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Die Sektenmitglieder mit Polizeieskorte während der Gerichtsverhandlung.
Die Sektenmitglieder mit Polizeieskorte während der Gerichtsverhandlung.
Bild: REUTERS TV/REUTERS
Radikalchristliche Erlösersekte

China verurteilt Sektenmitglieder nach grausamem «McDonald's-Mord» zum Tod

11.10.2014, 13:1611.10.2014, 13:41

Nach einem brutalen Mord in einem Schnellimbiss in Nordostchina hat ein Gericht zwei Sektenmitglieder zum Tode verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die Angeklagten in fanatischer Wut eine Frau in einem Fastfood-Restaurant zu Tode geprügelt hatten.

Dies teilte das Mittlere Volksgericht in der Stadt Yantai am Samstag im Internet mit. Drei weitere Angreifer wurden zu bis zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Fall sorgte als «McDonald's-Mord» für Aufregung in China.

Nach Augenzeugenberichten kamen fünf Personen am 28. Mai vergangenen Jahres in das Schnellrestaurant in der Stadt Zhaoyuan. Auf der Suche nach neuen Anhängern fragten sie die Gäste nach ihren Telefonnummern. Viele sagten ihnen falsche Nummern.

Aufnahmen vom tätlichen Angriff.
Aufnahmen vom tätlichen Angriff.
Bild: REUTERS TV/REUTERS

Eine 37-jährige Frau wollte sich nicht belästigen lassen und versuchte, die aufdringliche Gruppe wegzuscheuchen. Daraufhin soll eine Frau in der Gruppe geschrien haben: «Das ist eine Teufelin!»

Das Staatsfernsehen zeigte verwackelte Handyaufnahmen, auf denen eine Gruppe von fünf Personen wie wild mit Fäusten, Stühlen und einer Eisenstange auf die 37-Jährige einprügelte. In einer Blutlache ging die Frau zu Boden, aber die Angreifer traten weiter auf sie ein. Keiner der Gäste griff ein. Erst die Polizei konnte die Gruppe stellen.

Zhang Hang, eine der Beschuldigten, wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.
Zhang Hang, eine der Beschuldigten, wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.
Bild: REUTERS TV/REUTERS

«Böser Geist»

Die Angreifer bekannten sich, Mitglieder der pseudochristlichen Erlösersekte «Quannengshen», was sich mit «Allmächtiger Gott» übersetzen lässt, zu sein. Der 54-jährige Haupttäter begründete die Gewalttat regungslos in einem Interview im Staatsfernsehen damit, dass die 37-Jährige ein «böser Geist» gewesen sei. Seine 30 Jahre alte Tochter habe das erkannt, darauf habe die Gruppe handeln müssen.

Behörden in China veröffentlichen nur selten Details zu Sekten im Land. Im Fall des «McDonald's-Mordes» verbreitete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua die Information, dass sich die Sekte bereits 1989 als Splittergruppe einer radikalchristlichen Strömung gegründet hatte. Anfang der 1990er Jahre soll die Gruppe mehrere 1000 Anhänger gesammelt haben. 1995 sei die Erlösersekte verboten worden. Das Gründerpaar habe sich in die USA abgesetzt. (pru/sda/dpa)

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