Gesundheit
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wie gefährlich ist das Coronavirus aus China wirklich? Das sagt ein Mediziner

Tim Kröplin / watson.de



Über 571 Infizierte, bisher 17 Todesfälle und eine Krisenkonferenz der Weltgesundheitsorganisation: Das neuartige Coronavirus aus China breitet sich aus – und schürt Ängste.

Health Officials in hazmat suits check body temperatures of passengers arriving from the city of Wuhan Wednesday, Jan. 22, 2020, at the airport in Beijing, China. Nearly two decades after the disastrously-handled SARS epidemic, China’s more-open response to a new virus signals its growing confidence and a greater awareness of the pitfalls of censorship, even while the government is as authoritarian as ever. (AP Photo Emily Wang)

Das neuentdeckte Coronavirus ist nicht zwangsläufig lebensbedrohlich. Bild: AP

Bisher ist bekannt, dass sich der Erreger von Mensch zu Mensch überträgt. Unklar aber ist, wie schnell das passieren kann. Dennoch geht die Furcht um, dass der neue Virus ähnliche Wirkung zeigt wie das SARS-Virus, das 2003 rund 800 Menschen das Leben gekostet hat. Wie gefährlich ist der neue Erreger wirklich? Und besteht die Gefahr einer weltweiten Pandemie?

Über diese Fragen sprachen wir mit dem Virologen Armin Ensser. Er forscht am Universitätsklinikum im deutschen Erlangen und beschäftigt sich unter anderem mit Coronaviren und ihren Auswirkungen. Seiner Meinung nach ist der Erreger aus China weniger gefährlich, als viele Menschen befürchten.

Herr Ensser, was genau sind Coronaviren?
Armin Ensser: Coronaviren sind an sich übliche Erreger, die Erkältungssymptome und Atemwegsinfektionen auslösen können. Zusammen mit dem neuen Virus kennen wir sieben Spezies, die für Menschen relevant sind. Vier von ihnen sind für zehn Prozent der erkannten Infektionen, die nicht mit einer Grippe zusammenhängen, verantwortlich. In bestimmten Fällen begünstigen die Viren schlimmere Erkrankungen.

«Geschätzt ist das Virus seit möglicherweise fast zwei Monaten im Umlauf.»

Wie sähen diese Fälle aus?
Sie können, wenn das Herz oder die Atemwege vorbelastet sind, bei schweren Vorerkrankungen zu deren Versagen führen. Hier muss ich aber sagen, dass das bei einer Grippe deutlich häufiger passiert – zumindest in den Risikogruppen wie etwa bei älteren Menschen.

Gilt das denn für alle Coronaviren?
Manche der Coronaviren sind gefährlicher als andere. Nehmen wir etwa das Sars-Virus. Das führte 2003 zu knapp 8000 Infektionen und rund 800 Toten.

Zahl der Erkrankungen in China steigt auf 571

Die Zahl der nachgewiesenen Fälle der neuen Lungenkrankheit in China ist auf 571 gestiegen. Das teilte Chinas Gesundheitsbehörde am Donnerstag mit. Von neuen Todesfällen war hingegen nicht die Rede.

Damit sind seit Ausbruch der Krankheit weiterhin 17 Todesfälle bestätigt. Laut der offiziellen Angaben gibt es unter den nachgewiesenen Erkrankungen 95 schwere Fälle. Sie alle liegen in der Provinz Hubei mit der besonders stark betroffenen Metropole Wuhan.

Zuvor hatte das Staatsfernsehen berichtet, dass der Verkehr aus Wuhan gekappt werde. China stoppte ab Donnerstag alle Flüge und Züge aus der Millionenstadt, in der das Visum zuerst aufgetreten war. (sda)

Jetzt wurde das SARS-Virus auch mit dem neuen Coronavirus in Verbindung gebracht. Sind die beiden denn ähnlich gefährlich?
Wenn man sich die Erbsubstanz vom neuen Coronavirus genauer anschaut, sieht man, dass dieser mit dem Sars-Virus verwandt ist. Das heisst aber nicht, dass dieser Erreger genauso gefährlich ist. Momentan schaut es nicht danach aus. Wobei nicht klar ist, wie hoch die Dunkelziffer ausfällt. Anderseits werden neue Erkrankungen in der Regel zu Beginn nicht selten überschätzt.

Warum das?
Als Vorsichtsmassnahme. Tritt ein neuer Virus auf, ist es anfänglich unklar, wie gefährlich dieser sein könnte. Wenn wir jetzt sagen, dass bei den rund 470 bekannten Fällen 17 Menschen starben, klingt das erstmal nach viel. Wir wissen aber nicht, wie viele Menschen derzeit ohne oder mit schwächeren Symptomen infiziert sind. Geschätzt ist das Virus seit möglicherweise fast zwei Monaten im Umlauf. Da kann es sein, dass einige Infizierte nicht erfasst wurden.

Was hat es mit den Todesfällen auf sich?
Dafür müsste ich die klinischen Daten der Verstorbenen kennen. Teilweise bekannt und gut möglich ist, dass es Menschen waren, die schon vorher Begleiterkrankungen hatten. Dazu zählen etwa Herz- oder Lungenerkrankungen. In solchen Fällen kann es dazu kommen, dass etwa diese nicht mehr funktionieren, was letztendlich zum Tod führt. Das ist aber nur eine Vermutung.

Die chinesische Regierung bestätigte kürzlich, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird. Wie genau kann ich mich anstecken?
Da gäbe es vor allem zwei Möglichkeiten: Zum einen wäre da die Tröpfcheninfektion. Dabei werden die Erreger über feine Schleim- oder Speicheltröpfchen beim Sprechen oder Husten übertragen. Dann wäre da noch die Schmierinfektion, wenn sich jemand etwa an die laufende Nase greift und darauf Oberflächen wie Türklinken berührt. Die Viren bleiben auf diesen kleben und landen dann auf der Hand des Nächsten, der sie anfasst und sich danach ins Gesicht greift. Deshalb ist gerade Händewaschen wichtig.

Jetzt sprechen auch einige von einer möglichen Pandemie. Was bedeutet das?
Pandemie bedeutet, dass sich ein neuer Erreger in kurzer Zeit weltweit ausbreitet. Zunächst ist das Immunsystem und auch die Herdenimmunität der Bevölkerung nicht auf ein neues oder stark verändertes Virus eingestellt. Abwehren kann es diesen also erstmal nicht, was eine Verbreitung begünstigt. Theoretisch könnte man bei jedem neuem Schnupfenvirus von einer Pandemie sprechen. Das klingt allerdings wesentlich dramatischer, als es eigentlich ist.

«Generell kann man gegen diese Viren erstmal nicht viel machen, ausser Symptome zu bekämpfen.»

Dennoch hat sich das Coronavirus auch ausserhalb Chinas verbreitet. Beispielsweise ist in Amerika ein Fall bekannt.
Das ist richtig, muss aber nichts bedeuten. Das Virus befindet sich erstmal ein paar Tage in einem menschlichen Körper, bevor die ersten Symptome auftreten. Reise ich etwa nach China und fliege direkt zurück nach Deutschland, werde ich zunächst nicht wissen, ob ich mich angesteckt habe. Bräche das Virus am morgen darauf aus, gäbe es auch in Europa einen Fall.

Aber sollte man nicht eine weitere Verbreitung, etwa mit einem Einreisestop, verhindern?
Da ist die Frage, welche politische und gesamtgesellschaftliche Bedeutung ein Erreger hat. Sorgt er für eine schwere Infektion, die das öffentliche Leben einschränkt oder gar bedroht, müssen Schutzmassnahmen wie etwa Quarantäne und Reisebeschränkungen durchgesetzt werden. Wenn ich mir bisher das Coronavirus in China anschaue, glaube ich nicht, dass das notwendig ist.

Ist das Virus denn behandelbar?
Das Immunsystem überwindet den Erreger, die Infektion heilt aus. Vorher gesunde Menschen müssen einen Infekt lediglich aussitzen und sollten durch ihr Verhalten darauf achten, andere nicht anzustecken. Generell kann man gegen diese Viren erstmal nicht viel machen, ausser Symptome zu bekämpfen.

Ein Impfstoff wäre doch eine Option?
Es ist leider nicht möglich, gegen jedes «neue» Virus einen Impfstoff zu entwickeln. Das ist sehr aufwändig, teuer und auch nicht immer möglich. Natürlich machen Impfstoffe bei schweren Krankheiten wie Masern oder der Virusgrippe Sinn und sie zählen zu den effizientesten Errungenschaften der Medizin. Bei einem Virus, das nur gelegentlich Halsschmerzen verursacht, wäre das weniger sinnig.

Bestimmt hast auch DU einen dieser kranken Typen im Büro

Play Icon

Abonniere unseren Newsletter

15
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Paddiesli 23.01.2020 15:26
    Highlight Highlight Nach aktuellsten Erkenntnissen haben sie nun dank Gen-Analyse herausgefunden, dass der Überträger eine Schlange war, wie die Chinesische Kobra. Da diese auch auf den Fischmärkten verkauft wird, hat sich das Virus durch Hautkontakt auf den Menschen übertragen.
    Quelle: scinexx.de
  • guby 23.01.2020 13:05
    Highlight Highlight Kudos an Watson einen echten Experten zu Wort kommen zu lassen! Auch wenn die Informationslage dürftig ist finde ich seine Kommentare sehr aufschlussreich.
  • Grave 23.01.2020 12:53
    Highlight Highlight Also kurz zusammengefasst: viel geschrei um nichts.
    • Magnum 23.01.2020 13:20
      Highlight Highlight Eher nein: Drei Grossstädte in China mit einer kumulierten Bevölkerung von 20 Millionen sind unter Quarantäne gestellt. Und das in der Woche mit der höchsten Reiseaktivität in China.
      Der Erreger hat es schon nach Australien und Nordamerika geschafft. Und nach Japan, Südkorea und Thailand.

      Nein, da geht es schon um etwas mehr als nur um nichts. Und ein echtes Geschrei vermag ich nicht zu erkennen - eher berechtigte Sorge, dass die Stümper in Peking das Ding nochmals so vermasseln wie damals bei SARS.
    • Grave 23.01.2020 17:09
      Highlight Highlight @magnum jaja dass sich der virus verbreitet habe ich auch gelesen und naja zur kentniss genommen. Aber er sagt ja auch dass bis jetzt nur leute gestorben sind welche schon angeschlagen wahren, wie bei sonst winer grippe auch.
  • LondonAfterMidnight 23.01.2020 12:51
    Highlight Highlight "Zuvor hatte das Staatsfernsehen berichtet, dass der Verkehr aus Wuhan gekappt werde. China stoppte ab Donnerstag alle Flüge und Züge aus der Millionenstadt, in der das Visum zuerst aufgetreten war. (sda)" --> Virus statt Visum?
  • GoIdjunge Krater 23.01.2020 12:02
    Highlight Highlight Dann gibt es ja sicher bald einen Impstoff, der uns alle "schützt"...
  • Raber 23.01.2020 11:22
    Highlight Highlight Ich glaube es ist jetzt wieder eminent wichtig,tausende Tonnen Tamiflu zu kaufen und bunkern...
  • Magnum 23.01.2020 10:51
    Highlight Highlight Aus der sicheren Distanz scheint die Sache wenig dramatisch. Die Hongkonger Tageszeitung South China Morning Post SCMP kennt heute aber nur ein Thema - das neue Coronavirus. Die Stadt Wuhan ist unter Quarantäne gesetzt worden, und das in einer Woche, wo Chinesen wegen ihrem Neujahr ihre Eltern und Familie besuchen. Und dem Krisenmanagement der Vereinigten Kleptokraten Chinas (aka der Kommunistischen Huldigungsgarde für Xi Jinping) traue ich nicht zu, adäquat zu reagieren.
    Ich lasse mich überraschen, ob der Drop bis zum nächsten Taiwan-Trip anfangs März gelutscht ist.
  • MartinZH 23.01.2020 10:11
    Highlight Highlight Roche lagert für einen Viertel der Bevölkerung Tamiflu (Oseltamivir). Das Ablaufdatum rückt immer näher. Damit es wirkt, muss man es spätestens nach 48 Stunden einnehmen.

    Das funktioniert doch gar nicht! Rezept-Beschaffung, Apotheken-Vorrat, Logistik, etc. Warum werden die sowieso bald abgelaufenen Pillen nicht grossflächig an die CH-Bevölkerung verschickt? Einfach eine Packung pro Haushalt – genau so, wie diese Tabletten für einen Nuklear-GAU, die wir erhalten haben?

    Wenn es mit dem Coronavirus soweit ist, haben wir keine Zeit mehr. Es wäre zu Begrüssen, wenn die Bundesämter handeln würden!
    • m.e. 23.01.2020 20:26
      Highlight Highlight nu-ku-lar. es heisst nu-ku-lar.
  • Luesae 23.01.2020 09:52
    Highlight Highlight 🧐
    Benutzer Bild
  • why_so_serious 23.01.2020 08:55
    Highlight Highlight "Teilweise bekannt und gut möglich ist, dass es Menschen waren, die schon vorher Begleiterkrankungen hatten" --> Vielen Dank für diesen Satz. Leute bekommen Angst, wenn sie höhren, dass durch den Virus einige Leute bereits gestorben sind. Wir wissen aber nichts über die Verstorbenen. Könnten ja schon sehr alte oder bereits schwer kranke Personen gewesen sein. Bei der Schweinegrippe wars ja ähnlich...
    • herrkern (1) 23.01.2020 09:07
      Highlight Highlight Trotzdem halt schade, wenn die Oma stirbt.
    • why_so_serious 23.01.2020 09:40
      Highlight Highlight natürlich tut es weh und verursacht leid - es schürrt jedoch weniger ängste.

«Hören wir auf zu sagen, es sei eine Grippe!»: Arzt schildert Situation in Bergamo

Seit Montag ist ganz Italien eine Sperrzone. Wer reisen will, muss dies begründen können. Schulen und Universitäten bleiben bis am 3. April geschlossen, Sportveranstaltungen wurden abgesagt. Restaurants und Bars dürfen nur noch bis 18 Uhr geöffnet sein.

Bis Dienstagabend hat das neue Coronavirus in Italien 631 Todesopfer gefordert. Mehr als die Hälfte davon in der Region Lombardei, die an die Schweiz grenzt. Im Norden der Lombardei befindet sich die Stadt Bergamo, wo das Gesundheitssystem …

Artikel lesen
Link zum Artikel