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Yonnihof

Back to School!

Die Sommerferien sind vorbei. Ein kleines bisschen Jugendnostalgie ...
20.08.2015, 13:2920.08.2015, 13:48

Seit dieser Woche sind die Sommerferien vorbei. Nicht, dass ich das auswendig gewusst hätte, aber wenn ich nun durchs Quartier velöle, sind da ganz viele, sehr kleine Menschen mit riesigen Rucksäcken. Also eigentlich sind die Rucksäcke normal gross, aber die Menschlein halt eben schon sehr sehr klein und deshalb sehen sie von hinten oft aus wie Rucksäcke auf Beinen. 

Wenn ich die herzigen Zwerge dann so vor sich hin marschieren sehe, werde ich manchmal ein bisschen nostalgisch. 

Vor allem als Primarschülerin mochte ich die Schule sehr. Ich schwöre, ich weiss heute noch, wie die Farbstifte in meinem allerersten Etui rochen. Das Etui bekam ich zu Beginn der dritten Klasse, denn davor hatten alle Kinder noch eine Griffelschachtel. Ja, eine Griffelschachtel aus Holz, die man uns in der Sonntagsschule geschenkt hatte. Da waren Muster hineingeschnitzt und in der Mitte stand gross: Yonni. 

Aber das Etui. Ich liebte es. Denn: Es war doppelstöckig. Oh ja, mit zwei Reissverschlüssen. Das war damals der allerletzte Schrei. Auf der einen Seite waren acht Farb- und acht Filzstifte, auf der anderen zwei Bleistifte, ein Spitzer, ein Gummi (circa ab der fünften Klasse wurde dieser dann zum Ursprung so manchen Kicheranfalls), ein sehr kleiner Plexiglas-Massstab, den einer der Buben nach zwei Tagen aus dem Fenster warf und der nie mehr gesehen ward, adieu, Tintenpatronen, ein Tintenkiller und ein Fülli. 

Der Fülli! Lichtschwert des Primarschülers im Kampf gegen die Schnüerlischrift! Und immer wieder machte das blöde Ding einen Tolgge und man musste noch einmal mit Schreiben anfangen. Tintenkiller waren bei uns nämlich erst ab der fünften Klasse erlaubt. Kein Scheiss, so Hardcore waren wir. 

Die Schnüerlischrift der Autorin heute. Note: Genügend. Wenn überhaupt.
Die Schnüerlischrift der Autorin heute. Note: Genügend. Wenn überhaupt.

In der Fünften gab’s dann auch einen schönen neuen Massstab und eine Equerre. Noch nicht einmal Word kennt dieses Wort. Die Equerre bedeutete: Shit just got real! Fertig Sätzliaufgaben und Blockrechnen, jetzt wurde ernsthafte Wissenschaft betrieben. Wer Glück hatte, dem brach nur eine kleine Ecke von der Equerre ab – die weniger Glücklichen fanden sich bald mit zwei Equerrenhälften konfrontiert, die sie dann, abhängig vom Ort des Bruches, immer sehr fest aneinanderpressen mussten, wenn es einen Winkel zu verschieben galt. 

Von der Sekundarschule weiss ich ehrlich gesagt rein schulisch nur noch wenig bis nichts. Macht auch Sinn, denn da bekommen andere Dinge eine viel grössere Bedeutung, wie Rauchen (anfangs Nielen, dann Zigis), das Bravo und primäre und sekundäre Geschlechtsteile. Sowohl die eigenen als auch die des anderen Geschlechts. 

Ich erinnere mich, dass zwei meiner Freundinnen und ich einst während der Zähni-Pause von einem Lehrer beim Rauchen erwischt wurden, ich mir aber, ganz Indiana Jones, die Zigi in der eigenen Hand ausdrückte, weil ich sie aus lauter Panik in die Jackentasche gesteckt hatte und nicht in Flammen aufgehen wollte (Danke, Fila-Synthetik-Plastikjacke). 

In die Schule ging ich eigentlich nur dann gerne, wenn ich grade auf irgendeinen Typen stand. Also immer. Fast ein Jahr lang schwärmte ich für einen Jungen namens Adrian, der eine Klasse über mir zur Schule ging, stolz seinen ersten Flaum-Bart zur Schau trug und der ein Töffli besass. Ein TÖFFLI! Mit ihm trank ich «Kleiner Feigling», bis ich mich übergab, aber mehr als Knutschen war nie drin und Adrian brach mir derart mein dreizehnjähriges Herz, dass ich meinte, ich würde für den Rest meines Lebens unglücklich sein. Ich würde ja gerne sagen, dass Adrian vom Schicksal für seine Grausamkeit bestraft wurde, aber er ist heute verheiratet, hat drei niedliche Kinder und ist ein richtig toller Mensch. Verdammt! 

Der Hormonnebel hob sich dann im Gymi wieder etwas – also natürlich nicht komplett. Seien wir ehrlich: bis heute nicht. 

Im Gymi wollte ich die Welt verändern und entwickelte wieder so etwas wie einen schulischen Ehrgeiz, um es den Grossen und Mächtigen dieser Welt auch mal so richtig zeigen zu können, wenn ich den Kapitalismus abschaffen und den Weltfrieden herstellen würde. 

Trotzdem verbrachte ich, wie fast alle meiner Mitschüler, so manche Schulstunde schwänzend in der «Fass-Beiz» in Schaffhausen, weil Schule ja dann eben doch nicht das ganze Leben sein konnte, nöd wahr. Die Matur schaffte ich dann doch, sogar erstaunlich gut. Zumindest, wenn man den Begriff schulisch und nicht inhaltlich, im Sinne von Reife, auslegt. 

Rückblickend hatte ich eine wirklich schöne, abwechslungs- und lehrreiche Schulzeit. Ich erinnere mich sehr gerne daran zurück. 

Und so bringt mich jeder dieser winzigen Menschen mit den riesigen Rucksäcken zum Schmunzeln, weil ich weiss, dass er oder sie eine Wahnsinnsreise vor sich hat. Und das noch gar nicht weiss. 

Yonni Meyer
Yonni Meyer (33) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 

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