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Manchmal greift Trump auch Länder an – wie beispielsweise China. bild: keystone | montage: watson

Soll Twitter Donald Trump sperren?

Nach der Debatte um Fake News werden die Rufe lauter, den Account des designierten US-Präsidenten zu sperren.

adrian lobe



Vor wenigen Wochen lud Donald Trump die führenden Tech-Bosse aus dem Silicon Valley in seinen Tower ein: Apple-Chef Tim Cook, Alphabet-CEO Eric Schmidt, Amazon-Gründer Jeff Bezos und Facebook-Vorstand Sheryl Sandberg. Einer jedoch fehlte in der Runde: Twitter-Chef Jack Dorsey. Und das, obwohl der Kurznachrichtendienst im Wahlkampf eine zentrale Rolle spielte. Unter Trumps Twitter-Gefolgschaft (Follower-Zahl: 17,7 Millionen) befinden sich rund ein Drittel Bots, automatisierte Skripte, die unablässig teilen und retweeten. Diese Meinungsroboter sorgten dafür, dass nach der ersten Fernsehdebatte der Hashtag «TrumpWon» zum Trending Topic in den USA auf Twitter avancierte und ein Gegennarrativ zur medialen Erzählung konstruiert wurde, wonach Clinton das Duell gewonnen habe.

President-elect Donald Trump speaks during a meeting with technology industry leaders at Trump Tower in New York, Wednesday, Dec. 14, 2016. From left are, Facebook COO Sheryl Sandberg, Vice President-elect Mike Pence, Trump, PayPal founder Peter Thiel, and Apple CEO Tim Cook. (AP Photo/Evan Vucci)

Facebook-Vorstand Sheryl Sandberg, designierter Vize-Präsident Mike Pence, Donald Trump, Pay-Pal-Gründer Peter Thiel und Apple-CEO Tim Cook.  Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

Auch nach seinem Wahlsieg machte Trump auf Twitter kräftig Stimmung – der Kurznachrichtendienst ist das Sprachrohr des president elect. Mitten in der Nacht setzt der Immobilienmilliardär, der nach eigenen Angaben mit nur vier Stunden Schlaf auskommt, Mitteilungen ab, auf die sich am nächsten Morgen begierig die Medien stürzen. Am 6. Dezember um 5.52 Uhr morgens twitterte Trump:

«Boeing baut eine brandneue 747 Air Force One für künftige Präsidenten, aber die Kosten sind ausser Kontrolle, mehr als vier Milliarden Dollar. Bestellung canceln!»

Nach 10 Sekunden begann der Aktienkurs im freien Fall zu sinken. Trump kann mit einem Tweet Aktienkurse auf Talfahrt schicken. Das macht mittlerweile nicht nur seine politischen Gegner, sondern auch Unternehmen unruhig.

Twitter-Chef Dorsey äusserte sich über seinen Edelnutzer ambivalent. Das Verhältnis sei «kompliziert», sagte er auf einer Konferenz in San Francisco. «Dass der gewählte Präsident unseren Dienst als direkte Kommunikationsform benutzt, zeigt und ermöglicht es jedem zu sehen, was in seinem Kopf vorgeht. Das ist faszinierend», erklärte Dorsey. Doch nicht jeder ist über den prominenten Nutzer begeistert. Trump hat sich in seinen Tweets wiederholt abfällig über mexikanische Migranten und andere Minderheiten geäussert. Die «Washington Post» rief in einem Leitartikel dazu auf, Donald Trump von Twitter zu verbannen. Die Grenzen der Meinungsfreiheit gelten auch für den gewählten Präsidenten.

«An alle meine Twitter-Freunde: Was haben wir nur gebaut?»

Ben Matasar

Twitter gerät zunehmend unter Druck, nicht zuletzt, nachdem sich ehemalige Mitarbeiter kritisch in der Öffentlichkeit über die Rolle des Konzerns geäussert hatten. Der ehemalige Softwareingenieur Ben Matasar twitterte am Tag nach der Wahl: «An alle meine Twitter-Freunde: Was haben wir nur gebaut?» Auch bei Facebook gab es intern Überlegungen, Trumps Kommentare als «hate speech» zu klassifizieren. Inzwischen haben fast 55'000 Leute eine Online-Petition unterschrieben, die Twitter dazu auffordert, Donald Trumps Account zu löschen.

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screenshot: thepetitionsite

In einer Zeit, wo über Twitter Fake-News verbreitet werden und das Fundament der Demokratie unterminieren, kommt dem Kurznachrichtendienst, den Manager Tony Wang 2012 noch zum «freien Rede-Arm der freien Meinungspartei» stilisierte, eine besondere Verantwortung zu. Ein Sprecher des Unternehmens betonte, dass Profile, die gegen die Nutzungsregeln verstiessen, gesperrt würden. Diese Regeln gelten für alle Accounts, also auch für den von Donald Trump. In den Twitter-Regeln heisst es:

«Wir glauben an die Redefreiheit und daran, mutig seine Meinung zu sagen, doch diese zugrundeliegende Philosophie bedeutet wenig, wenn Stimmen verstummen und Menschen Angst haben, sich zu äussern.»

Als Sperrgrund wird unter anderem auch «Hass schürendes Verhalten» genannt:

«Sie dürfen keine Gewalt gegen andere Personen fördern, sie direkt angreifen oder ihnen drohen, wenn diese Äusserungen aufgrund von Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, nationaler Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlecht, Geschlechtsidentität, religiöser Zugehörigkeit, Alter, Behinderung oder Krankheit erfolgen. Wir erlauben auch keine Accounts, deren Hauptziel darin besteht, basierend auf diesen Kategorien, Schaden gegen andere anzustiften.»

Trumps Einlassungen dürften sich nach strenger Auslegung darunter subsumieren lassen.

Animiertes GIF GIF abspielen

Was er sich dabei wohl denkt? Whatever! gif: giphy

Zwar hätte Twitter als privates Unternehmen, das nicht an das First Amendment gebunden ist, das Recht, Trumps offiziellen Account zu sperren, doch würde der Konzern es wohl nicht wagen, dem Präsidenten und mächtigsten Mann der Welt kurzerhand den Stecker zu ziehen. Das würde einen riesigen Aufschrei bei Trumps Anhängerschaft provozieren. Der Konzern kämpft seit Monaten mit roten Zahlen und stagnierenden Nutzerzahlen. Einen Edelnutzer verprellt man nicht. Auch wenn dessen Botschaften zuweilen unerträglich sind.

Umfrage

Soll Twitter bei Donald Trump härter durchgreifen und seinen Account sperren, wenn er die Richtlinien bricht?

  • Abstimmen

1,987

  • Ja. 48%
  • Nein.13%
  • Ist mir egal. 4%
  • Bernie Sanders. 18%
  • Ich möchte nur die Antworten sehen. 9%
  • Paradeiser.8%

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39Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ElendesPack 04.01.2017 11:58
    Highlight Highlight Es ist ganz wichtig, allen Leuten, die eine andere als eine linksliberale Meinung vertreten, den Zugang zu allen Kommunikationsplattformen zu verwehren. Meinungsfreiheit darf sich selbstverständlich nur auf den schmalen Korridor des Linksliberalismus erstrecken.
    Mit freundlichen Grüssen,
    Ihr Wahrheitsministerium
    • Alex_Steiner 04.01.2017 14:35
      Highlight Highlight Meinungsfreiheit bedeutet nicht zugriff auf Twitter zu haben.
    • Kastigator 04.01.2017 15:17
      Highlight Highlight Tja. Versuch mal, auf der SVP-Facebook-Seite oder im Forum der "Weltwoche" einen andersdenkenden Kommentar zu platzieren.
      Hör doch mit dem peinlichen Gejammere auf.
  • tt-g_12 04.01.2017 10:11
    Highlight Highlight Witziger Zufall das bei einem Beitrag über Trumpf die Werbung des Kinofilmes "The Great Wall" gezeigt wird ;)
  • Focke 04.01.2017 09:00
    Highlight Highlight Auch wenn ich kein Trump Fan bin, so soll er auf den Onlineplattformen schreiben dürfen, denn das ist Meinungsfreiheit und wer weiss vielleicht bemerken dann auch noch ein paar mehr was für ein Halunke der ist oder tweeted sich aus dem Amt. 😃
  • Awesomeusername 04.01.2017 02:56
    Highlight Highlight Wenn man ja schon weiss das es so viele Bots gibt, wieso sperrt man dann nicht als erstes diese Bots? Ist dies technisch so schwierig zu erkennen oder wieso lässt man die zu?
  • glass9876 04.01.2017 01:46
    Highlight Highlight Soll Trump Twitter sperren? :-P
  • Basswow 04.01.2017 00:41
    Highlight Highlight Wenn der nur 4 Stunden schläft wenn er denn Präsident ist geht's eh nicht allzu lange.
    Die Jungs altern bei dem Job rasant und er ist nicht mehr der jüngste.
    Dann erübrigt sich das mit dem twittern...
  • Sapere Aude 04.01.2017 00:22
    Highlight Highlight Die Sperrung von Trumps Account wäre reine Symptombekämpfung. Ausserdem ist Trump nicht die einzige Unwahrheitsdreckschleuder, insofern setzt Twitter die eigenen Regeln wohl nicht konsequent um.
  • Walter F. Sobchak 03.01.2017 23:41
    Highlight Highlight #Impeachment
  • Donalf 03.01.2017 23:36
    Highlight Highlight Dass Twitter es ermöglicht, dass jeder, auch Trump Unwahrheiten verbreitet ist das Eine, das Andere, und das ist noch viel schlimmer die Leser glauben es noch. Dass Trump von Diplomatie sehr wenig Ahnung hat zeigt sich immer mehr. Der Mann als US- Präsident, eine Schande für Amerika und eine Gefahr für die Weltwirtschaft.
  • X23 03.01.2017 23:17
    Highlight Highlight Es gibt weit schlimmeres auf Twitter als Trump.

    Jemanden zu sperren, nur weil andere Meinungen vertreten werden ist lächerlich.
  • Zeit_Genosse 03.01.2017 22:35
    Highlight Highlight Von der Emailaffäre zur Twitterkrise... über FakeNews zu Filterbubbles... Trumps nutzt und ignoriert die Medien nach belieben und sticht alle GegnerInnen aus.
  • Firefly 03.01.2017 22:30
    Highlight Highlight Das schockierende ist nicht was er twittert, das schockierende ist, dass so ein twitter Clown mehr Aufmerksamkeit und Stimmen bekommt als ein vernünftiger und anständiger Mensch.
  • Psychonaut1934 03.01.2017 22:28
    Highlight Highlight Ja nicht sperren, ich würde seine Gehirnfürze vermissen.
  • chrach 03.01.2017 22:15
    Highlight Highlight Interessante Analyse zu Trumps Tweets:
    Play Icon
  • iNDone 03.01.2017 22:13
    Highlight Highlight Dass mal dieser Trump Twitter sperren lässt?
  • strudel 03.01.2017 22:01
    Highlight Highlight Alle sperren die nicht meiner meinung sind. Danke!
  • WerWillSchonStringenzUndSachkenntnis 03.01.2017 21:36
    Highlight Highlight Schon mal etwas von Meinungsfreiheit gehört?
    Eines der wichtigsten Rechte in einer freien Welt.
    Sperren? So eine schwache Idee kann nur jemand haben, der meint seine eigene Meinung sei die einzig gültige.
    • mrmikech 03.01.2017 23:19
      Highlight Highlight Meinungsfreiheit gilt nicht wenn's um hass, racismus oder sexismus geht.... oder soll das auch alles erlaubt sein?
    • Slavoj Žižek 04.01.2017 06:14
      Highlight Highlight Ja, sonst von Meinungsfreiheit zu faseln ist heuchlerisch.
    • WerWillSchonStringenzUndSachkenntnis 04.01.2017 08:07
      Highlight Highlight @mrmikch
      Ja, gilt auch dann. Sonst kann ich sagen, dass Deine Meinung/Kommentar schon 'Hass' gewesen sei und sie würde weg zensuriert.
      Meinungsfreiheit sollte nur durch den Aufruf zur Strafrat begrenzt sein.
  • dnsd 03.01.2017 20:59
    Highlight Highlight Linke und ihre Auslegung der Redefreiheit zu 🙈
    • Walter Sahli 03.01.2017 23:04
      Highlight Highlight 140 Zeichen bezeichnest Du als Rede?

      Naja, bei jedem ist die Aufnahmefähigkeit unterschiedlich gross...
  • seventhinkingsteps 03.01.2017 20:44
    Highlight Highlight Das Beste was dann passieren könnte ist, dass die ganzen Trump Fans Twitter boykottieren. Das Schlimmste eine DDOS Attacke oder einen Hack von 4chan organisiert. Bevor sie Trump sperren, könnten sie aber die russischen Bot-Accounts sperren, die für Trump Werbung machen. Oder all die echten, offenen Rassisten. Oder radikale Islamisten und IS-Sympathisanten. Aber dort will man ja den Geheimdiensten die Info-Quelle nicht abdrehen.

    Grundsätzlich: Nein, vielleicht kommt Trump auf keine dümmere Ideen wenn er dauernd tweeten muss. Und man kann ihn offen kritisieren.
  • Majoras Maske 03.01.2017 20:44
    Highlight Highlight Das ist ja auch etwas der Kulturwandel zwischen Internet 1.0 und 2.0. Früher dominierten noch unzählige kleine Foren, deren Administratoren und Moderatoren an nationales Recht und Moral gebunden waren und die deshalb auch bindende Regeln wie "Keine Diskriminierungen, Beleidigungen oder Herabwürdigungen" mit Sanktionen und Bannungen durchsetzten. Aber heute läuft alles über globale und profitgeile Plattformen, deren einzige Regel "keine nackten Brüste!" lautet und wo auch nur automatisierende Programme sich darum kümmern. Ein Zurück scheint kaum noch möglich...
  • Aged 03.01.2017 20:36
    Highlight Highlight Ob er dann einfach faxen würde?
    • Tomlate 03.01.2017 23:20
      Highlight Highlight Na, Faxen macht er auf jeden Fall.
  • Süffu 03.01.2017 20:28
    Highlight Highlight Ich denke der Account von Trump ist die radikalisierte KI, die Microsoft aufs Netz losgelassen hat, die unbemerkt ausgebüxt ist..
  • Beobachter24 03.01.2017 20:22
    Highlight Highlight Ah! Grossartig!
    Dem zukünftigen POTUS seine Tweets zensurieren?
    Und wer hatte wieder mal die Idee? Die grossartige WaPo.

    Kleiner Tip, warum Trump u.a. so gerne twittert:
    Tweets werden - zumindest bisher - immer 1:1 wiedergegeben.
    Falsch-Zitate, „Interpretationen“, „freie Übersetzungen" und Unterstellungen ausgeschlossen.

    Ich fand Twitter schon immer „bescheuert“, tue es immer noch, aber ich gönne Trump diesen direkten, unverfälschten Kanal.
  • Mnemonic 03.01.2017 20:10
    Highlight Highlight JA BITTE. ...
  • TanookiStormtrooper 03.01.2017 20:09
    Highlight Highlight Wenn die "Sozialen" Medien wirksam gegen Hasskommentare und Fake-News vorgehen wollen, wäre das sperren von Trump schonmal ein sehr grosser und wichtiger Schritt. Analog zu anderen verrückten Diktatoren wird er dann wohl einfach deren Seiten sperren lassen.
    • wasylon 03.01.2017 22:02
      Highlight Highlight @TanookiStormtrooper definiere doch mal den Begriff "Hasskommentare".
    • mrmikech 03.01.2017 23:24
      Highlight Highlight @wasylon: "mexicans are rapists"... so etwas zum beispiel?
    • supremewash 03.01.2017 23:39
      Highlight Highlight Ist es nicht besser, Trumps Ansichten ungefiltert zu Gesicht zu bekommen?
      Man kann sie gut finden oder schlecht. Aber transparent ist's alleweil.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wilhelm Dingo 03.01.2017 19:44
    Highlight Highlight Was für eine schwachsinnige Fragestellung. Trump ist gewählter Präsident der USA, auch wenn er ein Löli ist.
  • blobb 03.01.2017 19:36
    Highlight Highlight hmmm, prinzipell bin ja dafür, aber glaube das würde arg nach hinten losgehen.

Von Zimbabwe bis Taiwan: Der Schweizer Frauenstreik sorgt international für Reaktionen

In der ganzen Schweiz streiken zehntausende Frauen, um auf Frauenrechte und Gleichberechtigung aufmerksam zu machen. Die nationale Aktion findet auch im Ausland viel Beachtung und Unterstützung. So tweeten, posten und schreiben Menschen von Thailand bis Zimbabwe über den Schweizer Frauenstreik.

Wie international das Anliegen der Frauen in der Schweiz ist, zeigt diese Übersicht:

(leo)

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