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Der Muslim, der sich opferte, um andere vor einem IS-Attentäter zu schützen

Während die Welt durch die Anschläge am Freitag erschüttert wurde, ging die Heldentat vom Donnerstag unter: Ein Mann warf sich in Beirut auf einen Selbstmord-Attentäter – und rettete so viele Menschen vor dem Tod.
16.11.2015, 17:4117.11.2015, 07:17

Zwei Selbstmord-Attentäter haben am Donnerstag in Beirut 43 Menschen mit in den Tod gerissen. Dass es nicht weit mehr geworden sind, ist einem Mann zu verdanken, der sein eigenes Leben opferte, um das von anderen zu retten.

Adel Tormos ist im Vorort Burdsch al-Baradschna unterwegs, das vornehmlich von Schiiten bewohnt wird. Mitten im Feierabendverkehr hört er eine Explosion. Menschen laufen schreiend durcheinander, Chaos bricht aus. Was unser Held nicht weiss: Ein Selbstmord-Attentäter hat sich nahe eines belebten Marktes in die Luft gesprengt und 45 Libanesen mit in den Tod gerissen. 

Beirut, 12. November: Chaos im Vorort Burdsch al-Baradschna nach den Attentaten.&nbsp;<br data-editable="remove">
Beirut, 12. November: Chaos im Vorort Burdsch al-Baradschna nach den Attentaten. 
Bild: NABIL MOUNZER/EPA/KEYSTONE
Soldaten versuchen, Ordnung zu schaffen. Burdsch al-Baradschna gilt als Hisbollah-Hochburg.<br data-editable="remove">
Soldaten versuchen, Ordnung zu schaffen. Burdsch al-Baradschna gilt als Hisbollah-Hochburg.
Bild: WAEL HAMZEH/EPA/KEYSTONE

Doch dann bemerkt Adel Tormos beim Markt plötzlich einen Mann, der in dem Durcheinander einen klaren Plan zu haben scheint. Er sieht, wie der Unbekannte sich bei einer Moschee, wo sich Gläubige zum Gebet versammelt haben, bereit macht: Es ist ein zweiter Attentäter, der seine todbringende Fracht zünden will. Adel Tormos' Tochter steht neben ihrem Vater. Was nun? Was tun? Wie reagieren?

Dem Libanesen bleiben nur Sekunden für eine Entscheidung – und Adel Tormos beschliesst, sein Leben zu geben. Er wirft sich auf den Angreifer, dessen Bombe hochgeht. Sein Körper fängt die Wucht der Explosion ab: Der Fanatiker und der Vater sterben – doch Tormos' Tat rettet seine Tochter und Hunderte andere. 

Am Tag nach den Anschlägen wird das Ausmass der Explosionen deutlich.<br data-editable="remove">
Am Tag nach den Anschlägen wird das Ausmass der Explosionen deutlich.
Bild: WAEL HAMZEH/EPA/KEYSTONE

Bloggerin und Ärztin Elie Fares muss die Szene mitansehen. «Er hat ihn zu Boden gerissen und löste die Detonation aus», berichtet sie später Public Radio International. «Es gibt viele, viele Familien, vielleicht Hunderte, die ihre Unversehrtheit seinem Opfer verdanken.»

Tormos wird unter grosser Anteilnahme am 13. November im Dorf Tallousa beerdigt.
Bild: KARAMALLAH DAHER/REUTERS

Ein dritter Täter kommt nicht mehr dazu, sich selbst in die Luft zu sprengen. Er kann verhaftet werden und wird laut CNN gestehen, dass seine beiden Komplizen und er zwei Tage zuvor in Syrien aufgebrochen waren, um in Beirut zu morden. Der IS bekannte sich bald darauf via Twitter zu den Anschlägen – die durch das Blutbad in Paris am Tag darauf hierzulande kaum Beachtung fanden.

Die Polizei kann einen dritten Attentäter verhaften und hat Mühe, den Verdächtigen vor dem wütenden Mob zu schützen.<br data-editable="remove">
Die Polizei kann einen dritten Attentäter verhaften und hat Mühe, den Verdächtigen vor dem wütenden Mob zu schützen.
Bild: Bilal Hussein/AP/KEYSTONE

Doch Tormos selbstloses Angreifen wird zumindest im Internet gewürdigt: Diverse Twitterer verbreiten die Geschichte von seiner Heldentat.

Sie erinnern uns daran, dass der «Islamische Staat» nicht alleine ein Feind des Westens ist. Der Nahe Osten lei90det genauso – tatsächlich sind die meisten IS-Opfer Muslime. Islamisch ist an diesen Terroristen also gar nichts.

[Update: In der ersten Version wurde der Name Adel Termos benutzt, doch seinem Facebook-Account zufolge schreibt sich unser Held Adel Tormos. Das wurde korrigiert.]

Sandsturm sucht Beirut heim

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Sandsturm sucht Beirut heim
quelle: ap/ap / hussein malla
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