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Scharfe Kritik an Festnahme von Journalistin in Ost-Jerusalem

06.06.2021, 05:5906.06.2021, 14:08
Eine Demonstrantin in Ost-Jerusalem.
Eine Demonstrantin in Ost-Jerusalem.
Bild: keystone

Nach der gewaltsamen Festnahme einer Korrespondentin des katarischen TV-Senders Al-Dschasira in Ost-Jerusalem sieht sich die israelische Polizei mit schweren Vorwürfen konfrontiert. «Das ist ein klarer Verstoss gegen die Pressefreiheit, weil diese Journalistin aufgrund ihrer Presse-Weste eindeutig als solche erkennbar war», sagte Sabrina Bennoui, Sprecherin der Organisation Reporter ohne Grenzen, dem Fernsehsender. «Die israelischen Behörden sind offensichtlich gewillt, Journalisten davon abzuhalten, ihren Job zu machen und vom Ort des Geschehens zu berichten.» Das International Press Institute verurteilte die Festnahme am Samstag als «absolut inakzeptabel», Al-Dschasira selbst sprach von einem «frappierenden Verstoss gegen alle internationalen Konventionen».

Die Korrespondentin war bei einer Demonstration im arabisch geprägten und von Israel annektierten Viertel Scheich Dscharrah in Jerusalem festgenommen und nach eigenen Angaben von der Polizei misshandelt worden. Ihr Arbeitgeber warf den Sicherheitskräften vor, sie hätten das Fernsehteam angegriffen und dessen Ausrüstung zerstört. Die Journalistin berichtete später, sie sei von der Polizei «wie eine Verbrecherin» behandelt und getreten worden. Auf der Wache habe man ihr vorgeworfen, eine Polizistin getreten zu haben, was aber niemals geschehen sei.

Ein Sprecher der israelischen Polizei teilte mit, die Frau habe die Einsatzkräfte während der Auflösung einer Demonstration gemeinsam mit einem Mann physisch angegriffen. Sie habe sich auch geweigert, sich zu identifizieren. Auf Videoaufnahmen von dem Vorfall ist allerdings zu sehen, dass die Journalistin – die laut Al-Dschasira eine Presseakkreditierung der israelischen Regierung besitzt – eine Weste mit der Aufschrift «Presse» trug. Erst mehrere Stunden nach der Festnahme wurde sie laut eigenen Angaben wieder auf freien Fuss gesetzt – unter der Auflage, das Stadtviertel 15 Tage lang nicht mehr zu betreten.

Barbara Trionfi vom International Press Institute, einer Organisation zur Stärkung der Pressefreiheit, sprach von einem erschreckenden Vorgehen der Polizei. «Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten viele zielgerichtete Attacken der israelischen Einsatzkräfte auf Journalisten gesehen», sagte sie laut Al-Dschasira. «Das hier ist leider kein Einzelfall.»

Nach Polizeiangaben wurden Sicherheitskräfte bei den Protesten von Einwohnern des Viertels mit Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen. Drohende Zwangsräumungen palästinensischer Familien in Scheich Dscharrah hatten zu Spannungen vor der jüngsten Eskalation der Gewalt in der Region beigetragen.

Auch nach Beginn der Waffenruhe zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas am 21. Mai dauerten die Proteste in Scheich Dscharrah an. Eine erwartete Gerichtsentscheidung zu den Zwangsräumungen war lediglich aufgeschoben worden. (sda/dpa)

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Die Israel-Palästina-Eskalation im Mai 2021 in Bildern
quelle: keystone / mohammed saber
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