USA
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Donald Trump schaut auch seinen gehassten Sender CNN.  Bild: AP/AP

Bis 8 Stunden vor der Glotze! Donald Trump, der Fern-Seher

Vier Stunden täglich verbringt der US-Präsident vor der Glotze, manchmal auch acht. Daraus leitet Trump seine Politik ab. In einer opulenten Recherche versuchte die «New York Times», sich dem Geheimnis seiner Macht zu nähern.

11.12.17, 05:54 12.12.17, 07:40

Michael Kröger

Ein Artikel von

Fast ein Jahr ist Donald Trump nun Präsident. Wenig ist ihm seither gelungen. Doch hat er das Amt stärker verändert als jeder seiner Vorgänger. Sein Stil bleibt der verbale Affront gegen den politischen Gegner, aber auch gegen die Parteigänger im eigenen Lager. Trotzdem ist der Rückhalt, den er zu Beginn seiner Amtszeit im Repräsentantenhaus und im Senat besass, nicht geschrumpft. Selbst Entscheidungen wie die zur Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem,die den Nahen Osten in Brand zu setzen droht, bleiben innenpolitisch ohne Folgen.

Die Hoffnungen seiner Gegner, dass Trumps Regentschaft nach nur wenigen Monaten endet, haben sich längst zerschlagen. Weder sind bislang genügend Beweise für ein Amtsenthebungsverfahren zutage gefördert worden, noch hat Trump die Lust an dem stressigen Job verloren. Nicht wenige Experten richten sich nun auf eine regulär endende Amtszeit ein, einige befürchten sogar, dass Trump dann noch einmal antreten wird - und die Chancen auf eine Wiederwahl gar nicht so gering sind.

Dabei rätseln politische Beobachter immer noch, was das Geheimnis seines Erfolges ist. Welche Werkzeuge der Macht nutzt der einstige Immobilien-Hai und Star einer Hire-and-fire-Show, um sein Präsidentenamt trotz aller Ausfälle und Eskapaden zu behaupten? Kann es wirklich sein, dass die Mittel so schlicht sind wie immer wieder kolportiert?

Schaut bis 8 Stunden Fernsehen pro Tag: Donald Trump. Bild: AP/AP

Banaler Alltag

Fragen, die auch die Reporter der «New York Times» umtrieben, als sie versuchten, sich der Persönlichkeit Trumps zu nähern. Rund 60 Berater, Vertraute, Freunde und politische Mitstreiter und Gegner haben sie befragt und dabei eine Vielzahl von Details zusammengetragen, die Aufschluss darüber geben, wie der Mann tickt, der da im Weissen Haus sitzt. Herausgekommen ist die Beschreibung eines Tagesablaufs im Leben des mächtigsten Mannes der Welt, erschreckend banal, schlicht im Ablauf - und in der Denkweise.

Es entsteht das Bild einer Persönlichkeit, die von der fixen Idee getrieben ist, dass links-liberale politische Gegner, Fernsehsender und Zeitungen nichts anderes im Sinn hätten, als das Ergebnis der Wahl zu unterminieren. «Trump ist tief überzeugt davon, dass sie ihn zerstören wollen», erklärt der republikanische Kongressabgeordnete Lindsey Graham der «NYT». Das Problem sei, dass er noch immer tief im Wahlkampf-Modus stecke, obwohl er längst handeln müsste wie ein Präsident.

Ein Präsident, so stellt man sich vor, nutzt die Informationen seiner Administration. Experten in den Fachabteilungen der Ministerien, die Fakten und Einschätzungen zu aussen- und innenpolitischen Themen zusammentragen, oder zu Fragen der Finanzen oder Entwicklungen der Wirtschaft. Ganz wichtig sind auch die Dossiers, die Geheimdienste und Militärs erstellen. Auch die Medien sind von Bedeutung, weil sie oft aus anderer Perspektive berichten und ein Echo aus der Öffentlichkeit liefern.

Fernsehen als Informationsquelle

Trump dagegen scheint das Fernsehen als wichtigste Informationsquelle zu nutzen. Wie Personen aus seinem engsten Umfeld berichten, laufen die grossen Nachrichtensender mindestens vier Stunden pro Tag, häufig auch mehr als doppelt so lang. Die Bildschirme blieben auch während der Konferenzen in Betrieb, wenn auch ohne Ton. Favoriten sind CNN (für die Nachrichten), die Frühstücks-Show «Fox & Friends» bei Fox News (für die Selbstvergewisserung) und MSNBCs (Trump-kritische) Morgensendung «Morning Joe» (um sich Munition für kämpferische Tweets zu holen)

Die Tweets haben es nach wie vor in sich, daran hat auch der neue Stabschef im Weissen Haus, John F. Kelly, nichts ändern können. Dessen Methode, Trumps Umtriebigkeit zu bremsen, sei eher subversiv, berichten Kenner der Szene dem Blatt. Er bemühe sich einfach, den Terminkalender des Präsidenten so dicht zu füllen, dass für dessen Ausfälle im Telegrammstil keine Zeit mehr bleibe. Dass die Strategie nur zeitweise Erfolg habe, liege daran, dass ein Mann wie Trump sich eben nicht vollständig kontrollieren lasse.

Dabei habe der Präsident, so berichten es Zeugen, seinem wichtigsten Berater bereits so viel Macht zugestanden, wie keiner anderen Person zuvor. Kelly kontrolliere Anrufe, Besucherlisten und den Informationsfluss aus den Ministerien sowieso. Die beiden telefonierten regelmässig mehr als ein Dutzend Mal pro Tag zu jeder erdenklichen Stunde. Mal gehe es um den Terminkalender, mal um politische Fragen.

Einflussreicher Berater

Eine Episode, von der ein Zeuge berichtet, belegt den Einfluss Kellys besonders eindrücklich: Sie beschreibt ein Treffen von Trump und einem seiner Berater im vergangenen Herbst, den er seit Wochen nicht mehr gesehen hatte. Zuerst habe Trump eine Rechtfertigung gefordert, wieso dieser sich so lange nicht habe blicken lassen. Er habe aber sofort das Interesse verloren, als er erfuhr, dass Kelly den Mann nicht mehr vorgelassen habe. Trump habe auch hingenommen, dass sein Stabschef seinen ehemals engsten Vertrauten Keith Schiller aus dem Amt drängte. Der ehemalige New Yorker Polizist war zuvor viele Jahre Trumps rechte Hand - die beiden seien fast wie Brüder mit einander umgegangen, erzählen Insider.

Seit Kelly die Geschicke im Weissen Haus organisiere, gehe es dort wesentlich weniger chaotisch zu, zitiert die «NYT» einen anderen Interviewpartner. Doch eine politische Strategie, die das Handeln des Präsidenten bestimmt, habe auch der Viersternegeneral nicht implantieren können. Trump agiere weiterhin impulsiv und folge der Agenda, die die grossen Nachrichtensender vorgeben. In den vergangenen Wochen ging es dort viel um die Russland-Verstrickungen seines Wahlkampfteams. Prominente frühere Mitarbeiter wie Sicherheitsberater Michael Flynn, Kampagnen-Manager Paul Manaford oder der schillernde Rechtsaussen George Papadopoulos hatten sich zur Zusammenarbeit mit Sonderermittler Robert Mueller bereit erklärt.

Die Diskussionen Trumps mit seinem Stab über die Frage, wie er darauf reagieren könne, hätten viel Zeit in Anspruch genommen. Für die Berater seien solche Momente immer schwierig, weil der Präsident nur in Massen Kritik vertrage.

Alles in allem entsteht das Bild eines Präsidenten, der auch nach einem Jahr immer noch nicht willens oder in der Lage ist, die Realitäten im politischen Gefüge Washingtons zu akzeptieren. Die Nachrichten im Fernsehen, kurze Briefings statt der Lektüre umfangreicher Dossiers und die Einflüsterungen des engsten Kreises bestimmten die Entscheidungsfindung. Grautöne gebe es nicht, nur Schwarz-Weiss. In seiner Weltsicht bestärken lasse er sich anschliessend in Telefonaten mit ehemaligen Gefährten wie Corey Lewandowski, Stephen Bannon oder konservativen Kongressabgeordneten wie Mark Meadows aus North Carolina.

Trumps Reaktion auf die NYT-Story – und Andy Murrays Reaktion auf die Reaktion

Donald Trump

Trumps Erfolge – die unheimlich stille Veränderung der USA

Aufstand der «Hurensöhne» – jetzt gehen sie gegen Trump auf die Knie

Der herzloseste Trump-Gruss! Zumindest zog Melania diesmal nicht die Hand zurück ...

Wie er Nazis verteidigt und über Wein schwafelt – Trumps irre Wutrede in 7 Akten

8 Wesenszüge, die Trump und Hitler gemeinsam haben

Das üble Spiel des Donald T.

Trumps Sprecherin fragt, was US-Bürger mit 4000$ machen würden. Die Antworten? Unbezahlbar

Trumps Asienreise macht klar: Amerikas Tage als Handelsmacht sind gezählt

«Grauenhaft und falsch»: Barack Obama sagt Trump die Meinung – aber so richtig

Schwangere Soldaten-Witwe bricht nach Trump-Anruf zusammen – das Drama in vier Akten

Soldaten-Witwe bestätigt Vorwürfe gegen Trump – der US-Präsident reagiert sofort 

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
23
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Shin Kami 11.12.2017 15:32
    Highlight Tja jeder Demokratie den Führer, den sie verdient hat. Wer ein quengelndes Kind wählt, kriegt halt einfach eines. Das ist nur blöd für den Rest der Welt, die nicht mitwählen konnten.
    10 1 Melden
  • Roterriese 11.12.2017 14:36
    Highlight Trump schaut bis zu 8 Stunden pro Tag TV. Willst du wie Trump sein? Nein? Wenn das kein Argument für #NoBillag ist ;)
    5 12 Melden
    • Makatitom 11.12.2017 18:18
      Highlight Das iost eben genau ein Argument GEGEN Blochusconi-Medienimperium. Es, das Trumpeltier, schaut sicher keine Öffentlich-rechtlichen
      5 3 Melden
  • Steimolo 11.12.2017 14:24
    0 2 Melden
  • Vanessa_2107 11.12.2017 13:29
    Highlight Das will und kann ich nicht glauben, dass Trump so lange an der Macht bleibt. Schon nur wenn nun dieser angebliche Kinderschänder (+ anderer Taten bezichtigte) Roy Moore, unterstützt durch Trump in Alabama, morgen in den Senat gewählt wird, könnte es zu einem Aufstand kommen. Das Land ist geteilt. Der demokratische Gegenkandidat versucht nun in den letzten Tagen die schwarze Wählerschaft für sich zu gewinnen. Die Demokraten sind im Vorteil, da ihre schwarzen Schafe mit sexuellem Fehlverhalten es zum einen zugegeben und zum anderen zurückgetreten sind, im Gegensatz zu den Reps.
    4 1 Melden
  • ujay 11.12.2017 13:26
    Highlight Donnie ist ein weiterer Beweis: Zuviel TV Konsum macht die Birne weich.
    9 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 11.12.2017 11:53
    Highlight "Selbst Entscheidungen wie die zur Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem,die den Nahen Osten in Brand zu setzen droht, bleiben innenpolitisch ohne Folgen."

    Liegt daran, dass die Anerkennung Jerusalems als Israelische Hauptstadt schon immer grossen Zuspruch hatte in den USA, über beide Parteien hinaus.
    Kennedy war dafür, genau wie Bush, Obama oder auch Sanders. Auch wenn die jetzt plötzlich ganz stumm sind.
    9 10 Melden
  • α Virginis 11.12.2017 11:53
    Highlight Ach, Donald... Erinnert immer mehr an den Film "Idiocracy" von Mike Judge :/

    21 3 Melden
  • Saul_Goodman 11.12.2017 11:24
    Highlight 8h am tag fernseh schauen... Das wär ein job für mich 😍
    24 1 Melden
  • Realitäter 11.12.2017 11:01
    Highlight Ich schaue auch fern, so kann ich ja auch in die Politik... Reicht in der Schweiz hoffentlich nicht aus....
    10 1 Melden
    • Saul_Goodman 11.12.2017 20:58
      Highlight Ach es gibt in der schweiz auch mindestens eine handvoll politiker die schon mit tv news überfordert wären.
      Idioten wählen idioten, nehm ich mal an 🙄
      5 0 Melden
    • Realitäter 12.12.2017 08:57
      Highlight Du hast sicherlich recht!
      Solange es bei der Handvoll bleibt, ist es noch überschaulich...
      0 0 Melden
  • der_senf_istda 11.12.2017 10:55
    Highlight Jemand sollte ihm auf Weihnachten ein Netflix-Abo schenken. "House of Cards" anstatt "Fox&Friends"...
    27 2 Melden
  • zombie woof 11.12.2017 09:20
    Highlight Bei Kindern funktioniert das auch, vor den Fernseher setzen und Ruhe ist
    47 3 Melden
  • Zeit_Genosse 11.12.2017 09:12
    Highlight POTUS45 macht es nicht gut. Aber so gut, dass er sich halten kann. Das muss man ihm lassen. Und die Gefahr, dass er nicht nur eine Amtszeit, sondern auch die Verlängerung durchhält, ist realer den je. Das Bombardement der Medien scheint ihn zu treffen, aber auch stärker zu machen, weil die Bevölkerung genug davon kriegt/hat. Und die restlichen Politiker scheinen das Land irgendwie um POTUS45 herum regieren zu wollen, was schwerlich gelingt, weil sie sich alle am nächsten sind und sich auf ihren Posten eingerichtet haben. Das Volk und die Politiker geben sich geschlagen.
    20 2 Melden
  • Tepesch 11.12.2017 07:39
    Highlight Trumps Glück im Moment ist, dass sowohl Republikaner als, auch Demokraten nur ihren Geldgebern hörig, sind. Kein wunder wenn sich dann Populisten durchsetzen.
    63 5 Melden
    • Asmodeus 11.12.2017 08:29
      Highlight Trump ist aber kein Stück besser. Nur mit dem Unterschied, dass er selber auch einer dieser Geldgeber IST.
      38 1 Melden
    • Tepesch 11.12.2017 10:50
      Highlight @Asmodeus
      Klar, nur sehen das seine Wähler nicht bzw. geben der GOP/Demokraten/Deep State und nicht Trump die Schuld.
      13 0 Melden
  • Linus Luchs 11.12.2017 07:34
    Highlight Die New York Times bestätigt, was schon lange offensichtlich ist: Trumps geistige Fähigkeiten sind stark begrenzt. Wer sein Weltbild prinzipiell auf TV-Beiträge abstützt, keine Dossiers liest und nur in Schwarz-Weiss denkt, ist salopp gesagt dumm. Siemens-Chef Joe Kaeser lernte Trump kennen, und erzählte später in einem Interview: "Ich traf auf einen Menschen, der vornehmlich einer monokausalen Deal-Logik folgt. Das heisst, einer klaren Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Allerdings ist die heutige politische Welt oft deutlich komplexer." So dumm und so viel Macht, das ist brandgefährlich.
    163 13 Melden
    • rodolofo 11.12.2017 08:35
      Highlight Das ist eine Möglichkeit, die auch die Demokratie beinhaltet:
      Wenn die Dummheit von einer Mehrheit von dummen Leuten gewählt wird, kann man ihr das Regieren nicht verweigern.
      Früher, zu Zeiten der Monarchie, war es anders:
      Wenn der König dumm war, konnte ihm auch eine Mehrheit von Gescheiten (falls vorhanden) das Regieren nicht verweigern.
      Eine solche Mehrheit von Gescheiten ist aber meines Wissens noch nie vorgekommen.
      Denn Klugheit wird meistens mit List verwechselt.
      34 4 Melden
  • Scaros_2 11.12.2017 07:26
    Highlight Auf Basis dieses Berichts bin ich sicher auch Fähig zu solch einer Position. Bissl TV schauen und Zeitungen lesen und dann alles Leiten - No Problem, bedarf keines grossen Denkers.
    100 5 Melden
    • Rabbi Jussuf 11.12.2017 09:38
      Highlight Zeitung lesen?
      Tut mir leid, aber dann bist du überqualifiziert!
      47 0 Melden
    • Lukakus 11.12.2017 09:41
      Highlight Dann versuch es doch mal!
      2 13 Melden

Seine Ausrede in der Porno-Affäre bringt Trump in Teufels Küche

Mit einer Wutrede hat Donald Trump auf die FBI-«Razzia» bei seinem New Yorker Anwalt reagiert. Es geht unter anderem um eine Zahlung von 130'000 Dollar an Ex-Pornostar Stormy Daniels – von der Trump angeblich nichts wusste.

Donald Trump kommuniziert gern und oft. In einer Angelegenheit aber blieb er auffällig stumm: Im Januar enthüllte das «Wall Street Journal», dass der US-Präsident 2006 eine Affäre mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels – bürgerlicher Name Stephanie Clifford – gehabt und ihr kurz vor der Präsidentschaftswahl 2016 ein Schweigegeld von 130'000 Dollar bezahlt haben soll.

Der Präsident schwieg seinerseits, selbst als Daniels am 25. März im Magazin «60 Minutes» auf dem Fernsehsender CBS darüber …

Artikel lesen