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Na dann Prost.
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Bild: madelyne meyer
Edvin Uncorked

Dose, Karton, Pet – wie schmecken Weine aus diesen Verpackungen?

15.05.2020, 10:5920.05.2020, 10:19
Madelyne Meyer
Madelyne Meyer
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Den Picknickkühler habe ich schon mit Eis gefüllt. Jetzt reisse ich den mit Rosé gefüllten Plastiksack aus dem Karton und stecke ihn direkt in den Kühler inmitten des Eises. Fertig ist die Festival-pre-drinking-Vorbereitung. Bag-in-Box-Wein in seiner schönsten Form. Traubensorte und Jahrgang standen nicht auf dem Karton, weil's niemand interessiert.

Ist das der Ruf von Bag-in-Box-Wein? Nicht nur! Es gibt auch sehr gute Bag-in-Box-Weine! Gönnt euch mal Côte de Provence rosé aus der BiB (Bag in Box). Da gibt es echt leckere Sachen zu entdecken. Und es gibt sogar schon Bioweine in der BiB!

Bag in Box

Hier findest du die Vor- und Nachteile der BiB. Wichtig zu wissen ist, dass der Plastik, der aus Polyethylen besteht, geruchlos ist.

Vorteile

  • Besser rezyklierbar als z. B. Glas
  • Geöffneter Wein hält länger: 6–8 Wochen versus 5 Tage in der Flasche
  • Kein Korkgeschmack
  • Perfekter Kochwein (oft auch in Restaurants eingesetzt), da gute Preis-/Leistung
  • Verpackung verursacht 20% weniger CO2 als Glas. Standardgrösse des BiB ist drei Liter. Für dieselbe Menge braucht es vier Flaschen.

Nachteile

  • Traubensorte und Jahrgang oft unbekannt (könnte irgendwas sein)
  • Riesige Qualitätsunterschiede
  • Kurze Lagerzeit: 6–8 Monate bei Weisswein und 10–13 Monate bei Rotwein
  • Zelebration und Kultur von einer Flasche auf dem Tisch fällt komplett weg
  • Schreckliche Designs

Dose

Bier trinken wir seit eh und je aus der Dose. Es ist also ganz normal. Wein aus der Dose? Das kennt man nur von den kleinen Prosecco-Döschen vom Kiosk.

Schau dich an Freitagen um 17.00 Uhr am Bahnhof und in den Zügen um. Es wimmelt von diesen kleinen Dingern. Praktischer geht es nämlich nicht mehr. Gekühlt und ohne Korkenzieher direkt in den Apéro.

Hattet ihr aber schon mal Wein aus der Dose?

Ich schon. Und es war herrlich.

Da wir in der Schweiz noch nicht über Dosenweine verfügen, habe ich diese aus den USA bestellt (was natürlich ein absoluter CO2-Nonsense ist, ägsgüsi Mutter Erde). Meine Passion für neue Weine, neue Weintrends und somit auch Verpackungen war grösser als die Vernunft. Wieder einmal.

Verkostet habe ich die Dosenweine in einer grossen Frauenrunde: Ein Pinot Gris, ein Rosé und ein Pinot Noir waren dabei. Es waren keine gehaltvollen Weine mit mega Charakter und ausgeprägter Aromatik, aber sie bereiteten uns so viel Freude. Das erfrischende Zischen und der unkomplizierte Genuss (ohne Glas und Korkenzieher) stimmten das Ambiente fröhlich und ungehemmt. Es kann natürlich auch sein, dass die lockere bis ausartende Stimmung am hohen Alkoholgehalt und an der Menge lag. Eine 3,75-Dose, äquivalent mit 3 Gläser Wein, enthält 13% Alkohol!

Ist die Schweiz überhaupt bereit für so was? Ist es sogar verantwortungslos?

Gut zu wissen

Vino frizzante
Erwarte nicht Prosecco-Qualität in der Dose. Prosecco wird aus der Gleratraube gekeltert und darf nur so heissen, wenn diese Trauben aus Venetien und Friaul-Julisch Venetien kommen und auch nur da zu Prosecco hergestellt werden. Die italienischen Schaumweine in der Dose heissen meistens vino frizzante.

Vorteile

  • Praktisch: Bereits gekühlt und ohne Zapfenzieher sofort geniessbar
  • Gute Alternative zum Wegbier
  • Picknicken einfach gemacht
  • Unzerbrechlich
  • Leichter Transport dank kleinem Gewicht
  • Tolle Designs

Nachteile

  • Wiederverschliessen geht nicht mehr
  • Die Vini frizzanti in der Dose präsentieren sehr simple Geschmäcker; Fokus sind die Bubbles
  • Vino frizzante ist nicht gleich Prosecco-Geschmack
  • Nachhaltigkeit: Dosen werden nur einmalig verwendet (Einweg) und verursachen bei der Herstellung und beim Recycling so viel CO2 wie Glasflaschen
  • Hoher Alkoholgehalt
  • Basisweine

VORSICHT für Leichtgewichte: Eine Dose Bier (33 cl) enthält 4,8% Alkohol. Eine Dose Vino frizzante (20 cl) enthält ca. 10% Alkohol.

20 cl Dosenbubbles und schon einen sitzen.

PET

Wer sich schon ein Glas Wein auf einem Flieger (das war'n noch Zeiten) gegönnt hat, kennt die PET-Weinfläschchen. Dank neuen Regeln dürfen heute auch Qualitätsweine in PET-Flaschen abgefüllt werden, nicht nur die einfachen Weine.

Ansonsten sieht man Wein in PET-Fläschchen eher weniger. Ich vermute schwer, dass schon nur der Gedanke daran reflexartig den Kulturuntergang verkünden würde.

Dabei haben PET-Fläschchen doch noch einige Vorteile:

Vorteile

  • Leichter Transport in der Tasche
  • Weniger Ressourcenverbrauch beim Transport allgemein (weniger Rohöl)
  • Wiederverschliessbar
  • Weniger Energieverbrauch bei der Produktion versus Glas
  • Laut dem Weinmagazin Fallstaff garantieren Produzenten eine Lagerfähigkeit von max. eineinhalb Jahren ohne geschmackliche Einbussen
  • Praktischer Einsatz bei Konzerten und Festivals, wo Glasverbot herrscht
  • Unzerbrechlich

Nachteile

  • Aufmachung wirkt immer billig
  • Ab eineinhalb Jahren baut sich die Sauerstoffbarriere der mehrschichtigen Kunststoffverpackung ab und der Wein verliert an Geschmack und riecht dann petrolig.
  • Neue PET-Falschen bestehen nur aus 40% rezyklierten PET-Flaschen. Der Rest muss neu produziert werden.
  • Hoher Erdölverbrauch für PET-Herstellung

Glas

Seit 300 Jahren geniessen wir Wein aus der Glasflasche. Glas betrachten wir als die absolut selbstverständlichste Verpackung für Wein. Ob wir bereit sind, diese Verpackung zu hinterfragen, lässt unsere Kultur wohl noch nicht zu.

Trotzdem frage ich mich, wieso wir von einer solch schweren Verpackung wie der Glasflasche, deren Transport Unmengen von Treibstoff erfordert, so besessen sind? 90% von allen Weintrinkern konsumieren Wein schneller als Milch, und nämlich innerhalb von 24 h nach Kauf!

Hier ein paar Denkanstösse:

Vorteile:

  • Grünes Glas schützt Wein vor Oxidation (Petrolnote)
  • Schicke Aufmachung
  • Glasverpackungen können zu 60 Prozent wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden
  • Mehrwegflaschen können bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden
  • Mehrwegflaschen verursachen gerade einmal die Hälfte des CO2-Ausstosses von PET-Flaschen

Nachteile:

  • Einweg-Glasverpackung
  • Energieverschwendung durch Einmalnutzung
  • Hoher CO2-Ausstoss bei Transport wegen schwerem Gewicht der Flasche
  • Zerbrechlich
  • 68% des CO2-Ausstosses in der Weinbranche kommt vom Glas und vom Transport dieses Glases (die restlichen Prozente werden vom Weinbau an und für sich produziert)

Ich bin sehr gespannt, wo uns diese Reise hinführt. Eines ist aber klar: Verpackungen haben auf den Weingeschmack keinen Einfluss, jedoch befinden sich per dato immer noch nur die guten Weine in Glasflaschen und eher ok-Weine in Dosen, Karton- und PET-Verpackungen. Umwelttechnisch sind Einweg-Glasflaschen und Getränkedosen die schlimmsten.

Viele umweltbewusste Produzenten wechseln auf leichtere Weinflaschen und investieren Geld in neue Ideen, um den allgemeinen CO2-Ausstoss in der Weinbranche zu mildern.

Mein Wein-Idol Jancis Robinson bringt es auf den Punkt:

«Weinflaschen können schön sein, aber diese Form – ein Zylinder mit geraden Seiten und einem schmalen Hals – ist sehr platzraubend. Stellen Sie sich vor, wie viel mehr Wein auf einer Palette transportiert werden könnte, wenn er in Kartons oder Beuteln verpackt wäre. Und um wie viel leichter die Ladung wäre, wenn der Wein in einer Dose verpackt wäre.»

Cheers, eure Edvin

Bild

Madelyne Meyer

Die Weinwelt kann extrem elitär und exklusiv sein. Darauf hat Madelyne Meyer aber gar keine Lust. Mit ihrem unkonventionellen Weinblog Edvin hat sich die Aargauer Weinexpertin in der Schweiz einen Namen gemacht. «Meine Leser mögen wohl meine selbstironische Art. Ich nehme mich und die Weinwelt nicht todernst, zolle dem Wein aber immer genügend Respekt».

Madelyne arbeitet in ihrem Familienbetrieb für Marketing & Kommunikation und schreibt noch für den Gault Millau Channel. Das Ganze rundete sie im September 2019 mit ihrem ersten Buch «Endlich Wein verstehen» ab.
Für watson schreibt Madelyne ab sofort regelmässig exklusiv in ihrem Blog.

Weitere Infos über Madelyne und Wein findest du hier:
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