Eismeister Zaugg
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Zuger nach der Niederlage nach dem Penaltyschiessen beim Eishockey Meisterschaftsspiel in der Qualifikation der National League zwischen dem EV Zug und dem HC Davos vom Dienstag, 5. Januar 2021 in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler).

Lange Gesichter bei den Zugern (Archivbild, 5. Januar 2021). Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Ist Zug zu «weich» um Meister zu werden?

Kann ein Zug Meister werden, das gegen die ZSC Lions ein 4:0, 5:1 und 6:2 nicht über die Runden bringt? Nein.



Zuerst eine Statistik der Hoffnung. Zug führt die Tabelle mit 11 Punkten Vorsprung auf die ZSC Lions an. Bei gleich vielen Partien. Zug ist also Titelfavorit.

Nein. Die Zuger mahnen an eine geradezu legendäre Mannschaft, die einst die Qualifikation auf eine ganz ähnliche Art und Weise dominiert und mit 11 Punkten Vorsprung gewonnen hat. Obwohl es damals (1993/94) für einen Sieg nur 2 Punkte gab. An den HC Fribourg-Gottéron mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow.

Gottéron ist in den 1990er Jahren selbst während der rauschenden russischen Flugjahre nie Meister geworden. Die russischen Zauberkünstler zerbrachen entweder an der Härte der Berner oder an der taktischen Schlauheit der Klotener. Aber sie konnten nicht anders: Sie hatten zwei der damals besten Stürmer der Welt in ihren Reihen. Da bleib einfach nichts anderes als offensiver Sturm und Drang. Das Scheitern hatte zwei Gründe: fehlende Härte und ein Torhüter mit eisernen Nerven.

Zug heute wie einst Gottéron? Das mag auf den ersten Blick billige Polemik sein. Leonardo Genoni ist ein hochdekorierter, meisterlicher letzter Mann. Von ganz anderem Format als damals Dino Stecher. Und die offensive Feuerkraft der Zuger ist nicht auf ein Zauber-Duo reduziert. Sie ist auf vier Linien verteilt.

Zuerichs PostFinance Top Scorer Denis Hollenstein, rechts, im Spiel gegen Zugs Leonardo Genoni, links, im Eishockey Spiel der National League zwischen dem EV Zug und ZSC Lions am Dienstag, 26. Januar 2021, in der Bossard Arena in Zug. (PostFinance/KEYSTONE/Alexandra Wey)

Zugs letzter Mann: Leonardo Genoni ist ein Meistergoalie. Bild: keystone

Stimmt. Der Hinweis, dass Leonardo Genoni bei der Spektakelniederlage gegen die ZSC Lions mit einer Fangquote von 84,78 Prozent ein statistischer Dino Stecher war, ist nur der Polemik geschuldet. Und die Hockeygötter mögen Trainer Dan Tangnes davor bewahren, in den Playoffs in Versuchung zu kommen, Luca Hollenstein ins Tor zu stellen.

Es geht um etwas anderes: Die Zuger waren in drei Jahren zweimal im Finale gegen einen rauen SC Bern chancenlos. Mental und auch sonst zu weich für den Titel.

Sportchef Reto Kläy hat die richtigen Schlüsse aus diesen Niederlagen gezogen. Erstens hat er mit Leonardo Genoni einen echten Meistergoalie verpflichtet. Vorgänger Tobias Stephan, mindestens so talentiert wie Leonardo Genoni, hatte nur ein Makel: Es ist ihm nicht gelungen, die entscheidenden Finalpartien zu gewinnen. Nicht mit Servette. Nicht mit Zug.

Zweitens hat Reto Kläy die Entwicklung der Mannschaft mit dem richtigen Trainer und den richtigen Transfers vorangetrieben. Zug spielt unter Dan Tangnes das modernste Hockey der Liga. Sozusagen «Tiki-Taka-Hockey». Die Bezeichnung kommt aus dem Fussball und steht für hohen Ballbesitz der angreifenden Mannschaft. Dabei befindet sich die gesamte Mannschaft fortwährend in Bewegung und lässt den Ball durch ihre Reihen zirkulieren.

Das passt zu Zug: Die Zuger zelebrieren ein mitreissendes Offensivspiel. Sie halten den Puck in ihren eigenen Reihen, vermeiden das rustikale «Dump’n‘ Chase» (die Scheibe ins gegnerische Drittel schiessen und dort ausgraben).

Kein anderes Team zelebriert ein so präzises Offensivspiel mit so vielen Abschlüssen aus dem Slot. Zug spielt modernes, totales Hockey. Zug hat diese Saison die ZSC Lions schon dreimal besiegt (6:3, 2:1, 8:2).

«Ist dir aufgefallen, dass die Zuger kaum noch Checks machen?»

Und trotzdem noch nicht Titelfavorit. Ein international erfahrener, hochdekorierter Hockeykenner hat kürzlich gesagt: «Ist dir aufgefallen, dass die Zuger kaum noch Checks machen?» Das stimmt. Und das ist auch logisch: Wer die Scheibe hat, sucht nicht die Kollision mit dem Gegenspieler. Provokativ können wir sagen: Zuger sind zu «weich» um Meister zu werden. Nicht wegen Mutlosigkeit oder Angst vor dem Gegenspieler. Ganz und gar nicht. Sondern weil sie spielerisch zu gut sind. Wie einst Slawa Bykow und Andrej Chomutow.

Aber um Meister zu werden, genügen laufen und passen und kreisen und sausen und brausen nicht. Am Ende einer langen Saison, im Finale, mit mehr als 60 Partien in den Armen und Beinen und Köpfen, setzt sich nur durch, wer auch zu rumpeln versteht. Und sich dafür nicht zu schade und zu talentiert ist.

Für ein Meistermenü fehlt den Zugern nur noch eine Prise Salz: eine Prise Härte. Und zwar Härte, die im richtigen Moment unter die Haut geht. Und noch ein bisschen mehr Wasserverdrängung und «Rumpelhaftigkeit».

Es ist einfacher, Salz und Wasserverdrängung als pures Talent auf dem Transfermarkt einzukaufen. Zumal es Sportchef Reto Kläy bei Bedarf nicht an «Transfer-Pulver» aus der präsidialen Apotheke fehlt. Die Zuger sind auf Meisterkurs.

Aber noch nicht diese Saison. Die ZSC Lions haben dieses Salz. Und noch etwas: das «Geheimwissen» wie man Meister wird. Die meisterliche DNA. Die Zürcher waren zuletzt 2000, 2001, 2008, 2012, 2014 und 2018 Meister. Und 2020 haben sie die Qualifikation vor Zug gewonnen. Zug war 1998 Meister. Zum bisher einzigen Mal.

Und da ist noch etwas: Im Sommer 2020 hatten die Zuger die Chance, einen Stürmer einzukaufen, der in grossen Spielen die Differenz machen kann. Sie hätten das «Pulver» gehabt, um diesen Stürmer zu verpflichten. Aber sie scheuten die Investition. Eine meisterliche Investition?

Die ZSC Lions machten das Rennen um Sven Andrighetto. Vielleicht werden wir im Mai sagen: Dieser Transfer hat die Meisterschaft entschieden.

Zugs Santeri Alatalo, links, kaempft um den Puck gegen Zuerichs Sven Andrighetto, rechts, im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem EV Zug am Freitag, 22. Januar 2021, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Hat Andrighettos (r.) Transfer die Meisterschaft entschieden? Bild: keystone

Sven Andrighetto hat soeben beim 7:6 n.V. in Zug drei Treffer für die ZSC Lions erzielt. Dieser Sieg, nach 0:4 und 1:5 und 2:6 ist im Quadrat mehr wert als die drei Siege der Zuger gegen diesen Gegner in dieser Saison.

Die Zürcher wissen nun: Mag kommen, was da wolle – diese Zuger können wir packen. Selbst wenn sie Leonardo Genoni ins Tor stellen. Die Erinnerungen an diesen Spektakelsieg, an diese sieben Treffer gegen Leonardo Genoni könnten sich als meisterliche Memoiren erweisen.

Die meisterliche Zeit für die Zuger kommt. Aber, wenn die Playoffs gespielt werden können, noch nicht 2021.

watson Eishockey auf Instagram

Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

NL-Klubs schreiben offenen Brief an Bundesrat: «Lassen Sie unsere Spieler Hockey spielen!»

Wegen den steigenden Corona-Zahlen ist die Anfang Oktober gestartete Hockey-Saison bereits wieder in Gefahr. Ganze Mannschaften müssen in Quarantäne, in einigen Kantonen wird wieder vor leeren Rängen gespielt und am Mittwoch droht bereits die nächste Ausweitung der Corona-Massnahmen. Kein Wunder, fürchten die Schweizer Hockey-Klubs um ihre Existenz.

In einem offenen Brief richten die Präsidenten der 12 National-League-Klubs nun einen eindringlichen Appell an den Bundesrat. «Lassen Sie unsere …

Artikel lesen
Link zum Artikel