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Tadschikistan macht Opposition für Tod von Touristen verantwortlich



Für den tödlichen Angriff auf Velo-Touristen aus der Schweiz, den Niederlanden und den USA haben die Behörden in Tadschikistan eine verbotene islamische Oppositionspartei verantwortlich gemacht. Ein Schweizer war getötet, ein weiterer verletzt worden.

Bundespräsident Alain Berset verurteilte das Attentat am Dienstag via Twitter, der tadschikische Präsident Emomali Rahmon übermittelte der Schweiz sein Beileid, und das Aussendepartement (EDA) in Bern passte seine Reisehinweise für Tadschikistan an mit Hinweis auf das Attentat und auf eine mögliche kurzfristige Verschärfung der Sicherheitslage.

Das Innenministerium in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe erklärte am Dienstag, hinter dem Angriff gegen die Velofahrer stecke die Partei der islamischen Wiedergeburt. Die Angreifer hätten auf Anordnung des «aktiven Parteimitglieds» Nossirchudschi Ubaidow gehandelt.

Täter offenbar gefasst und geständig

Den Angriff führte demnach ein weiteres «aktives Mitglied» der Partei aus, der 33-jährige Hussein Abdussamadow. Dieser sei festgenommen worden und habe ausgesagt.

Den Ermittlern zufolge absolvierte Abdussamadow im Iran ein «ideologisches und militärisches Training zur Verübung von Sabotageakte». Er sei zu diesem Zweck zwischen 2014 und 2015 vier Mal in den iranischen Städten Ghom und Masandar gewesen, erklärte das Innenministerium. Abdussamadow habe im Iran Ubaidow die Treue geschworen.

Die Regierung in Teheran sowie die Führung der Partei der Islamischen Wiedergeburt wiesen die Vorwürfe zurück. Die Beziehungen zwischen Tadschikistan und dem Iran haben sich seit der Hinwendung der ehemaligen Sowjetrepublik zu dem mit Teheran verfeindeten Saudi-Arabien stark verschlechtert.

Bei den am Sonntag getöteten Velo-Touristen handelte es sich nach Behördenangaben um einen Schweizer, einen Niederländer und zwei US-Bürger. Ein weiterer Schweizer und ein Niederländer wurden verletzt, ein Franzose kam unversehrt davon.

Auf der Pamir-Route unterwegs

Die Touristen waren mit dem Velo auf der Pamir-Route nahe der Grenze zu Afghanistan unterwegs. Ein Auto sei auf einer Landstrasse in die Gruppe mit Ausländern gerast, ein Velofahrer zusätzlich mit Messerstichen verletzt worden, teilte das Innenministerium der Ex-Sowjetrepublik mit.

Die tadschikischen Behörden hatten zunächst von einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht gesprochen. Dann verdichteten sich aber die Hinweise auf eine gezielte Attacke.

IS-Terrormiliz reklamiert Anschlag für sich

Auf der Jagd nach den Tätern erschoss die Polizei nach eigenen Angaben vier Verdächtige. Vier weitere nahm sie fest, darunter den angeblich geständigen Abdussamadow. Am Montagabend hatte allerdings die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Angriff für sich beansprucht.

Am Dienstag veröffentlichte die IS-Miliz ein Video mit den angeblichen Attentätern. Die fünf Männer, die in dem Video der Terrororganisation die Treue schwören, ähneln den Fotos der getöteten oder festgenommenen Verdächtigen, die zuvor vom tadschikischen Innenministerium verbreitet worden waren.

Kriselndes Land

Das mehrheitlich von sunnitischen Muslimen bewohnte Tadschikistan ist die ärmste der ehemaligen Sowjetrepubliken. Seit 1992 wird es autoritär von Staatschef Emomali Rachmon regiert. Die Behörden gehen hart gegen religiösen Fundamentalismus vor.

2015 machte Tadschikistan mit strengen Massnahmen wie erzwungenen Bartrasuren und Einschränkungen für die Pilgerreise nach Mekka von sich reden. Der Westen kritisierte damals das Verbot der als gemässigt geltenden Partei der Islamischen Wiedergeburt.

«Jahr des Tourismus»

Der mutmassliche Angriff auf die Touristen könnte Tadschikistans Tourismusstrategie empfindlich treffen. Die Regierung hatte 2018 zum «Jahr des Tourismus» ausgerufen. Die Visa-Vergabe für Ausländer wurde erleichtert, und die Regierung drohte Beamten in dem notorisch korrupten Land mit harten Strafen, falls sie von Reisenden Bestechungsgelder eintreiben.

Tadschikistan ist ein landschaftlich reizvolles Gebirgsland mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Nach Angaben der Weltbank kamen 2015 rund 400'000 Ausländer zu Besuch. (sda/afp/dpa)

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