Coronavirus
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watson an der Grenze: «Echte Tessiner haben keine Angst vor dem Coronavirus»

Nur wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt breitet sich das Coronavirus aus. Was löst dies bei den Menschen aus? Vier betroffene Leute erzählen.

adrian müller, chiasso



Paulo, 62, aus Chiasso

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bilder: watson

«Echte Tessiner haben keine Angst! Das ist bloss Theater!»

Paulo Coduri ist der Chef der südlichsten Apotheke der Schweiz. Nur einen Steinwurf entfernt vom Grenzübergang in Chiasso bedient er seine Kunden. Er hat viel zu tun: Die Coronavirus-Hysterie in Italien mache sich je länger, je mehr auch in der Schweiz bemerkbar.

Die Leute seien am Vormittag bis auf die Strasse angestanden. «Aber wir haben keine Masken mehr», sagt der Apotheker seelenruhig. Im Gespräch merkt man sofort, dass er das Coronavirus eher gelassen nimmt. «Echte Tessiner haben keine Angst. Das ist bloss Theater!» Aus seiner Sicht mache es keinen Sinn, die Grenzen zu schliessen. «Ich vertraue den Behörden voll und ganz.»

Die aufkommende Panik in Italien beobachtet er dennoch mit Sorge. «Es sind zwar nur ein paar Kilometer bis nach Como, aber das ist schon eine andere Welt.»
Das Virus sei zwar nicht viel gefährlicher als eine normale Grippe. «Das Ding steckt aber bereits in den Köpfen der Leute fest. Das macht es so kraftvoll», sagt Coduri und kümmert sich um den nächsten Kunden.

Elise, 28, aus Mailand

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Elise (28) arbeitet in einer Pasticceria auf der italienischen Seite beim Grenzübergang Como. «Langsam habe ich schon Angst vor dem Coronavirus. Ich wollte mir eine Maske kaufen, aber die sind überall ausverkauft.»

Viele der Grenzgänger seien inzwischen wirklich beunruhigt. «Einige Geschäfte haben bereits geschlossen. Ich weiss nicht, wie lange wir unsere Confiserie noch offen halten», sagt die Frau.

«Was, wenn die uns bald in diesem Kaff einsperren?»

Am Tresen blättert ein Kunde derweil im Corriere della Sera. Auf der Titelseite prangen die Bilder von den abgeriegelten Städten in der Po-Ebene. «Was, wenn die uns bald hier in diesem Kaff einsperren?», so der rüstige Rentner. Kippt seinen Espresso runter und läuft davon.

Thomas, 25, aus Como

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Der Chemie-Student steht mit einem grossen Koffer am Bahnhof Chiasso. Er hat sich entschlossen, drei Tage früher als geplant von Como nach Zürich zu reisen. In der Limmatstadt startet er sein Studium an der ETH. «Ich fürchte, dass sie wegen des Virus bald die Grenzen schliessen. Darum bin ich schon jetzt los.»

«Ich fürchte, dass sie wegen dem Virus die Grenze schliessen.»

In seiner Heimatstadt werde die Situation von den Leuten und auch der Regierung aufgebauscht. «Viele Italiener reagieren total panisch auf das Virus.» Seine Freundin habe kaum noch Essen im Supermarkt gefunden, weil alles leergekauft sei. «Zum Glück kann ich nun in die Schweiz. Hier läuft alles normal weiter.»

Sonja, 59, aus Lugano​

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Diese Frau weiss, warum unsere südlichen Nachbarn derart ausser sich sind wegen des Coronavirus. Sonja lebt in Lugano und Sizilien. «Die Italiener sind generell sehr abergläubisch, die haben Angst vor fast allem», so die gebürtige Baslerin. Trotz der räumlichen Nähe sei dies halt eine ganz andere Mentalität als im Tessin. Dennoch habe sie auch in Lugano Leute gesehen, die mit Gesichtsmaske herumliefen – und zwar nicht wegen der Fasnacht.

«Die Italiener sind sehr abergläubisch. Das wirkt sich auch auf das Virus aus.»

Macht es aus ihrer Sicht Sinn, nun die Grenzen zu schliessen? «Das wäre natürlich das Beste für die Schweiz. Aber das können wir nicht machen. Hier gibt es so viele Grenzgänger, die sind auf ihre Arbeit angewiesen.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • wolge 25.02.2020 08:25
    Highlight Highlight Wir sollten mal über die Rolle der Medien sprechen...

    Es ist ein schmaler Grad zwischen Information und Steigerung der Auflage / Klickrate...

    Wäre die Hysterie in der Bevölkerung so unangebracht hoch, wenn die Medien anders Bericht erstatten und das Thema nicht so aufbauschen würden?
  • Cyberpunk 24.02.2020 22:38
    Highlight Highlight «Die Italiener sind generell sehr abergläubisch,die haben Angst vor fast allem».Mal schauen,was sie sagen,wenn es in ihrem engeren Umfeld ausbricht.Die Übertragung ist sehr einfach (Türgriffe,Handschläge,ÖV,Toiletten,etc). Die Grenzschliessung ist allerdings nutzlos,denn infizierte Personen mit milden Symptomen werden an der Grenze sowieso nicht erkannt.. Weshalb allerdings keine screenings?Medizinische screenings dienen,um Ausbrüche festzustellen (~Fieber).Dies wäre an Flughäfen sinnvoll.Wird es dort gemacht?Nein.Weshalb?Keine Ahnung.Gemischte Gefühle JA - weil, kein vertrauen in die Behörden
  • Juliet Bravo 24.02.2020 19:55
    Highlight Highlight Der Apotheker Paolo in Chiasso nimmt es sehr nonchalant.
    Interessant ist die Aussage, er vertraue den Behörden. Das ist ein zentraler Unterschied zu Italien, wo ein geringeres Vertrauen in Institutionen herrscht. Vertrauen ist häufig eine Familienangelegenheit.
  • MyPersonalSenf 24.02.2020 19:53
    Highlight Highlight Ich lebe nun sei über 20 Jahren im Tessin.. und genau das was Frau Sonja aus Lugano sagt ist sowas von wahr. Sie sprechen zwar die gleiche sprache, aber du gehat pber die Grenze und allles wirklich alles und alle sind anders.. ausser eben die sprache. Es ist echt bizzarr!
    Ich war heute arbeiten im Tessin...alles georndnet und gelassen.. wir folgen den pandemie regeln und waschen die Hände wie vom betreib angegeben und wer sich krank fühlt soll/darf zu hausen bleiben..
    Hysterie habe ich heute hier keine gefühlt (die Grenzgänger lachen über die hysterie bei Ihnen...)
  • Mäf 24.02.2020 19:43
    Highlight Highlight 😅 der Mensch wieder; was liegenbleibt ist das gesunde Gemüse...
    • Bartli, grad am moscht holä.. 25.02.2020 11:26
      Highlight Highlight Naja. Leicht verderbliche ware halt. Viele wissen nicht mehr wie man gemüse haltbar machen kann, oder haben keine zeit dafür. Wobei ich im falle einer quarantäne davon ausgehe, dass strom und wasser nicht gekappt werden. So kann man gemüse auch tiefgefroren kaufen. Welches übrigens meist mehr vitamine etc enthält als „frisches“. Ausser es kommt direkt aus dem garten.
  • De-Saint-Ex 24.02.2020 19:24
    Highlight Highlight „Echte“ Tessiner... würg... wohl Lega-Sprache
    • Mirischgliich 24.02.2020 20:33
      Highlight Highlight Aber es ist ja die Lega, die am liebsten die Grenze zu machen will...
  • Orest (1) 24.02.2020 19:16
    Highlight Highlight Echte Tessiner zahlen keine Steuern ;)
  • ARoq 24.02.2020 19:12
    Highlight Highlight Masken? Im Cantone haben wir ein Verhüllungsverbot ;)
    • Robin Le Chapeau 24.02.2020 19:50
      Highlight Highlight Masken gehören an den Maskenball und die Fasnacht...
      Von den Schutzmasken wird man ja krank (psychoeffekt). Ausser beim Zahnarzt und anderem Gesundheitspersonal... da macht es schon eher Sinn.

Frankreich und Deutschland blockieren weiter Schutzmasken für die Schweiz

Die EU-Kommission hat die EU-Staaten angewiesen, Lieferungen von Schutzmaterial in die Schweiz nicht mehr zu blockieren. Doch in der Krise zählt das Machtwort aus Brüssel wenig.

Wirtschaftsminister Guy Parmelin konnte Ende letzter Woche einen Erfolg vermelden: Nach seiner mehrmaligen Intervention beim EU-Handelskommissar Phil Hogan hat die EU-Kommission eine Regelung abgeändert, die den Export von Schutzmaterial wie Masken oder Handschuhen in Drittländer beschränkt. Lieferungen in die Schweiz sollten von Deutschland oder Frankreich nicht mehr am Zoll blockiert werden können, wie das zum Beispiel bei einem Lastwagen mit 240'000 Schutzmasken der Fall war.

Nun zeigt sich: …

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