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Nicht unser Mann aber auch einer, der es sich gut gehen lässt: Foto des Instagram-Accoun<a href="https://www.instagram.com/p/BIQHdM0DhQM/?taken-by=richkidsofinstagram&amp;hl=de" target="_blank">ts: «Rich Kids of Instagram</a>»
Nicht unser Mann aber auch einer, der es sich gut gehen lässt: Foto des Instagram-Accounts: «Rich Kids of Instagram»
Interview

Laurent* gibt jeden Monat 11'000 Franken aus – «Worauf soll ich denn sparen?»

Wir sind ein Volk von Sparern, von Auf-die-Seite-Legern, von heimlichen Vermögensmillionären. Nicht so Laurent*. Er verdient 11'000 Franken pro Monat und gibt alles aus. Weshalb? Ein Interview mit einem Bonvivant.
12.12.2016, 09:1312.12.2016, 17:22

Vielen Dank Laurent*, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Darf ich wissen, wie alt du bist?
Laurent:
Das mache ich gerne, lieber Patrick. Und natürlich, du darfst, das Alter ist bei mir kein Geheimnis. Ich bin 38 Jahre jung.

Du bist also schon eine ganze Weile arbeitstätig. Wie viel hast du dir in dieser Zeit zusammengespart?
Laurent: Ja, seit nunmehr 13 Jahren bin ich arbeitstätig. In dieser Zeit habe ich mir mindestens 35 Paar Schuhe angespart! Aber im Ernst, deine Frage zielt wohl auf den Betrag aus, der auf meinem Sparbuch lagert. Das ist weniger als ein Monatslohn.

Und wie hoch ist dein Monatslohn?
Laurent:
Jetzt wird's indiskret! 😱 Aber ich halte es wie die Amis. Die Höhe des Salärs repräsentiert den beruflichen Erfolg 😉. Angefangen habe ich mit 7'000 Franken pro Monat, mittlerweile sind es 11'000.

Dann will ich es auch wie die Amis halten und gratuliere dir herzlich zu deinem Salär. Wie aber in Gottes Namen gibt man jeden Monat so viel Geld aus?
Laurent:
 Thank you so much, Patrick!!! 
Nun, um dir diese Frage differenziert beantworten zu können, muss ich etwas ausholen. Ich hoffe, eure Leserschaft verkraftet das. Es gibt hierzu meiner Meinung nach zwei Aspekte, die man beleuchten kann: Erstens, welchen materiellen Lebensstandard «gönnt» man sich und zweitens, nach welcher Lebensphilosophie handelt man. Diese beiden Aspekte sind natürlich gewissermassen auch miteinander verknüpft.

Zum Ersten: Wohnen ist und war mir immer sehr wichtig und Wohnen ist in Zürich Stadt bekanntlich teuer. Zeitweise ging mehr als ein Drittel meines Salärs für die Wohnungsmiete drauf. Zusammen mit dem Anspruch, dass ich mir das gönne, worauf ich gerade Lust habe (Ferien, Ausgang, Kleider, Essen gehen, Opernbesuche, etc.) ist am Ende des Monats nun noch wenig Salär übrig. Hinzu kommen die üblichen Ausgaben wie Steuern, Krankenkasse (Halbprivat!) usw. Zudem: ich wurde als Mittelstand mit zunehmendem Einkommen voll in die Progression katapultiert und werde vom Finanzamt geschröpft. Das heisst, ich verdiene zu viel, um von Steuervergünstigungen profitieren zu können und zu wenig, um mir einen Steueranwalt leisten zu können.

Zum Zweiten: ich habe keine Kinder und keine Frau zu Hause, denen ich etwas zu hinterlassen habe und muss nur für mich sorgen. Ich lebe, was die finanzielle Situation anbelangt, im Moment. Ich wüsste auch nicht, worauf ich sparen sollte. Ich sehe meine finanzielle Situation pragmatisch und gönne mir in der Gegenwart, was mir Freude bereitet. 

Aufgrund meines Berufes erlebe ich jeden Tag, dass sich das Leben sekundenschnell ändern kann und sollte ich morgen von einem Auto überfahren werden, kann ich behaupten, ein tolles Leben geführt und nichts verpasst zu haben, dass mir wichtig ist oder war. Hat das deine Frage beantwortet? Oder wolltest du konkret eine Auflistung meiner 35 Paar Schuhe nach Einkaufspreis? 😉

Die Frage ist so halb beantwortet. Wir kennen nun deine Lebensphilosophie. So richtig spannend werden aber erst die Details. Beschreibe uns doch bitte einmal dein klassisches Wochenende.
Laurent:
 Hmmm, ich glaube, das finden viele gar nicht so spannend. Aber du bist für die Leserzahlen verantwortlich, deshalb beantworte ich dir diese Frage gerne ...

... hahahalt! Erzähl in dem Fall lieber von deinem spektakulärsten Wochenende des letzten Monats.
Laurent:
Gut, ich versuche mich zu erinnern. Aber ich denke, das passt hier ganz gut rein.

Also, ich stehe um acht Uhr auf, ohne, dass ich den Wecker stelle. Die nächsten zwei Stunden verbringe ich im Bad. Da gibt es relativ viele Produkte, die dort stehen und ein Grund sind, weshalb ich nix spare. Danach geht es aufgebrezelt ins Fitness. Von dort aus in die Stadt, Ziel Globus.

Dort wird eingekauft, erst unten in der Delicatessa, danach in der Kosmetikabteilung, da mir immer ein Produkt am Ausgehen ist. Danach weiter in die Kleiderabteilung, da das 35. Paar Schuhe nicht zum neuen Wintermantel gepasst hat. Danach einen Stock höher zu den Inneneinrichtungen, da gibt es nämlich eine super schöne Designlampe, die sich hervorragend in meinem Schlafzimmer machen wird. Die Sektgläser haben es mir auch angetan, die daneben ausgestellt sind.

Zu Hause angekommen, chille ich es auf dem Sofa und schaue eine Serie. Später treffe ich mich bei Freunden, die seit kurzem Eltern sind und geniesse ein paar Stunden mit ihrer kleinen Prinzessin. Wieder zurück bei mir style ich mich, weil ich ein Date in einem nahe gelegenen Restaurant habe. Der Abend ist schön und die Rechnung geht auf mich, da mein Gegenüber als Student chronisch knapp bei Kasse ist. Den Sonntag lasse ich aus, spektakulärer wird es nämlich nicht.

Vielleicht sollte ich noch anmerken, dass ich als Arzt in einem grossen Spital auch regelmässig an den Wochenenden arbeiten muss und dies regelmässig auch ausserhalb der Arbeitszeit tue, um beruflich weiterzukommen. So komme ich auf mein Lebensmotto zu sprechen: work hard, play hard!

Checksch?

Nein. Ehrlich gesagt checke ich es noch nicht ganz. Kurze Zwischenfrage: Wie hoch warst du mal im Minus?
Laurent:
Einen Monatslohn. Das war, als sich bei mir die Steuerausgaben innerhalb eines Jahres praktisch verdoppelten.

Überziehst du regelmässig?
Laurent: Dieses Hobby ist mir zu gefährlich! Das Überziehen ist bei der goldenen Kreditkarte tatsächlich eine Gefahr aber da versuche ich, diszipliniert zu sein.

Also. Zurück zum Thema: Muss es denn immer Globus sein? Reicht die Migros nicht? Oder Coop? Aldi? Spar? Volg? (ich muss da einige nennen, von wegen Schleichwerbung und so).
Laurent:
 Gut, ich erkläre es dir: Die Frage ist eher, weshalb ich denn bei Aldi oder Spar einkaufen sollte, was meine Beweggründe sein müssten? Nur um zu zeigen, dass ich kein elitäres Einkaufsverhalten an den Tag lege?

Klar, die Produkte dort sind ein paar Franken billiger, aber in einem Einmann-Haushalt fällt das in meinem «Setting» nicht ins Gewicht. Sprich, ich würde pro Woche 50 Franken sparen, würde ich zu Spar fahren (haha, ein Wortspiel!), aber diesen Betrag würde ich nicht mal merken.

Zudem, bei Globus stimmt der Service, in der Kosmetikabteilung werde ich mit Namen angesprochen und die Verkäuferin kennt meine Wünsche und kann mich optimal beraten. Geh mal in den Manor, da wartest du eine halbe Stunde, bis du ein Verkaufspersonal erspähst und die Beratung ist häufig unter aller Sau.

Ich finde, Qualität und eine gute Beratung darf auch etwas kosten. Ich spreche da nicht für eine 10-köpfige Familie, aber in meiner Situation gebe ich gerne etwas mehr Geld aus, wenn das Einkaufen zu einem Erlebnis wird.

Aber ich verrate dir etwas: das Klopapier kaufe ich auch bei Coop.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass du dir in der Rolle des Verjublers gefällst – als Antithese auf die spiessbürgerlichen Sparer. Habe ich dich erwischt?
Laurent: Sagen wir es mal so: ich schäme mich nicht dafür, sonst würde ich hier kein Interview zu diesem Thema geben. Ich weiss aber auch, dass es ein Privileg ist, nicht sparen zu müssen.

Ich würde die Aussage nicht unterstützen, dass sparen spiessbürgerlich ist sondern denke, dass es durchaus berechtigt und wahrscheinlich auch notwendig ist, wenn man eine sechsköpfige Familie zu ernähren hat. Aber in meinem Fall sind die Umstände eben anders. Letztendlich muss doch jeder selber entscheiden, welche finanziellen Sicherheiten er im Leben anstrebt.

Ich für mich hoffe, dass ich bei guter Gesundheit noch 30 Jahre weiter arbeiten kann, danach schöne 10 Jahre mit dem Geld aus der Pensionskasse und einer 3. Säule verbringe und anschliessend die Lichter für mich für immer ausgehen.

Hast du auch mal ein schlechtes Gewissen? 530'000 Menschen in der Schweiz sind arm ...
Laurent:
 Diese Frage musste kommen! ich leite diese gerne an die 246'799 Vermögensmillionäre in der Schweiz weiter. Aber meine Antwort ist: ich habe 30 Jahre in meine Ausbildung investiert und denke, dass ich einen adäquaten Lohn für meine Arbeit beziehe.

Ich bin allerdings sehr dankbar, dass man mir die Möglichkeit gegeben hat, über eine gute Ausbildung mein Leben finanziell angenehm gestalten zu können. Die Ungleichheit in Bezug auf andere Bevölkerungsgruppen wird man immer finden, die Frage ist, wie man damit umgeht. In meinem Fall hiesse dies: regelmässig spenden und das «schlechte Gewissen» durch ehrenamtliche Tätigkeiten versuchen zu kompensieren.

Und? Machst du das?
Laurent:
 Beides trifft auf mich zu. Ja.​

Du hättest auch sagen können, dass du mit deinen Ausgaben das Geld zurück in die Wirtschaft pumpst.
Laurent: 
Eine vielleicht etwas gewagte These, aber dennoch im Ansatz wohl richtig: durch meine Kaufkraft kurble ich die Wirtschaft an. Es ist deshalb durchaus so, dass andere Leute direkt und indirekt von meinem Konsumverhalten profitieren.

Es wäre aber gelogen wenn ich sagen würde, dass dies der treibende Motor für meinen Umgang mit Geld wäre. 😀

*Laurent ist ein frei erfundener Name und hat nichts mit dem Interviewten und/oder Laurent Aeberli der watson-Redaktion zu tun. 

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