Gesellschaft & Politik
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So rasch wird sich die Weltwirtschaft wohl nicht erholen: Das sind die Gründe

19.04.15, 01:43


Die Erholung der Weltwirtschaft steht nach Einschätzung von Finanzministern und Notenbankchefs trotz guter Anzeichen auf wackeligen Beinen. Als stärkste Risiken für die globale Konjunktur galten beim Frühjahrstreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington: 

1.  Die Griechenland-Krise

2. Eine asynchrone Geldpolitik in Europa und den USA

3. Die niedrige Inflation in entwickelten Volkswirtschaften  als stärkste Risiken für die globale Konjunktur.

WASHINGTON, DC - APRIL 18: In this handout provided by the International Monetary Fund (IMF), IMFC Governors applaud after UN Secretary General Ban Ki Moon addressed them April 18, 2015 at the IMFC meeting at the 2015 IMF/World Bank Spring Meetings In Washington, DC. This was the first time a UN Secretary General has attended the IMFC meeting. (Photo by Stephen Jaffe/IMF via Getty Images)

Wenn sich der IWF und die Weltbanken treffen, sieht das so aus. Bild: Getty Images North America

«Die weltwirtschaftliche Erholung geht weiter, obwohl das Wachstum mit uneinheitlichen Aussichten moderat bleibt», erklärte der IWF-Lenkungsausschuss (IMFC) am Samstag im Abschlusspapier der Tagung. 

Grosses Schwanken der Wechselkurse und Rohstoffpreise, Schulden vieler Staaten und geopolitische Spannungen machten «Wachsamkeit» notwendig. Vor allem das geringe Wachstumspotenzial in vielen Ländern sei ein langfristiges Problem.

Sorge um unterschiedliche Geldpolitik 

Die Finanzminister und Notenbankchefs blickten besorgt auf die unterschiedliche Geldpolitik in Europa und den USA. Während die Europäische Zentralbank (EZB) in den kommenden Jahren den Markt mit billigem Geld flutet, steht die US-Notenbank vor Zinserhöhungen.

Diese ungleichen Schritte seien angemessen, erforderten aber «vorsichtige Justierung und wirksame Kommunikation», um negative Folgen für die Weltwirtschaft zu vermeiden. «Wir wissen um die Risiken für die Finanzstabilität», heisst es im IMFC-Papier.

USA appellieren an Deutschland

Nach Einschätzung des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble (CDU) erkennen die Top-Wirtschaftsmächte zunehmend die Notwendigkeit solider Staatsfinanzen an. Es werde nicht mehr bestritten, dass eine nachhaltige Finanzpolitik wichtig sei für nachhaltiges Wirtschaftswachstum, sagte er.

Saudi Finance Minister Ibrahim Abdulaziz Al-Assaf speaks with German Finance Minister Wolfgang Schaeuble, during International Monetary Fund IMF Governors group photo, at the World Bank-International Monetary Fund annual meetings in Washington, Saturday, April 18, 2015. ( AP Photo/Jose Luis Magana)

Der saudische Finansminister Ibrahim Abdulaziz Al-Assaf (links) mit Wolfgang Schäuble. Bild: AP/FR159526 AP

Die USA mahnten von Deutschland hingegen deutlich mehr staatliche Investitionen an, um die heimische Nachfrage anzukurbeln. Dies sei vor allem wegen des gravierenden Handelsbilanzüberschusses der Bundesrepublik angemessen, sagte US-Finanzminister Jack Lew.

Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) versprachen, die Nachfrage und das potenzielle Wachstum in der Welt ankurbeln zu wollen. Dabei sollten die Schulden in Zaum gehalten werden.

Griechenland sorgt für Aufregung

Der Streit zwischen Griechenland und seinen internationalen Geldgebern sorgte am Rande der Tagung für Aufregung. «Die Stimmung ist deutlich düsterer als beim letzten internationalen Treffen», sagte der britische Finanzminister George Osborne. Er warnte vor einer «gefährlichen Situation» für Europa.

Britain's Chancellor of the Exchequer George Osborne speaks on the BBC's Andrew Marr show in London, April 12, 2015. REUTERS/Jeff Overs/BBC/Handout via Reuters ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. FOR EDITORIAL USE ONLY.NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. NO SALES. NO ARCHIVES. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS  A SERVICE TO CLIENTS

George Osborne ist besorgt. Bild: X80001

Sein US-Kollege Lew sagte: «Sollte keine Vereinbarung getroffen werden, würde das Griechenland unmittelbar in eine Notlage bringen und Unsicherheit in Europa und der Weltwirtschaft auslösen.»

EZB-Chef verteidigt billiges Geld

EZB-Präsident Mario Draghi verteidigte die Flutung der Märkte mit billigem Geld erneut. Die Massnahmen hätten dazu beigetragen, die Konjunktur in der Eurozone zu beleben. Da das Bankensystem heute gesünder sei, komme das billige Geld besser bei Unternehmen und Verbrauchern an.

Auch die Inflation werde anziehen und 2017 bei 0.8 Prozent liegen. Die EZB hatte im Januar ein mehr als eine Billion Euro schweres Programm zum Kauf von Staatsanleihen gestartet. Zudem liegt der Leitzins auf einem Rekordtief von 0.05 Prozent. (feb/sda/dpa)

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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