei Menschen ums Leben, darunter ein 8-jähriger Junge. Es war der erste grössere Terroranschlag in den USA seit dem 11. September. In der Schweiz erschienen dazu innert einer Woche 277 Artikel.

Das Massaker von Srebrenica: 81 Artikel

ZUM 20. JAHRESTAG DES MASSAKERS IN SREBRENICA AM SAMSTAG, 11. JULI 2015, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - A picture dated 16 July 1995 showing a Bosnian Serb armed vehicle crew driving through the empty streets of Srebrenica after the Bosnian Serb army took this UN safe area a week earlier. A much-delayed report into failure to prevent Bosnia's 1995 Srebrenica massacre, the worst atrocity on European soil since World War II, was due to be unveiled on Wednesday 11 April 2002 in The Hague, it was announced 08 April 2002. (KEYSTONE/EPA/Igor Dutina)

Bild: EPA

Während des Bosnienkrieges kam es am 11. Juli 1995 rund um die Stadt Srebrenica zu einem Massaker. Serbische Truppen töteten 8373 bosnische Muslime, vorwiegend Jungen und Männer. In der Schweiz erschienen damals in der ersten Woche nach dem Massaker 81 Artikel. Es war ein harter Rückschlag für die UNO, die mit Blauhelmtruppen vor Ort war, das Massaker aber nicht zu verhindern vermochte.

Anschläge in Mumbai: 75 Artikel

FILE- In this Nov. 29, 2008, file photo, an Indian soldier takes cover as the Taj Mahal hotel burns during gun battle between Indian military and militants inside the hotel in Mumbai, India. A Pakistani militant leader with a $10 million bounty on his head over his alleged involvement in the 2008 Mumbai terror attacks now has a new target: A Bollywood film that imagines him being assassinated. (AP Photo/David Guttenfelder, File)

Bild: David Guttenfelder/AP/KEYSTONE

Am 26. November 2008 kam es im indischen Mumbai an zehn unterschiedlichen Stellen innerhalb kurzer Zeit zu Explosionen und Geiselnahmen. Dabei starben 174 Menschen. Die Schweizer Medien berichteten darüber in 75 Artikeln.

#BeirutAttacks: 61 Artikel

epaselect epa05022831 Forensic experts of the Lebanese police inspect the damage at the site of a twin suicide attack in the Bourj al-Barajneh suburb of Beirut, Lebanon, 13 November 2015. Lebanon is observing a day of mourning on 13 November, one day after two suicide bomb attacks claimed by the Islamic State militant group killed 43 people in Beirut. The attacks, which also injured 239, were carried out by two suicide bombers in Beirut's southern suburbs, a stronghold for the pro-Iranian Shiite Hezbollah movement.  EPA/WAEL HAMZEH

Bild: WAEL HAMZEH/EPA/KEYSTONE

Auch der Doppelanschlag in Beirut ist noch keine ganze Woche her. In den ersten fünf Tagen erschienen in der Schweiz 61 Artikel, in denen der Doppelanschlag erwähnt wurde. Es starben 40 Menschen.

Eine «normale» Woche in Bagdad: 10 Artikel

Smoke rises from Islamic State positions following a U.S.-led coalition airstrike during a military operation launched by Iraq Anti-terrorism forces to regain control the western suburbs of Ramadi, the capital of Iraq's Anbar province, 70 miles (115 kilometers) west of Baghdad, Iraq, Saturday, Nov. 14, 2015. (AP Photo/Osama Sami)

Bild: Osama Sami/AP/KEYSTONE

Die Hauptstadt des Irak kommt nicht zur Ruhe. In den Tagen zwischen dem 1. und 7. Oktober 2015 kam es in Bagdad zu zwei Bombenanschlägen, bei denen insgesamt 80 Menschen starben. In den Schweizer Medien finden sich dazu 10 kurze Artikel.

Eine «normale» Woche in Nigeria: 1 Artikel

FILE - In this file photo taken Wednesday, April 8, 2015, Nigerian soldiers man a checkpoint in Gwoza, Nigeria, a town newly liberated from Boko Haram. Nigeria's military says troops freed 338 captives, mainly children and women, in raids on Boko Haram camps in northeast Nigeria. Nigeria's Defense Headquarters says 30 militants of the Islamic extremist group were killed on Tuesday Oct. 27, 2015 in attacks on the fringes of the Sambisa Forest. (AP Photo/Lekan Oyekanmi, File)

Bild: Lekan Oyekanmi/AP/KEYSTONE

Auch Nigeria hat zur Zeit mit Anschlägen der Al-Shabaab-Miliz zu kämpfen. In der selben Woche (1.-7. Oktober) wurden bei zwei Angriffen 39 Menschen getötet. In der ganzen Schweiz findet sich dazu nur ein Artikel.

Paris gedenkt der Toten

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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Howard271
17.11.2015 15:58registriert October 2014
Interessant wäre auch zu sehen, wie diese Zahlen denn in anderen Weltregionen aussehen: wie prominent sind die Attentate in Europa in Medien des Nahen Ostens oder Westafrikas vertreten? Ich könnte mir gut vorstellen, dass es auch dort einen "Regions-bias" gibt - was auch verständlich wäre.
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elivi
17.11.2015 16:05registriert January 2014
Ist das hier eine Selbstkritik? ich hab nähmlich vergeblich irgend ein bericht über Beirut auf Watson zu finden!
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Selbstdenker
17.11.2015 17:44registriert September 2015
Ihr selber seit aber auch nicht besser. :D Als ich letztens auf watson war, sah ich ca. 10 Beiträge zu Paris und keinen einzigen zu Beirut. Trotzdem glaube ich liegt es auch daran, dass Frankreich der Schweiz sehr ähnlich ist und man sich da rein versetzt. Ist aber nur eine Vermutung.
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