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So wollen Menschen in der Schweiz ihr Leben ändern, wenn die Coronakrise vorbei ist

Forscher der Hochschule Luzern haben untersucht, wie sich das Verhalten der Bevölkerung über die Coronakrise hinaus verändern könnte. Die Studie zeigt zudem auf, welch gewaltigen Auswirkungen die Pandemie auf das Reisen hat.
20.04.2020, 06:41
Patrik Müller / ch media

Generationen von Wissenschaftern werden sich dereinst noch mit den Gründen und Folgen der Coronapandemie befassen. Bereits jetzt forschen nicht nur Virologen und Epidemiologen mit Hochdruck, sondern auch Sozialwissenschafter.

Mehr bei der Familie sein, öfter selber kochen und backen: Solche Vorsätze haben sich die Schweizer genommen – auch wenn das gemeinsame backen auch nicht immer konfliktfrei ist.
Mehr bei der Familie sein, öfter selber kochen und backen: Solche Vorsätze haben sich die Schweizer genommen – auch wenn das gemeinsame backen auch nicht immer konfliktfrei ist.
Bild: shutterstock.com

Eine erste Studie stammt von der Hochschule Luzern. Diese untersuchte unter anderem, wie die Pandemie das Konsum- und Freizeitverhalten der Schweizer Bevölkerung langfristig – also nach der Krise – verändern dürfte.

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Liest man die Ergebnisse, könnte man fast den Eindruck bekommen, das Coronavirus würde uns zu besseren Menschen machen.

  • Familie: Offenbar ist im Homeoffice die Erkenntnis gereift, dass es auch Vorteile hat, so viel zu Hause zu sein. Jedenfalls sagen 15 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer, sie würden sich künftig mehr der Familie widmen als vor der Coronakrise.
  • Gesundheit: 14 Prozent geben an, künftig bewusster auf die Gesundheit zu achten. Für viele bedeutet Zuhausebleiben auch, das Joggen und gesundes Essen zu entdecken. Ein Viertel der Bevölkerung gibt an, zurzeit häufiger zu kochen und zu backen als vor der Krise.
  • Einkaufen: 12 Prozent sagen, sie würden in Zukunft besser auf die regionale Produktherkunft achten. Den Quartierladen und das Hoflädeli möchten sie auch in normalen Zeiten nutzen.

«Die Covid-19-Zeit wird auch in der Zukunft ihre Spuren hinterlassen», schreibt die Forschungsgruppe des Instituts für Kommunikation und Marketing IKM von der Hochschule Luzern. Man wird sehen. Zumindest haben die Leute jetzt Zeit, gute Vorsätze zu fassen.

Jeder dritte Schweizer hat seine Reise storniert oder angepasst

Sehr unmittelbar sind die Folgen für die Ferien- und Reisepläne. 72 Prozent der Befragten hatten ursprünglich vor, in diesem Jahr zu verreisen. Ziemlich genau die Hälfte davon hält an ihren Reiseplänen fest, falls das möglich ist, wenn beispielsweise die Bergbahnen im Sommer wieder fahren dürfen oder die Reise nach Italien oder Spanien erlaubt sein sollte.

Die andere Hälfte – insgesamt etwa jeder dritte Schweizer – hat seine Reise storniert, oder er reist nun anderswo hin als geplant. Betroffen sind insbesondere Reisen nach Südeuropa (16 Prozent haben storniert oder geändert) und nach Mitteleuropa (15 Prozent, siehe nachfolgende Grafik).

grafik: ch media

Profiteur dieser Stornierungswelle wird das Tourismusland Schweiz sein. Ursprünglich hatten 20 Prozent der Bevölkerung vor, Ferien in der Schweiz zu verbringen; 13 Prozent wollen diese Pläne unverändert umsetzen, 7 Prozent haben sie angepasst. Es ist naheliegend, dass viele Schweizer, die ins Ausland reisen wollten, nun Ferien im Inland machen.

Fällt deine Reise ins Wasser? Diese Rechte hast du:
SBB-Billette: Bereits gekaufte Tickets für Fahrten ins Ausland, auch solche mit Nachtzügen der ÖBB, kann man am Schalter zurückgeben. Die Billettpreise werden bar zurückerstattet.

Flugtickets: Wer bei der Swiss einen Flug gebucht hat, der nun abgesagt worden ist, oder wenn der Passagier die Reise nicht mehr antreten möchte, der kann sein Ticket behalten und bis 31. August 2020 eine Umbuchung auf ein neues Reisedatum (bis spätestens 30. April 2021) vornehmen. Er kann auch ein neues Reiseziel wählen. Wer noch dieses Jahr den Flug nachholt, erhält zusätzlich einen 50-Franken-Gutschein. Man kann sich diesen Voucher jetzt über die Website der Swiss ausstellen lassen und dann bei der späteren Buchung einlösen.

Pauschalreisen: Viele Schweizer haben für den Sommer eine Pauschalreise gebucht, die wegen der geschlossenen Grenzen nicht stattfinden kann. Die Reiseveranstalter handhaben diese Fälle unterschiedlich. Grundsätzlich sind Reisebüros verpflichtet, Alternativen anzubieten. Unter Umständen können diese aber teurer sein. Wenn das Reisebüro eine komplett andere Destination vorschlägt, müssen die Kunden dies nicht akzeptieren. Dann können sie das Geld zurückverlangen. (pmü)

Für die Tourismusregionen ist das entscheidend, werden sie doch in diesem Sommer je nach Entwicklung der Coronakrise gar keine oder nur wenige ausländische Gäste haben. Wichtige Gruppen, etwa aus Asien und den USA, fallen wohl komplett weg.

Das trifft die Zentralschweiz und das Berner Oberland stärker als Graubünden; dort war der Anteil von Schweizer Touristen bereits vorher gross. Nun werden die Inländer noch wichtiger. Überall.

Gibt es solche Bilder, wie hier auf der Rigi, auch im Sommer 2020? Das ist noch unklar. Der Bundesrat steht jedoch unter Druck, Restaurants schnell zu öffnen.
Gibt es solche Bilder, wie hier auf der Rigi, auch im Sommer 2020? Das ist noch unklar. Der Bundesrat steht jedoch unter Druck, Restaurants schnell zu öffnen.
Bild: KEYSTONE

In den Bergregionen, wo Nachhaltigkeit immer wichtiger wird, macht man sich angesichts der epochalen Krise auch visionäre Gedanken. Pascal Jenny, Tourismusdirektor von Arosa GR, wagt ein Gedankenexperiment: «Vielleicht akzeptieren wir im Schweizer Bergtourismus Gäste aus anderen Kontinenten nur noch, wenn sie für zwei Wochen Ferienaufenthalt buchen und somit die Voraussetzung schaffen, sich tiefer und bewusster mit unseren Werten, Schönheiten und Angeboten auseinanderzusetzen.»

Die Studie
Für die Erhebung der Daten hat das Institut für Kommunikation und Marketing IKM der Hochschule Luzern mit der Unterstützung der Stiftung Mercator Schweiz und des Marktforschungsinstituts Link eine repräsentative Bevölkerungsbefragung mit insgesamt 1003 befragten Personen durchgeführt. Dies unter der Leitung von Marcel Zbinden und Dominik Georgi von der Hochschule Luzern.
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quelle: keystone
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