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Zweiter Digitaltag: Berset warnt vor Euphorie und Fatalismus



Die Organisation Digitalswitzerland hat gemeinsam mit 70 Unternehmen und Institutionen an zwölf Standorten in der Schweiz den zweiten Digitaltag durchgeführt. Kritik gab es von Gewerkschaften und Konsumentenschützern, vor allem am Setting der Veranstaltung.

Bundespräsident Alain Berset warnte in Zürich davor, weder in digitale Euphorie noch Fatalismus zu verfallen. «Wir dürfen nicht einer digitalen Euphorie verfallen und auch keinem digitalen Fatalismus», sagte Berset im Rahmen des Digitaltages im Zürcher Hauptbahnhof. Den Schweizern werde dies wohl gelingen, denn sie seien weder naiv noch ängstlich.

«Wir haben genau den richtigen Mix, um uns differenziert mit den Chancen, Risiken und Nebenwirkungen der Digitalisierung auseinanderzusetzen», sagte Berset weiter. Den Schweizern sei das schroffe Entweder-Oder der digitalen Programmiersprache ziemlich fremd. Gerade dies ermögliche aber den Erfolg im Umgang mit der Digitalisierung.

Dreh- und Angelpunkte der Veranstaltung waren der Zürcher Hauptbahnhof und der Bahnhof Cornavin in Genf. Neben Berset engagierten sich auch die Bundesratskollegen Johann Schneider-Ammann und Ignazio Cassis. Über 100 Experten standen Interessierten an einem Dutzend Standorten in der Schweiz für Auskünfte und Demonstrationen zur Verfügung.

Über 200'000 Menschen machten sich am Donnerstag landesweit vor Ort ein Bild, wie Digitalswitzerland am Abend mitteilte. Hunderttausende hätten zudem auf dem Livestream und anderen digitalen Kanälen die Digitalisierung hautnah erlebt.

Initiative an Primarschulen

Der zweite Digitaltag war auch der Startschuss für die Computational Thinking Initiative (CTI). Sie will an den Primarschulen in der ganzen Schweiz mit dem Lernroboter «Thymio» die informatorische Bildung stärken und grundlegendes Know-how vermitteln.

Kreatives Problemlösen und Programmieren seien entscheidende Kernkompetenzen für künftige Generationen, schreibt Digitalswitzerland in einer Mitteilung. CTI werde durch den Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) und das Syndicat d'enseignants romands (SER) unterstützt.

Die Gewerkschaft Syndicom kritisiert, dass beim zweiten Digitaltag zum zweiten Mal die Sicht der Arbeitnehmenden aussen vor bleibe. Für sie stelle sich die Frage, wie die Weichen für eine menschenfreundliche Arbeit in der Zukunft gestellt werden. Syndicom sieht namentlich die arbeitszeitlichen Schutzbestimmungen bedroht. Flexibilität ohne Sicherheit werde aber dazu führen, dass sich die Menschen nicht auf die schwierigen Lernprozesse einlassen könnten.

Gewaltige Risiken und Nebenwirkungen

Die Stiftung für Konsumentenschutz, die Digitale Gesellschaft und der Chaos Computer Club Schweiz (CCC-CH) wiesen in Zürich auf die gewaltigen Risiken und Nebenwirkungen der Digitalisierung hin, vor allem für den Schutz der Privatsphäre, die Selbstbestimmung und die Datensicherheit. Die Organisationen demonstrierten den Besuchern, wie ihnen im Internet heimlich oder offensichtlich persönliche Daten entlockt und verwertet werden.

Weiter kritisierten sie die Organisatoren des Digitaltages dafür, dass Schweizer KMU und Startups nicht vertreten waren. Dabei seien gerade viele kleine und mittlere Unternehmen überfordert, sowohl bei der Einhaltung der datenschutzrechtlichen Vorgaben wie auch bei den Vorkehrungen für die Datensicherheit. Es brauche einen offenen Dialog, keine Marketingveranstaltungen. (sda)

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