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Aaaaah! – Kinder können sich mit Corona infizieren. Was danach passiert, ist jedoch kompliziert. Für Schulen, Eltern und die Wissenschaft.
Aaaaah! – Kinder können sich mit Corona infizieren. Was danach passiert, ist jedoch kompliziert. Für Schulen, Eltern und die Wissenschaft.
Bild: keystone

Was, wenn mein Kind in Quarantäne muss? Antworten auf die 5 wichtigsten Fragen

Das Coronavirus zirkuliert in den Schulen, schweizweit müssen mehrere Klassen in die Quarantäne. Das wirft bei betroffenen Eltern Fragen auf.
08.09.2021, 12:5608.09.2021, 13:31

Wie ist Covid bei Kindern?

Die Forschung (Studien dazu: SARS-CoV-2 Infection in Children, Spread of SARS-CoV-2 in the Icelandic Population) zeigt, dass das Risiko einer Coronavirus-Infektion bei den jüngsten Altersgruppen besonders tief ist. Noch geringer erscheint das Risiko einer Covid-Erkrankung, sprich: dass es zu einem schwerwiegenden Krankheitsverlauf bis hin zum Tod kommt.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) teilt diese Einschätzung. Die Daten aus der Schweiz zeigen, dass es bei Menschen im Alter zwischen 0–19 Jahren zu Infektionen kommt – diese aber nur in einem Bruchteil der Fälle hospitalisiert werden müssen.

Wenn wir vom «Bruchteil» sprechen, dann meinen wir im Vergleich sehr wenige Fälle. Seit Anfang 2021 wurden in keiner Woche mehr als 15 Kinder und Jugendliche hospitalisiert. Insgesamt starben seit Pandemieausbruch drei Menschen im Alter zwischen 0–19 Jahren.

In der Schweiz gibt es Berichte über Fälle bei Kindern und Jugendlichen, die seit der Infektion an Langzeitfolgen der Covid-Erkrankung leiden. Die Datenlage dazu ist seltenheitsbedingt noch dünn. Eine im Juni 2021 veröffentlichte Studie (Long COVID in a prospective cohort of home-isolated patients) bestätigte ein Risiko von Long-Covid bei 16–30-Jährigen, die Datenlage für jüngere Personen ist zu dünn. Kinder und Jugendliche können des Weiteren in ebenfalls seltenen Fällen an «Pims» (Überreaktion des Immunsystems) erkranken.

Die wissenschaftliche Taskforce des Bundes rechnete im Juli 2021 vor, dass im schlimmsten Fall (maximale Viruslast, hohe Durchseuchung) bis zu 1100 Kinder (jünger als 12 Jahre) hospitalisiert werden müssten und 6 sterben könnten. Bei 200–300 Kindern drohte eine «Pims»-Erkrankung, bis zu 15'000 könnten zudem monatelang unter Symptomen leiden.

Ich habe keine Lust auf Wissenschaft – was muss ich wissen?
Eine Covid-Erkrankung bei Kindern ist selten, wenn man die Jüngsten unserer Gesellschaft nur in Prozenten betrachtet. Ungefährlich ist es aber nicht: Jede Woche müssen über ein Dutzend Kinder ins Spital. Einige der Infizierten erleiden eine Überreaktion des Immunsystems oder kämpfen monatelang mit den Covid-Symptomen.

Warum muss mein Kind in die Quarantäne oder Isolation?

Die einfache Antwort: Weil es sich mit dem Coronavirus infiziert hatte oder es einen Infektionsverdacht gibt – und der Kanton aus Vorsicht gehandelt hat.

Die längere Antwort ist ein bisschen komplizierter und hat einmal mehr mit den Kantonen zu tun. Zurzeit kann jeder Kanton selbst entscheiden, welche Massnahmen in den Schulen herrschen. Ob Luftqualitätsmesser installiert und regelmässige Präventiv-Tests durchgeführt werden oder Maske getragen werden muss, wird vor Ort entschieden.

Das erschwert die ganze Pandemiebewältigung, weil Kinder und Jugendliche nur selten Symptome zeigen, aber das Virus nach wie vor weitergeben können (die Forschung vermutet, dass das Weitergaberisiko bei Kindern etwas geringer ist). Erwischen tut es dann Lehrpersonen, Mitschülerinnen und deren Eltern. Wenn dann ein infiziertes Kind entdeckt wird, entscheidet wiederum der Kanton, was passiert: Muss eine ganze Klasse in Quarantäne oder Isolation?

Die Entscheidung hier ist nicht immer ganz einfach: Ein symptomloses, aber infiziertes Kind könnte eine ganze Schulklasse inklusive Lehrperson infiziert haben. Es muss aber nicht. Verlässliche Zahlen und Daten gibt es dazu kaum, Schulklassen-Cluster-Analysen werden derzeit durch das kantonale Contact Tracing verfolgt. So oder so weiss man, dass Massentests eine gewisse Zeit dauern, womit sich die Frage stellt: Ist die Quarantänisierung einer ganzen Klasse aufgrund eines Verdachts oder Infektionsfalls gerechtfertigt? Die Kantonsärztinnen und Kantonsärzte entscheiden hier im Einzelfall.

Was tut der Bund zum Schutz der Kinder?

Salopp gesagt: Ziemlich wenig. Das hat seine Gründe: Die bundesrätliche Verordnung sagt, dass «Massnahmen im Bereich der obligatorischen Schule und der Sekundarstufe II in die Zuständigkeit der Kantone» fallen. Das hat föderalistische Gründe: Die Bildungs- und im Normalfall auch die Gesundheitspolitik wird von den Kantonen entschieden.

Für Kinder über 12 Jahren gibt es einige Massnahmen seitens des Bundes: Sie müssen etwa im öffentlichen Verkehr oder anderen öffentlichen Räumen eine Schutzmaske tragen. Für Kinder, die noch nicht den zwölften Geburtstag feiern durften, gibt's vom Bund praktisch keine Massnahmen – obwohl die Taskforce gerade für diese Altersgruppe ein nicht zu unterschätzendes Risiko für Langzeitfolgen und schwerwiegenden Symptomen annimmt.

Muss ich selbst in die Isolation oder Quarantäne?

Da wird's kompliziert.

  • Ich bin vollständig geimpft und mein Kind muss in die Quarantäne: In diesem Fall ist keine Quarantäne vorgesehen. Man muss nicht einmal die Behörden informieren. Wichtig ist aber, dass man eine Impfbestätigung hat: Wenn die Kantone beim Contact Tracing herausfinden, dass die Eltern von quarantänisierten Kindern arbeiten, obwohl sie ungeimpft sind, kann es teuer werden.
  • Ich bin ungeimpft und mein Kind muss in die Quarantäne: Eltern und Kinder haben üblicherweise eine Beziehung, die man auf Behördendeutsch als «engen Kontakt» beschreiben kann. In diesem Fall muss man sich ebenfalls in die Quarantäne begeben. Und zwar unabhängig davon, ob man vom Kanton kontaktiert wird oder nicht. Der Erwerbsausfall wird entschädigt, wenn man sich administrativ darum kümmert (siehe Formulare/Infos beim Bund).

Apropos Impfung: 23 Gründe, wieso watsons sich impfen lassen haben

Video: watson/Emily Engkent

Wer zahlt, wenn ich das Kind hüten muss?

Am kompliziertesten kann es werden, wenn man als Elternteil eigentlich gar nicht in die Quarantäne muss, aber das Kind nicht auf sich alleine gestellt werden kann. Sprich: Man findet niemanden, der das Kind betreut.

Verkomplizierend kommen hier die Ferien dazu. Die Behörden gehen davon aus, dass die Kinder während den Schulferien betreut werden. Zum Beispiel von Grosseltern oder einem Ferienlager. Trifft dies nicht zu (was in den meisten Fällen wohl so sein wird), kann ein Erwerbsersatz bei der Ausgleichskasse (AHV) beantragt werden. Das Formular gibt's beim Kanton und heisst Anmeldung Corona Erwerbsersatz bei Quarantäne, Ausfall Fremdbetreuung und für besonders gefährdete Personen.

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quelle: ch media / sandra ardizzone
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