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In Graubünden werden in den nächsten Wochen 5560 Hirsche geschossen

02.09.2020, 14:19

In Graubünden startet am (morgigen) Donnerstag die grösste Jagdveranstaltung der Schweiz: die Hochjagd. 5560 Hirsche müssen geschossen werden. Wegen der Präsenz des Wolfes sind die Grünröcke angehalten, auf ihre Hunde aufzupassen.

Auf die Pirsch gehen rund 5500 Jäger und einige Jägerinnen. Sie müssen gleich viele Hirsche erlegen wie letztes Jahr, um den Wildbestand dem Lebensraum anzupassen. Die Hochjagd, auf der neben Hirschen vor allem Rehe erlegt werden, dauert drei Wochen im September. Unterbrochen wird sie von einer einwöchigen Ruhepause für Jäger und Gejagte.

Jäger und Helfer aus dem Unterengadin präparieren im September 2006 einen Hirsch für den Abtransport ins Tal nach Scuol.
Jäger und Helfer aus dem Unterengadin präparieren im September 2006 einen Hirsch für den Abtransport ins Tal nach Scuol.Bild: KEYSTONE

Die relativ grosse Wolfspräsenz von geschätzten 50 Tieren, die sich mehrheitlich im Gebiet des Churer Rheintales und im Vorderrheintal (Surselva) aufhalten, veranlasste das kantonale Amt für Jagd und Fischerei, Hinweise für Hundehalter zu publizieren. Steigende Gefahren für Vierbeiner gingen von Wolfsrudeln und territorialen Wölfen aus, heisst es darin.

Territoriale Wölfe betrachteten Hunde als Konkurrenten oder Gefahr für sich und den Nachwuchs. Auch Herdenschutzhunde scheinen nicht ganz gefahrlos für die Jäger zu sein: Ruhig bleiben und Hinweistafeln beachten, rät das Amt. Hunde nicht mit Stöcken und schnelle Bewegungen provozieren, steht auf dem Hinweisblatt zu lesen.

Jagd wird immer genau beobachtet

Was passiert, wenn ein Jäger versehentlich einen Wolf erlegt? Es werde ein Strafverfahren eingeleitet, und der Wolf werde pathologisch untersucht, hielt der oberste Bündner Jäger, Jagdinspektor Adrian Arquint, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA dazu fest.

Ein Jäger transportiert mit einem Helfer eine erlegten Hirschkuh auf einer Trage zur Jagdhütte auf der Hinteralp oberhalb Tamins im Churer Rheintal, aufgenommen im September 2011
Ein Jäger transportiert mit einem Helfer eine erlegten Hirschkuh auf einer Trage zur Jagdhütte auf der Hinteralp oberhalb Tamins im Churer Rheintal, aufgenommen im September 2011Bild: KEYSTONE

Fühlen sich Jäger und Jägerinnen wegen der Abstimmung am 27. September über das eidg. Jagdgesetz, das eine Lockerung beim Wolfsschutz vorsieht, unter spezieller Beobachtung? Die Jagd werde unabhängig von diesem Urnengang immer sehr genau beobachtet, erklärte Jagdinspektor Arquint. Deren korrekte Ausübung durch jede einzelne Jägerin und jeden einzelnen Jäger entscheide darüber, wie die Jägerschaft in der öffentlichen Meinung dastehe.

Jagd beeinflusst Verhalten der Wölfe

Der dreiwöchige Jagdbetrieb werde Einfluss auf das räumliche Verhalten der Wölfe haben, sagte der Jagdinspektor. Die Wölfe würden aber auch das Verhalten der Wildtiere beeinflussen.

Geschossen auf der Bündner Hochjagd wird nach wie vor grosskalibrig mit einem Kugel-Durchmesser von 10.3 Millimetern. Das sonst übliche Jagd-Kaliber in der Schweiz misst sieben bis acht Millimeter.

Verboten wird bleihaltige Munition. Das Verbot ist mit einer Übergangsfrist von einem Jahr versehen und tritt am 1. September nächsten Jahres definitiv in Kraft. Bleirückstände können insbesondere bei Greifvögeln zu Vergiftungen führen. Drei von vier Jäger in Graubünden schiessen bereits mit bleifreier Munition.

Sollten Jäger und Jägerinnen das Abschussziel bei den Hirschen nicht erreichen und zu wenige Rehe schiessen, geht es nochmals auf die Pirsch. Die Sonderjagd zwecks Regulierung der Wildbestände wird durchgeführt in den Monaten November und Dezember. (sda)

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Neues Jagdgesetz schiesst laut den Gegnern weit übers Ziel hinaus

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52 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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bokl
02.09.2020 16:07registriert Februar 2014
"Was passiert, wenn ein Jäger versehentlich einen Wolf erlegt?"

Ja klar versehentlich. Wölfe und Hirsche sind in der Hektik der Jagd wirklich nur schwer zu unterschieden 🙄
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MrBlack
02.09.2020 16:03registriert September 2016
Ohne Wildtierfütterung im Winter und mit mehr natürlichen Feinden (vor allem Luchse & Wölfe) wäre diese Jagd wohl obsolet.
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John Galt
02.09.2020 22:24registriert November 2014
Die Bündner Hochjagd ist schon etwas anderes als die Revierjagd im Unterland. Ich kann verstehen dass viele Leute auch das nicht gut heissen, falls ich aber je Vegetarier werden sollte, ist das letzte Stück Fleisch das ich esse, Wildfleisch aus der Hochjagd.

Bis zu dem Zeitpunkt wo das Tier erlegt wird, hatte es ein glückliches Leben, ganz im Gegensatz zum industriell produzierten Fleisch im Detailhandel.
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Rate my Cock – Wenn Stadtzürcher sich gegenseitig den Güggel bewerten
Im Zürcher Seefeld kräht seit Kurzem ein Hahn. Ganz im Sinne der direkten Demokratie dürfen die Nachbarn nun entscheiden, ob der Gockel bleiben darf oder nicht. Eine Jagdgesetz-Abstimmung en miniature im urbanen Umfeld.

Normalerweise hält sich die Lärmbelastung im vornehmen Zürcher Seefeld in Grenzen. Vielleicht heult hie und da der Motor eines Porsche-SUVs auf, aber seit es Teslas gibt, erstickt auch diese Lärmquelle sukzessive im Elektromotor.

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