Forschung
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Nachtschicht und Nachtarbeit

Ein 24-Stunden-Laden in Buffalo, New York. Bild: shutterstock.com

Nachtarbeit ist wahrscheinlich krebserregend – aber noch sind viele Fragen offen

Wer in Schichten arbeitet, lebt gegen die innere Uhr – das kann zu gesundheitlichen Risiken führen. Vor allem Nachtschichten könnten das Risiko für Krebs erhöhen, glauben Experten.



Arbeiten wenn andere schlafen: Krankenpfleger, Fliessbandarbeiter oder Flugbegleiter machen beruflich regelmässig die Nacht durch. Für den Körper ist das nicht nur wegen Müdigkeit besonders belastend.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) bestätigte jüngst auf Basis neuer Studien ihre frühere Einschätzung, dass Nachtarbeit wahrscheinlich krebserregend ist. Allerdings sind dazu noch viele Fragen offen.

Das Arbeiten in Nachtschicht fällt damit in die Gruppe 2A – wahrscheinlich karzinogen. Dazu gehören auch etwa der umstrittene Pflanzenschutz-Wirkstoff Glyphosat und der Verzehr von rotem Fleisch.

Nachtschicht und Nachtarbeit

Für sie ist Nachtarbeit Standard: medizinisches Fachpersonal. Bild: shutterstock.com

Wie die Agentur mit Sitz in Lyon erklärt, gebe es «eingeschränkte Nachweise», dass Nachtarbeit zu Tumoren in Brust, Prostata und Darm führen könne. Die Einstufung gilt aber nicht als Risikobewertung, wie die Agentur betont.

Denn Aussagen über die Wahrscheinlichkeit, mit der Nachtarbeit Krebs auslöst, sind schwer. Die Bewertung der Experten könne lediglich die Frage klären, ob nächtliche Schichtarbeit einen Einfluss auf das Krebsrisiko hat, sagt der an der IARC-Einstufung beteiligte Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen.

Arbeitest du in der Nacht?

Wissenschaftler aus 16 Ländern

«Wie gross der Einfluss der Nachtarbeit auf das Krebsrisiko ist, lässt sich mit dieser Einschätzung nicht klären. Dazu bräuchte es eine sogenannte Risikobewertung.» Ausserdem würden individuelle Aspekte einer einzelnen Person in Schichtarbeit bei der Bewertung nicht berücksichtigt, sagt Zeeb. Bedingt durch die Studiendesigns liessen sich auch andere Erklärungen für Krebserkrankungen nicht völlig ausschliessen.

Die Einschätzung der Expertengruppe erschien schon im Juli in der Fachzeitschrift «The Lancet Oncology». Erstmals hatte die IARC die Nachtarbeit schon 2007 als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.

Nachtschicht und Nachtarbeit

Bild: shutterstock.com

Bisher waren die Wissenschaftler davon ausgegangen, dass Schichtarbeit generell krebserregend sein könnte. Die neuen Studien zeigten nun aber, dass vor allem jene Arbeit zu Zellveränderungen führen kann, bei der der Tag-Nacht-Rhythmus gestört wird.

Die Neubewertung für die IARC übernahm eine Arbeitsgruppe aus 27 Wissenschaftlern aus 16 Ländern. Die Experten analysierten dafür die wissenschaftliche Literatur und Studien.

«Es war eine in weiten Teilen durchaus kontrovers geführte Diskussion der wissenschaftlichen Daten zum Thema», so Zeeb, der Teil dieser Expertenkommission war. Einige neuere Studien fanden keinen Zusammenhang zwischen Nachtschichtarbeit und Krebs, andere wiederum zeigten überzeugend Risiken auf. «Und die Einordnung der biologischen Befunde ist teils hochkompliziert.» (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die japanische Geschäftswelt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

11
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • AskLee 24.08.2019 10:16
    Highlight Highlight Durfte mal 4 Monate am Stück Nachtarbeit verrichten für 1500.- mehr Lohn. Nie wieder nicht mal für 2500.- mehr.
  • diderot 24.08.2019 08:48
    Highlight Highlight Das ist ja eine wissenschaftlich seriöse Angelegenheit. Drum müssen wir vorsichtig und langweilig sein. Entdeckt werden ja bei solchen Studien Korrelationen, also: wer nachts arbeitet hat ein grösseres Krebsrisiko als wer nicht nachts arbeitet. Die kausalen Zusammenhänge (also die Gründe für das Entstehen des Unterschieds) übersteigen aber meistens sehr schnell eine sehr grosse Komplexität (wie angedeutet). Es können eben sehr viele Faktoren mitspielen. Z.B. wer ein mühseliges Leben führt, kriegt früher Krebs, und wer mühselig (also nicht-privilegiert) lebt, muss häufiger Nachtschicht machen.
  • Manatee 89 24.08.2019 07:24
    Highlight Highlight Ich habe in der Pflege gearbeite und da wurde das schon läger unter vorgehaltener Hand gemunkelt.
  • moedesty 23.08.2019 14:37
    Highlight Highlight Ich warte auf den Tag an dem Vögeln für krebserregend erklärt wird.
  • Shikoba 23.08.2019 09:34
    Highlight Highlight In der Nacht arbeiten finde ich nicht so tragisch, im Gegenteil. Schlimmer ist es, morgens früh aufzustehen. Das findet mein Körper doof, egal wann ich uns Bett gehe 😜
  • Guardragon!? Tsuchinoko? 23.08.2019 07:56
    Highlight Highlight An irgendetwas muss man ja sterben.. just saying..
  • Zeit_Genosse 23.08.2019 07:43
    Highlight Highlight Interessant wäre dazu eine Studie zu Schlafmangel. Wenig Schlaf reduziert das Immunsystem. Schlafen womöglich Nachtarbeitende weniger? Kann sich das Immunsystem bei Schlafrythmusveränderungen nur verzögert anpassen?

    Generell sollten Studien vernetzter sein um das Ursache-Wirkungsfeld breiter zu beleuchten. Das kostet und deshalb erhalten wir nur Teilergebnisse die ungenügend mit anderen Teilergebnissen korrespondieren.
  • Grave 23.08.2019 06:44
    Highlight Highlight BREAKING NEWS: Das Leben ist tödlich !

    Irgendwie ist in letzter zeit alles ein bisschen krebserregend..
    • Pafeld 23.08.2019 09:18
      Highlight Highlight Nein.
      Das IARC kommt zum Ergebnis, dass Nachtarbeit (genauso wie Glyphosat) eventuell mit Krebs korrelieren könnte. Das steht null, nix, nada davon, dass Nachtarbeit Krebs auslöst. Das IARC weist sogar noch darauf hin, dass dies keine Krebswarnung ist. Das IARC beschäftigt sich nicht nur damit, was Krebs auslöst, sondern was überhaupt aus Prinzip heraus das Potential besitzt, um Krebs zu beeinflussen. Darunter fällt eben auch Glyphosat. Das bedeutet aber eben noch lange nicht, dass es das am Ende auch tut.
      Steht so aber auch im Artikel. Wenn man ihn denn zu Ende lesen würde...
    • Grave 23.08.2019 10:45
      Highlight Highlight Schon im titel steht "...ist wahrscheinlich krebsERREGEND."

      Was genau meindt du mit "steht null. Nix. Nada" ?
  • Charlie Runkle 23.08.2019 06:43
    Highlight Highlight Was zum Teufel ist denn schon nicht Krebserregend?

Interview

50 Jahre Schwarzenbach-Initiative: «In einem anderen Land wäre das nicht möglich gewesen»

Vor 50 Jahren scheiterte James Schwarzenbach mit seiner Überfremdungs-Initiative knapp an der Urne. Im Interview sagt Migrationsforscher Gianni D'Amato, wie es zur historischen Abstimmung gekommen war und wie sie die Schweiz veränderte.

Herr D’Amato, die Proteste gegen rassistische Gewalt in den USA sind auch bei uns angelangt. Hat die Schweiz ein Rassismusproblem? Gianni D'Amato: In der Schweiz war Rassismus schon immer ein Problem. Nur weigert man sich oft, das anzuerkennen. Obwohl es eine Kommission gegen Rassismus und die Fachstelle zur Bekämpfung von Rassismus und seit 1994 ein Anti-Rassismus-Gesetz gibt, ist es noch immer ein mit Scham behaftetes Thema, das nicht offensiv angegangen wird. Aber ich würde die …

Artikel lesen
Link zum Artikel