Eishockey
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Fans during the Champions Hockey League match between Switzerland's HC Lugano and Finland’s JYP Jyvaeskylae in Lugano, Switzerland, at the Corner Arena, October 9 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Davide Agosta)

Leere Plätze im Stadion trotz sportlichem Erfolg: Auch in Lugano ringt die europäische Liga um Akzeptanz. Bild: TI-PRESS

Schweizer glänzen in der Champions Hockey League – Momentaufnahme oder positiver Trend?

Die Schweizer Teams schneiden in der Champions Hockey League dieses Jahr überragend ab. Alle vier Schweizer Teams haben sich für die K.o.-Phase qualifiziert. Zeigt die Kurve weiter nach oben?

Marcel Kuchta / CH Media



Heimlich, still und leise – fast unbeachtet von der breiteren Öffentlichkeit spielt sich ein kleines Eishockey-Wunder ab. In der Champions Hockey League – quasi der ganz kleine Bruder der grossen Fussball-Champions-League – haben alle vier Schweizer Mannschaften die Gruppenphase überstanden. Die ZSC Lions, der SC Bern, der HC Lugano und der EV Zug stellen damit ein Viertel der verbleibenden Teilnehmer, welche nun in der K.-o.-Phase um die Krone des europäischen Klub-Eishockeys kämpfen.

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Niederlage zum Abschluss der Gruppenphase: Bern unterliegt Salzburg. Video: YouTube/Champions Hockey League

Dass sich gleich alle Schweizer Vertreter für die nächste Runde qualifiziert haben, ist deshalb so ausserordentlich, weil der Wettbewerb in seinen bisherigen vier Austragungen (die CHL existiert seit der Saison 2014/15) dreimal von einem schwedischen und einmal von einem finnischen Team gewonnen wurde.

Die Nordeuropäer dominierten bisher fast nach Belieben. Doch diesmal scheiterte der Titelverteidiger Jyväskylä aus Finnland ausgerechnet nach einer 0:1-Niederlage gegen Lugano bereits in der Gruppenphase.

Schweizer Standortvorteil

Ist der aktuelle Exploit der Schweizer Vertreter Zufall, eine schöne, aber vergängliche Momentaufnahme oder doch ein Hinweis darauf, dass unsere höchste Liga im europäischen Vergleich tatsächlich an Qualität gewonnen hat? Fest steht, dass die National League als Produkt und punkto Strahlkraft nach der nordamerikanischen NHL und der russisch geprägten KHL bei der Rekrutierung von ausländischem Personal einen Standortvorteil hat.

Als Söldner kann man in der Schweiz gutes Geld verdienen, gepaart mit einem hohen Lebensstandard. Was wiederum bedeutet, dass unsere Spitzenteams sicher über vier oder mehr überdurchschnittlich gute Ausländer verfügen.

Zuerichs Fredrik Pettersson, rechts, jubelt mit Patrick Geering nach seinem 1:0 Tor am Eishockey Spiel der Champions Hockey League, ZSC Lions gegen KAC Klagenfurt, aufgenommen am Mittwoch, 11. Oktober 2017 in der Kunsteisbahn Duebendorf. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Fredrik Pettersson – schwedischer Leistungsträger der ZSC Lions. Bild: KEYSTONE

Ewiger Talentverlust

Der ewige Talentverlust der Skandinavier in der Breite bzw. beim einheimischen Personal haben die Teams aus dem hohen Norden tendenziell Vorteile, müssen aber einen schier endlosen «Talentverlust» Richtung NHL oder KHL verkraften. Die skandinavischen Teams bestehen oft entweder aus extrem jungen, talentierten Spielern oder aus routinierten Rückkehrern, die ihr Karrierenende in der einheimischen Liga zelebrieren.

Ihr Nachteil ist also, dass die Zusammensetzung des Kaders von Saison zu Saison bisweilen extrem volatil ist. Dies im Gegensatz zu den Schweizer Spitzenteams, die sich auf einen über Jahre gewachsenen Kern von Schlüsselspielern verlassen können.

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Teams in der k.o.-Phase nach Liga. Bild: watson, infogr.am

Kommt dazu, dass die Schweizer Klubs aus den europäischen Erfahrungen der letzten Jahre die richtigen Schlüsse gezogen haben. Zum Beispiel, dass man Gegner aus Nicht-Eishockey-Hochburgen wie Grossbritannien, Österreich, Frankreich oder Norwegen nicht auf die leichte Schulter nimmt. Oder man hat gelernt, wie man gegen die spielerisch und taktisch hervorragenden Skandinavier bestehen kann.

Nicht wie im Fussball

Ein weiterer Faktor in dieser Gleichung ist die Tatsache, dass man die Champions Hockey League inzwischen vollumfänglich als sportliche Herausforderung akzeptiert und sich entsprechend hohe Ziele gesetzt hat. Teams wie die ZSC Lions oder SC Bern streben den Titelgewinn an und schenken dem Wettbewerb höchste Aufmerksamkeit.

Dass dies bisher nicht unbedingt immer der Fall gewesen ist, hängt auch eng mit den finanziellen Rahmenbedingungen zusammen. Im Gegensatz zum Fussball gibt es im Eishockey unter dem Deckmantel der Champions League keine Millionen, mit welchen man die Finanzen im Erfolgsfall aufbessern kann, zu verdienen.

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Die Preisgeldentwicklung in der Champions Hockey League. Bild: champions hockey league

Im Gegenteil: Es konnte vorkommen, dass die Klubs – auch wegen der teilweise aufwendigen Reisen – Verluste im sechsstelligen Bereich schrieben. Das Gesamtpreisgeld beträgt heuer knapp 2 Millionen Euro. Der Champion erhält 365 000 Euro. Bis ins Jahr 2023 soll der Preisgeldtopf sukzessive auf 3.5 Millionen Euro erhöht werden. Erst dann wird es sich tatsächlich auch finanziell lohnen, in der Champions Hockey League nach Ruhm und Ehre zu streben.

Bleibt die Frage, ob sich der sportliche Höhenflug auf dem europäischen Parkett auch auf das Zuschauerinteresse auswirkt. Der Blick auf die Zuschauerzahlen der Schweizer Vertreter lässt Zweifel aufkommen. In Bern, welches im Schnitt über 16 000 Zuschauer zu seinen NLA-Heimspielen begrüssen darf, kamen 8500 Leute pro CHL-Partie. In Zürich waren es 3350, in Zug 3850 und in Lugano 3700. Der Publikumsaufmarsch war also überall bescheiden im Vergleich zum Ligaalltag – dies trotz sportlichem Erfolg.

Die Schweizer Trikots in der Champions Hockey League 18/19

Die Skepsis der Fans und die fehlenden Stars

Das lässt zwei Schlüsse zu: Die Fans sind gegenüber dem Wettbewerb auch im fünften Jahr seiner Existenz skeptisch und können den sportlichen Wert nicht richtig (ein-)schätzen. Zweitens fehlen – im Gegensatz zum Fussball – eben auch die gegnerischen Stars, die in die Schweiz kommen. Die allerbesten Cracks spielen sowieso in der NHL.

Und die restlichen Spieler mit einigermassen geläufigen Namen verdienen ihr Geld in der Regel in der KHL, welche die Champions Hockey League vor allem aus wirtschaftlichen Gründen links liegen lässt. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • egemek 18.10.2018 17:55
    Highlight Highlight Hoffen wir, dass es so weiter geht und es frühstens im Halbfinal ein Schweizer Duell gibt. Irgendwie hätte ich keine Lust auf zwei weitere Duelle Zug-Lugano, zumal sie ja schon am Sa und Di gegeneinander spielen.
    Im Fussball sind im Achtelfinale noch keine ligeninterne Duelle möglich. Wäre allenfalls noch eine Überlegung wert.
    • goldmandli 18.10.2018 18:27
      Highlight Highlight Da von 7 möglichen Gegnern des evz' 3 NLA Vertreter sind, ist die Chance recht gross, hoffe aber euch nicht darauf. Speziell das Duell evz:hcl gibt es in der regular season inkl. Cup bereits 7 Mal, da müssen nicht noch 2 chl Partien dazu kommen.
  • Pana 18.10.2018 17:26
    Highlight Highlight Ich bin vor allem überrascht, dass 4 Teams aus Österreich, Frankreich, Italien und Norwegen die Gruppenphase überstanden haben. Von wegen Operettenligen!
    • goldmandli 18.10.2018 18:29
      Highlight Highlight HC Bolzano aus dem Südtirol spielte unglaublich in der Quali. Traue denen durchaus einen Exploit zu. Ausserdem sind dafür bereits 2 Schwedische und 3 Finnische Teams ausgeschieden.
  • miarkei 18.10.2018 17:08
    Highlight Highlight Mir gefällt die CHL auch gut, auch wenn das letzte Heimspiel des EVZ zum einschlafen war. Für beide Teams ging es um nichts.
    • egemek 18.10.2018 17:50
      Highlight Highlight Sind wir ehrlich, in den letzten Qualirunden ist das nicht anders. 😉
  • Bobo B. 18.10.2018 15:13
    Highlight Highlight Ich sag es mal so: Wer die CHL nicht ehrt, ist die National League nicht wert! Ich habe noch nie verstanden, wie man als Eishockeyfan den CHL-Spielen der eigenen Mannschaft fernbleiben kann. Zusätzlich ist es noch eine der seltenen Gelegenheiten den NL-Konkurrenten die Daumen zu drücken...
    • Pana 18.10.2018 19:02
      Highlight Highlight Absolut unverständlich. Ich hab mich früher jeweils gefreut, wenn es Testspiele gegen Teams aus dem Ausland gab (keine Spitzenmannschaften). Und jetzt gibt es Champions League, und die Hälfte der Durchschnittsbesucher interessieren sich nicht.
    • Steven86 19.10.2018 11:12
      Highlight Highlight Die CHL ist auch für wahre Hockeyfans /- liebhaber. Obwohl ich nicht Zug oder ZSC Fan bin war ich Live dabei und es hat spass gemacht. Tophockey für wenig Geld.
  • goldmandli 18.10.2018 12:31
    Highlight Highlight Ich bin grosser Fan der CHL. Die Spiele bieten Abwechslung und die App ist grossartig. So viele Statistiken, die in Echtzeit abgerufen werden können.
    • holden27 18.10.2018 14:28
      Highlight Highlight Könnte sich die nla ein Stück abschneiden.
      Weiss nicht, wieso man es hier nicht fertig bringt, ein anständiges app zu machen mit allen möglichen Statistiken. Aufgezeichnet werden die ja, wieso man sie nicht präsentiert bleibt mir schleierhaft.
  • chnobli1896 18.10.2018 12:07
    Highlight Highlight Die Spieltage unter der Woche tragen wohl auch nicht zu einem höheren Zuschauerinteresse bei.

    Und wenn dann die Tickets nicht in der Saisonkarte inbegriffen sind (wie z.B. beim ZSC) dann ist die Hürde halt nochmals höher um sich das Spiel live anzusehen.

    Da ist Pay TV mit (oftmals wohl besserem) Bier zuhause oder in der Bar massiv günstiger.
    • ralck 18.10.2018 12:18
      Highlight Highlight In Davos waren die Gruppenspiele und 1/16-Finale mit Karte gratis. Danach bezahlte man den halben Preis. Aber ja: Viele Fans gab es eigentlich nie…
    • Tavares 18.10.2018 12:20
      Highlight Highlight Kommt bei Bern bspw. Auch noch auf die unterschiedliche zählweise an. In der Liga werden die Saisonkarten (13000) immer gezählt, ob anwesend oder nicht. In der CHL wird offenbar effektiv gezählt... Ein Dienstag Abend Spiel gegen Rappi hat auch nicht die offiziellen 15000+ Zuschauer ;-)
    • CaptainObvious 18.10.2018 13:09
      Highlight Highlight Bei Bern sind die Gruppenspiele bis 1/8-Final der CHL im Saison-Abo enthalten.
      Das geringe Zuschauer-Interesse hängt sicher auch mit den Austragungstagen zusammen - Dienstag ist eh der schwächste Tag auch bei NL-Spielen, und Mittwoch ist sonst auch nie Hockey.
      Ich hab meine wöchentlichen Termine im Winter klar auf die Hockeytage abgestimmt, da kommt mir ein Mittwoch dann schon etwas quer (war aber trotzdem am Match), da werde ich wohl nicht der Einzige sein.
    Weitere Antworten anzeigen
  • ralck 18.10.2018 10:39
    Highlight Highlight Alle Heimspiele von Davos in der CHL schaute ich live im Stadion. Für die Auswärtsspiele reiste ich nach Tschechien und Schweden – krasse Erlebnisse. Leider kann man aber nicht immer und überall hin eine Reise organisieren oder beliebig viele Ferientage eingeben. Ich wäre gerne mal nach Österreich oder Deutschland gefahren – das würde je nachdem auch ohne Flug gehen. Nur siehts noch nicht so aus, als würde Davos nächste Saison in der CHL spielen… ;-)

    Trotzdem: Die CHL ist die perfekte Abwechslung zum NLA-Alltag. Es braucht kein Ovi, Sid, who ever. Auch gegen Färjestad kann es rocken!

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