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Die Ärmsten leiden weltweit infolge der Corona-Pandemie



Die Menschen in Entwicklungsländern haben aufgrund der Coronavirus-Pandemie weniger zu essen und viele Kinder können nicht mehr zur Schule gehen. Die Einkommen sinken und die Verschuldung steigt, wie eine Studie des NGO-Netzwerks Alliance 2015 ergab.

Fast jede zweite Frau und mehr als ein Drittel der Männer haben für sich und ihre Familie weniger und qualitativ schlechtere Lebensmittel zur Verfügung, wie Alliance 2015 in der am Mittwoch veröffentlichten Studie schreibt. Dem Netzwerk gehören acht europäische Nichtregierungsorganisationen (NGO) an, darunter die Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas.

January 24, 2021, Dhaka, Dhaka, Bangladesh: Two boys search materials from waste dumped to sell in Dhaka, Bangladesh. Dhaka Bangladesh - ZUMAj162 20210124_zip_j162_002 Copyright: xFatima-TujxJohorax

Zwei Jungen durchsuchen Abfall in Dhaka, Bangladesch. Bild: www.imago-images.de

Rund drei Viertel der Befragten gaben an, dass sie wegen der Pandemie über weniger Geld verfügen. Viele können als Gelegenheitsarbeiterinnen und Tagelöhner im informellen Sektor ihrem Broterwerb nicht mehr nachgehen. Zudem erhalten sie weniger Geldüberweisungen von Verwandten aus dem In- und Ausland, wie gut drei Viertel der Befragten sagten.

Viele verschulden sich. Mehr als zwei Drittel der Befragten mussten Geld leihen oder konnten infolge der Pandemie nur noch auf Kredit einkaufen. Einige Menschen verkauften aus Geldnot ihr Vieh oder ihre sowieso schon kleinen Landparzellen. Die allermeisten Befragten machen sich mehr Sorgen um die Zukunft als vor der Pandemie.

Alliance 2015 fragte zwischen Oktober und Dezember 16'000 Frauen und Männer in 25 Ländern auf vier Kontinenten, wie sich die Coronavirus-Pandemie auf ihren Alltag auswirkt. Befragt wurden Personen in Städten, Slums, ländlichen Gebieten und in Flüchtlingscamps.

Kein Geld für Saatgut

Fast drei Viertel (72 Prozent) der befragten Bäuerinnen und Bauern verdienten aufgrund der Pandemie weniger. Sie hatten nicht nur Schwierigkeiten, ihre Produkte zu verkaufen, viele konnten sich auch kein Saatgut leisten.

Adama, Oromiyaa, Aethiopien - Landwirtschaft, traditionelle Weizenernte 04.11.2019, Adama, Oromiyaa, Aethiopien - Weizenernte. Bauer ernten traditionell mit der Sichel Weizen. Projektdokumentation des Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen. Adama Oromiyaa Aethiopien *** Adama, Oromiyaa, Ethiopia Agriculture, traditional wheat harvest 04 11 2019, Adama, Oromiyaa, Ethiopia Wheat harvest Farmer harvesting traditional with the sickle wheat Project documentation of the Ev luth Missionary Work in Lower Saxony Adama Oromiyaa Ethiopia

Männer bei einer Weizenernte in Äthiopen. Bild: www.imago-images.de

«Wird nicht zur rechten Zeit angepflanzt, kann später nicht geerntet werden», sagte Rupa Mukerji, Ko-Autorin der Studie und Geschäftsleitungsmitglied von Helvetas, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Das führe zu weiteren Einkommensverlusten und zu Engpässen in der Nahrungsmittelversorgung. Helvetas hat in mehreren Ländern als Nothilfe Saatgut an Bauernfamilien verteilt und hilft auch dabei, Mikrokredite zu erhalten.

Kinder müssen arbeiten

Auch für Kinder ist die Lage prekär. Zwei von drei Schulkindern konnten zumindest zeitweise nicht mehr zur Schule gehen, weil diese über Monate geschlossen blieben, und es keine alternativen Lernmöglichkeiten gab.

«Beängstigend ist, dass mehr als ein Viertel der Befragten befürchtet, dass sie ihre Kinder nicht mehr zur Schule schicken können, wenn diese wieder offen sind», sagte Mukerji. Denn die Kinder hätten nicht nur viel Schulstoff verpasst, sondern müssten wegen der gestiegenen Not im Haushalt beim Kinderhüten, auf dem Feld oder bei andern Arbeiten helfen.

Frau und Kinder pflügen Feld mit Ochse, Gomponsom, Provinz Passoré, Region Nord, Burkina Faso, Afrika WICHTIG: Nutzung durch Entwicklungshilfe-Organisationen in Deutschland nur nach Rücksprache. Copyright: imageBROKER/FlorianxKopp iblflk04521226.jpg

Woman and Children plowing Field with Ox  Province  Region North Burkina Faso Africa important Use through Development aid Organizations in Germany only after Consultation Copyright image broker FlorianxKopp iblflk04521226 JPG Bitte beachten Sie die gesetzlichen Bestimmungen des deutschen Urheberrechtes hinsichtlich der Namensnennung des Fotografen im direkten Umfeld der Veröffentlichung!

Eine Frau und zwei Kinder pflügen ein Feld mithilfe eines Ochsen in Gomponsom, Burkina Faso. Bild: imago stock&people

Es fehlt an Wasser und Seife

Die grosse Mehrheit der befragten Frauen und Männer kannte die Schutzmassnahmen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus wie häufiges Händewaschen (87 Prozent) und das Maskentragen (81 Prozent).

Denan, Somali Region, Aethiopien - Hygiene, Haende waschen 12.11.2019, Denan, Somali Region, Aethiopien, ETH - Haendewaschen in einem Waschbecken, mit Seife und fliessend sauberen Wasser aus einem selbstschliessenden Wasserhahn mit Druckknopf. Wasserbauprojekt der Hilfsorganisation arche noVa im Denan Hospital. Denan Somali Region Aethiopien *** Denan, Somali Region, Ethiopia Hygiene, Washing hands 12 11 2019, Denan, Somali Region, Ethiopia, ETH Washing hands in a sink, with soap and running clean water from a self-closing tap with push button Hydraulic engineering project of the aid organisation arche noVa in the Denan Hospital Denan Somali Region Ethiopia

Nicht alle Menschen haben Zugang zu Wasser und Seife. Bild: www.imago-images.de

Sie hatten jedoch begrenzte Möglichkeiten, die Schutzmassnahmen auch einzuhalten. Denn es fehlt oft an Wasser, Toiletten, Seife, Desinfektionsmittel und Masken. Enge Arbeits- und Lebensbedingungen behindern das Distanzhalten armer Menschen ebenfalls.

Alliance 2015 unterstützt die Menschen unter anderem dabei, Seife, Desinfektionsmittel und Masken lokal zu produzieren. Das könne auch lokale Einkommensmöglichkeiten schaffen. Helvetas etwa bildet Berufsschulabsolventinnen und -absolventen darin aus, wiederverwendbare Stoffmasken von guter Qualität herzustellen – auch mit dem Know-how der ETH. (saw/sda)

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