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Von «grossartig» bis «peinlich»: Das sagen die Zeitungen zum WEF

27.01.18, 05:56

Der Auftritt von US-Präsident Donald Trump in Davos hat der Schweiz und dem Wirtschaftsforum grosse Aufmerksamkeit beschert. Darin sind sich die Zeitungskommentatoren einig. Das Verhalten der Gäste aus Politik und Wirtschaft löste aber unterschiedliche Reaktionen aus.

«Neue Zürcher Zeitung»:

«Donald Trump hat seinen Auftritt in Davos gut genutzt, und die ans WEF gereiste Elite zeigte sich ungewöhnlich optimistisch. (...) Die EU-Länder und die Schweiz müssen aufpassen, nicht ins Hintertreffen zu geraten. (...) Die USA haben ein viel unverkrampfteres Verhältnis zum Unternehmertum. (...) Damit auf die gegenwärtige Party kein böser Kater folgt, sollten Europa und die Schweiz jetzt die wirtschaftlich besseren Zeiten dazu nutzen, strukturelle Probleme zu lösen und sich an echte Reformen zu wagen. In Davos hatten die Schweizer Politiker jedoch nicht einmal den Mut, mit den USA über die Exploration eines Freihandelsabkommens zu sprechen, weil ein solches Zugeständnisse von der Landwirtschaft verlangen würde.»

«Tages-Anzeiger»:

«Gestern war der US-Präsident am WEF - und erhielt viel Applaus. Die devote Haltung allerdings schadet dem Ansehen der Veranstaltung. (...) Die deutlich wahrnehmbare Bereitschaft, auf das nationale Egoismusprogramm des US-Präsidenten einzusteigen, nur weil sich damit die Geschäftschancen mehren lassen, stellt der Businesselite insgesamt ein schlechtes Zeugnis aus.»

«Blick»:

«So spektakulär das logistische Brimborium, so unspektakulär war Donald Trumps Rede vor den WEF-Teilnehmern. (...) Er pitchte sein Land wie ein Werbemanager auf Speed (...). Und doch war die Teilnahme des US-Präsidenten gut fürs WEF, gut für Davos, gut für die Schweiz. (...) Es hat seine Rolle als wichtigstes Forum der Welt gefestigt. Die Schweiz konnte ihre Beziehungen zu den Vereinigten Staaten stärken. Es war das erste Mal seit 18 Jahren, dass ein Bundespräsident 40 Minuten lang mit dem US-Präsidenten sprach. Davos war in den Weltmedien präsenter denn je - ein Gratiswerbeeffekt für das ganze Land.»

«Basler Zeitung»:

«Donald Trump ist ein Marketing-Genie (...). Selten hat ein Besucher in Davos so viel Aufmerksamkeit ausgelöst, selten hat ein Gast im Gegenzug Davos und der Schweiz so viel weltweites Interesse beschert. In diesem Zusammenhang ist auch Alain Berset zu loben, der staatsmännisch und sympathisch sich mit Trump austauschte - ohne jene kindlichen Bekenntnisse zur Distanz, wie sie etwa der eine oder andere seiner Parteifreunde wohl erwartet hätte. Berset, Schwab - und Trump - haben sich um unser Land verdient gemacht.»

«Schweiz am Wochenende»:

«Das Weltwirtschaftsforum bietet wie kein zweiter Anlass eine Bühne, auf der sich beobachten lässt, welche globalen Persönlichkeiten am Glänzen oder am Verblassen sind. (...) Die beiden starken Frauen des letztjährigen WEF, Angela Merkel und Theresa May, wirkten diesmal kraftlos, ja abgehalftert. (...) Macron und Trump: Wenn etwas haften bleibt nach dieser WEF-Woche, dann die Auftritte der beiden Männer. (...) Fünf Bundesräte haben (...) über 60 Gespräche geführt. Was es gebracht hat, lässt sich nicht beurteilen. Nur eines ist klar: Die Bilder, welche die ganze Woche über aus dem verschneiten Davos in die Welt gesendet wurden, waren im Interesse der Schweiz - des Tourismuslandes. Nicht nur Donald Trump fand sie grossartig.»

«Luzerner Zeitung»/«St. Galler Tagblatt»:

«Es wird jeweils viel heisse Luft produziert in Davos. Der diesjährige Slogan 'Für eine gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt' lässt grüssen. Für die Schweiz aber war das WEF 2018 definitiv ein Erfolg: Dank Trump kamen zahllose Spitzenpolitiker ins Land. Und ein Treffen mit einem US-Präsidenten gibt es für Bundesräte auch nicht alle Tage. Das ist gut so. Sofern sie sich beim Tête-à-Tête mit Trump weniger unterwürfig gaben als viele andere in Davos.»

«Le Temps»:

Für die Westschweizer Zeitung «Le Temps» ging ein zwiespältiges WEF zu Ende. Die Ausgabe 2018 «hat zu viele Wendungen genommen, anstatt einen Eindruck der Kohärenz zu vermitteln.» Wenn im ersten Teil der Veranstaltung «sich zahlreiche Teilnehmer besorgt über die Zersplitterung der Welt geäussert hatten, nahm das Forum am Freitag eine Wende» mit dem US-Präsidenten Donald Trump, der als «Strassenhändler» gekommen sei, um «seine Steuerreform zu verkaufen und Reglementierungen anzuprangern». Trumps Rede, in der «er sich alle Verdienste zuschrieb», sei «so langweilig wie kindisch» gewesen.

«La Tribune de Genève»:

«Ein protektionistischer Geschäftsmann», der in den Bündner Ferienort gekommen ist, um «Amerika den Investoren zu verkaufen», kommentiert die Genfer Zeitung «La Tribune de Genève». Sarkastisch erkennt sie auch «eine gute Nachricht» im Auftritt des New Yorker Milliardärs. Der französische Präsident Emmanuel Macron und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel wüssten jetzt, «dass sie nicht auf Washington zählen können, um in die richtige Richtung zu gehen». «Danke für die Information, Herr Trump. Danke, dass Sie nach Davos gekommen sind.»

«La Liberté»:

Für die Freiburger Zeitung «La Liberté» waren die Auftritte der Präsidenten Macron aus Frankreich und Trump aus den USA nicht zu vergleichen. Der Erste erhielt stehende Ovationen, der Zweite wurde mit «kurzem und höflichem» Applaus bedacht. Das grosse Lied von «America First» habe sich als altbekannte Leier entpuppt. Als positiven Punkt hebt die Zeitung «den Ton ohne Aggressivität und ohne neue Drohungen» des Republikaners hervor. (sda)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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