DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Lockruf mit dem Portemonnaie: EU fordert Forscher auf, die Schweiz zu verlassen

28 Forschende aus der Schweiz haben EU-Fördermittel in Millionenhöhe gewonnen. Bloss: Das Geld erhalten sie nur, wenn sie die Schweiz verlassen. Jetzt springt der Bund ein.
11.01.2022, 18:37
Remo Hess, Brüssel / ch media
Forscher an der EPFL-Lausanne (Archivbild).
Forscher an der EPFL-Lausanne (Archivbild).bild: keystone

Die gute Nachricht: 28 Forscherinnen und Forscher aus der Schweiz haben sich im internationalen Wettbewerb durchgesetzt und einen der durchschnittlich 1.5 Millionen Euro schweren EU-Zuschüsse für ihr Forschungsprojekt gewonnen. Es handelt sich um die prestigeträchtigen «ERC-Grants» im Rahmen des 95 Milliarden Euro umfassenden Forschungsprogramm «Horizon Europe».

Die schlechte Nachricht: Weil die Schweiz nach dem Aus des Rahmenabkommens von der EU zum Drittland heruntergestuft wurde und bis auf Weiteres nur nicht-assoziiertes Mitglied beim Programm ist, können die Schweizer Forschenden das Geld nur erhalten, wenn sie ihre Tätigkeit ins EU-Land verlegen. Das wurde ihnen in den vergangenen Tagen so mitgeteilt, wie die Branchenplattform «Science Business» berichtet.

Bundesrat springt ein

«Wir beginnen nun die unmittelbaren Auswirkungen des Ausschlusses aus Horizon Europe zu sehen. Als Erstes trifft es dabei äusserst talentierte Forschende am Beginn ihrer Forschungskarriere», sagt Detlef Günther, Vizepräsident für Forschung an der ETH Zürich, in einer Mitteilung auf der ETH-Homepage.

Nur: Ganz so schlimm es dann doch nicht. Das Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBFI) hat schon seit längerem angekündigt, in die Bresche zu springen und die Mittel bereitzustellen, sofern sich die Forschenden zu einem Verbleib in der Schweiz entscheiden.

Von den elf ERC-Gewinnern, welche an der ETH Zürich eingeschrieben sind, haben sich fast alle dazu entschlossen. Dies sei nicht zuletzt der hervorragenden Ausstattung und den guten Bedingungen zu verdanken, welche die ETH bieten könne, so Günther. Man sei dem SBFI «sehr dankbar, dass es so unbürokratisch einspringt und die Forschenden hier in der Schweiz nicht auf die Mittel verzichten müssen, die der ERC ihnen zur Verfügung stellen würde». Das sei eine «Erleichterung» und helfe dabei, «diese talentierten Forschenden in der Schweiz zu halten.»

ETH macht sich trotzdem Sorgen: Ziel muss volle Teilnahme sein

Gleichwohl macht sich die ETH Sorgen, künftig vom internationalen Wettbewerb ausgeschlossen zu werden. Das oberste Ziel müsse es sein, dass der Forschungsplatz Schweiz schnell wieder voll bei der europäischen Forschungsförderung assoziiert werde, heisst es in der ETH-Mitteilung.

Zu den ETH-Gewinnerprojekten gehören zum Beispiel eine Untersuchung, ob das Gerechtigkeitsempfinden der Hauptunterschied zwischen Mensch und Maschine ist und wie auf Basis der künstlichen Intelligenz Messgrössen für Fairness entwickelt werden kann.

Ein anderes Projekt will die Entstehung der Erde nachvollziehen, indem im Labor Miniaturplaneten und deren Atmosphären simuliert werden. Dazu werden Kugeln aus Magma hergestellt, die auf Gasströmen schwimmen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

20 offizielle, grottenschlechte NASA-Poster (oder bereits Kult?)

1 / 22
20 offizielle, grottenschlechte NASA-Poster (oder bereits Kult?)
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Nico muss sich beim Debattierclub beweisen – und fliegt auf die Schnauze

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

107 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Hierundjetzt
11.01.2022 18:49registriert Mai 2015
Ich will nicht an der 10 besten Uni der Welt sein (ETH) und gehe lieber an eine No Name aus der C Liga in Polen oder Belgien ohne Akademisches Netzwerk, Infrastruktur, tiefem Lohn und bescheidener Lebensqualität

Kein Forscher jemals.
16136
Melden
Zum Kommentar
avatar
chrissy_dieb
11.01.2022 19:04registriert Januar 2020
Was der Artikel verschweigt:

1. Die Person, die sich gegen die Schweiz entschieden hat, ist aktuell in Cambridge und geht nun nach Yale statt an die ETH. Sie ist also weder direkt mit der ETH assoziiert noch bevorzugt sie eine EU-Uni.

2. Sind 10 von 11 ERC Empfänger nicht von hier. Soooo schlecht steht es offenbar nicht um die Acquisition von Forschenden.
11613
Melden
Zum Kommentar
avatar
Ökonometriker
11.01.2022 19:05registriert Januar 2017
Die Schweiz ist das Land mit der weltweit höchsten Zahl naturwissenschaftlicher Publikationen pro Kopf. Das Land mit den mit Abstand höchsten Löhnen für Forscher. Und das Land mit den besten Unis auf dem europäischen Festland. Wenn die EU die Schweiz näher zum Forschungsstandort USA drängt, wird wohl langfristig vor allem Europa verlieren. Da gäbe es weitaus bessere Mittel, um die Schweiz unter Druck zu setzen... Aber am Ende müssen wir dankbar sein, dass die EU Kommission das nicht schnallt. Oder zumindest so tut, als ob sie es nicht schnallt.
12441
Melden
Zum Kommentar
107
Waffen für die Ukraine und Weizen für die Welt – darüber diskutieren die G7-Minister
So wollen die G7-Staaten den Ukraine-Krieg lösen. Ein fortlaufendes Update über die Worte und Versprechen der G7-Ministertreffen.

Die Corona-Pandemie ist definitiv vom Podest der politischen Agenda gestossen worden. Jetzt schauen die mächtigsten Industriestaaten der Welt auf die Ukraine. Und das haben sie schon einmal gemacht, damals wegen eines «geplatzten Traums».

Zur Story