Luftfahrt
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Das Ende einer Ära: Boeing stellt Produktion des Jumbo-Jets ein



epa02580711 A computer-generated handout image provided by Boeing on 13 February 2011 when the company is set to roll out the newest version of its 40-year-old 747 jumbo jet at its headquarters in Everett, Washington, USA. The 747-8 Intercontinental will seat 467 passengers, 51 more than the current version of the 747, and burn less fuel while offering passengers more comfort, Boeing said. It is the first appearance of a radically new version of the passenger jet since the first jumbo, with its humped two-storey cabin and 196-foot (69 metre) wingspan.  EPA/BOEING / HANDOUT  EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Bild: EPA

Beim angeschlagenen US-Luftfahrtriesen Boeing geht eine Ära zuende: Das Unternehmen stellt die Produktion seines Jumbo-Jets 747 nach mehr als 50 Jahren ein. Die letzte 747 werde im Jahr 2022 gebaut, teilte Boeing am Mittwoch in Chicago mit. Konzernchef Dave Calhoun begründete den Schritt mit der derzeitigen Marktentwicklung. Der einst grösste Passagierjet der Welt hatte 1969 seinen Jungfernflug absolviert.

Überraschend kommt das Aus nicht - Boeing erwog schon seit Jahren, den früher als «Königin der Lüfte» gefeierten Jumbo wegen Nachfragemangels einzustampfen. Die Produktionsrate lag zuletzt bei mageren 6 Maschinen pro Jahr. Ausserdem wurde das Modell zuletzt praktisch nur noch in der Frachtversion gebaut - und in einer Sonderversion für den US-Regierungsjet Air Force One.

Zudem ist der US-Luftfahrtriese schwer angeschlagen und muss sparen. Die Corona-Pandemie und das Debakel um den nach zwei Abstürzen mit Flugverboten belegten Krisenjet 737 Max haben Boeing tief in die roten Zahlen gebracht. Im zweiten Quartal stand unter dem Strich ein Verlust von rund 2,4 Milliarden Dollar (gut 2 Mrd Euro), wie der US-Luftfahrtriese mitteilte. Vor einem Jahr hatten hohe Sonderkosten wegen des Unglücksfliegers 737 Max dem Konzern ein Rekordminus von 2,9 Milliarden Dollar eingebrockt. Der Umsatz fiel verglichen mit dem Vorjahreswert um ein Viertel auf 11,8 Milliarden Dollar.

Boeing-Chef Dave Calhoun bezeichnete die vergangenen Monate in einem Memo an die Mitarbeiter als beispiellos und warnte, dass die Belastungen durch die Corona-Krise noch nicht vorbei seien. «Die Herausforderungen, denen wir als Unternehmen gegenüber stehen, sind nicht ausgestanden». Der Quartalsverlust von Boeing fiel etwa doppelt so hoch aus wie von Analysten erwartet. Immerhin: Mit 5,3 Milliarden Dollar verbrannte der Konzern im abgelaufenen Vierteljahr im Tagesgeschäft weniger Geld als befürchtet.

--- ARCHIVE --- VOR 50 JAHREN AM 9. FEBRUAR 1969 STARTET DIE DIE BOEING 747, AUCH JUMBO-JET GENANNT, IHREN ERSTFLUG --- A picture dated 09 Feburary 1969 of the first flight of the Boeing 747 from the factory in Everett, WA. It was 35 years ago that the plane changed commercial aviation history with its first flight.  As

Bild: EPA

Jetzt will Boeing die Produktion seiner Langstreckenjets noch weiter zurückfahren. So sollen im kommenden Jahr monatlich nur noch sechs Exemplare des Langstreckenjets 787 «Dreamliner» fertiggestellt werden. Die Produktion der noch grösseren Boeing 777 und ihrer Neuauflage 777X soll auf zwei Maschinen pro Monat sinken. Die Auslieferung der ersten 777X erwartet Boeing nun erst im Jahr 2022, damit wird die Premiere erneut verschoben. Die Produktion der 737 Max läuft derweil langsamer als geplant wieder an.

Während beim Unglücksflieger zuletzt immerhin die Hoffnung auf eine baldige Wiederzulassung stieg, dürfte die Corona-Krise den Luftverkehr und damit auch Boeing noch länger stark belasten. Im ersten Halbjahr stornierten Airlines zahlreiche Aufträge. Angesichts der erneuten Corona-Eskalation in einigen US-Bundesstaaten und anderen Teilen der Welt ist keine rasche Erholung in Sicht. «Die Realität ist, dass die Auswirkungen der Pandemie auf die Luftfahrt weiterhin schwerwiegend sind», erklärte Boeing-Chef Calhoun.

Hoffnung gibt es zumindest beim wichtigsten Modell 737 Max, das wegen zweier Abstürze mit insgesamt 346 Toten seit über einem Jahr nicht starten darf und nicht ausgeliefert werden kann. Hier rechnet das Boeing-Management mit einer baldigen Wiederinbetriebnahme, die US-Luftfahrtbehörde hatte zuletzt die Schlussphase des Verfahrens zur Wiederzulassung eingeleitet. Der Zeitpunkt ist dennoch unglücklich, denn ausgerechnet jetzt lässt die Corona-Pandemie die Nachfrage nach neuen Jets wegbrechen, so dass viele Bestellungen ungewiss sind.

A Boeing 747 takes off at the airport in Frankfurt, Germany, Monday, May 4, 2020. Due to the coronavirus more than 90 percent of all flights had to be canceled.(AP Photo/Michael Probst)

Bild: AP

Die 737-Max-Unglücke haben zudem das Vertrauen in Boeing erschüttert und enorm am Image des Unternehmens gekratzt, das bis zu den Abstürzen als erfolgsverwöhnter Vorzeigekonzern und Triebkraft der US-Wirtschaft galt. Als Unfallursache wurde in den bisherigen Untersuchungsberichten eine defekte Steuerungssoftware ausgemacht. Boeing steht im Verdacht, die 737 Max überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Der Ruf dürfte sich auch bei einer Wiederzulassung so schnell nicht erholen.

(aeg/sda/awp/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das ist das neue Swiss-Schmuckstück

Auch Schweiz sperrt Luftraum für Unglücksmaschine

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

29
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
29Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Victor Paulsen 30.07.2020 02:40
    Highlight Highlight Damit produziert Boeing nur noch eine zivile Serie, zumindest solange die 737max am Boden bleibt oder die Produktion der 777X beginnt, wonach es aktuell nicht aussieht
  • Victor Paulsen 30.07.2020 02:37
    Highlight Highlight Auch wenn das Flugzeug weder ökonomisch wie auch ökologisch sinnvoll war, es war einfach eine wahnsinns Maschine.
    Ich frage mich auch, wo wir heute ständen, wenn Boeing in den 60ern diesen Meilenstein nicht gemacht hätte, nicht nur im Zusammenhang mit Luftfahrt, sondern auch generell Technik
    • mikalfa 30.07.2020 09:49
      Highlight Highlight Natürlich war die Maschine ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Nie konnte zuvor ein Passagier mit derart wenig Sprit soweit transportiert werden.
  • El Estupidoburro 30.07.2020 00:56
    Highlight Highlight B747 für mich immer noch der schönste Flugi. Dann der A380, der
    • Stefan Morgenthaler-Müller 30.07.2020 06:35
      Highlight Highlight Dir Concorde ist 10x schöner als sie B747 und 1'000x schöner als A380. Tupolew Tu-144 ist auch schöner als B747 und A380. Die Antonow An-225 „Mrija" ist ebenfalls sehr schön, schöner als A380. Meine Meinung.
  • MartinZH 29.07.2020 23:45
    Highlight Highlight Schade, dass dieser primitive "Einzel-Blitzer" eine gepflegte Forum-Diskussion kaputt machen kann. Einfach nur armselig! 😔
    • Stefan Morgenthaler-Müller 30.07.2020 06:39
      Highlight Highlight Bei Ihnen gehts immer um Herzchen und Blitzer und nicht um den Inhalt. Das ist schade.
  • paddyh 29.07.2020 18:16
    Highlight Highlight Ich zweifle schwer daran, dass die USA Boeing Konkurs gehen lassen werden. Die sind doch schon fast systemrelevant. Würde mich erstaunen, wenn die plötzlich europäische Flieger kaufen würden.
    • derEchteElch 29.07.2020 19:28
      Highlight Highlight Delta und American tun dies heute schon. Boeing ist deswegen ziemlich sauer.
    • -thomi- 29.07.2020 21:02
      Highlight Highlight Boeing ist systemrelevant für die gesamte Luftfahrt. Da die Nachfrage nach kleinen Jets trotz Corona steigen wird, und die Zeit der Riesenvögel vorbei ist, braucht die Welt neue Flugzeuge. 80% davon machen Aribus und Boeing. Und Airbus hat die Auftragsbücher für mehrere Jahre voll. Die hätten keine Kapazität. Corona wird da etwas helfen, aber wahrscheinlich nicht besonders viel.
    • 7immi 29.07.2020 21:56
      Highlight Highlight Boeing baut ja nicht nur 737 Max und 747, sondern auch andere sehr gute Flugzeuge, die auf dem Weltmarkt präsent sind. Mit ihrer eigenen Philosophie und den Eigenheiten, die jeder Flugzeughersteller hat. Der Vorteil an der 737-Flotte (Ausser MAX) ist die Einfachheit des Gesamtsystems. Da ist Airbus deutlich komplexer.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Der Rückbauer 29.07.2020 17:43
    Highlight Highlight Soviel hochwertiges eingeschmolzenes Metall eröffnet die Perspektive für eine bessere Zukunft.
    Jetzt warte ich, bis die Air Force 1 an der Reihe ist, mit Inhalt.
  • Hans Jürg 29.07.2020 17:15
    Highlight Highlight Wer weiss, wenn das bei Boeing so weitergeht, wird in ein paar Jahren über den ehemaligen Flugzeugbauer Boeing geschrieben.
  • MartinZH 29.07.2020 16:35
    Highlight Highlight Die Dinosaurier sind auch einmal ausgestorben. Manche trauern dem vielleicht noch immer nach, aber – ganz ehrlich –, die Dinos würden auch nicht mehr in unsere heutige Zeit passen...

    Disruptive Ereignisse wirken im Moment zwar oft verstörrend, und es geht ja auch oft um eine Menge Arbeitsplätze. Aber auf mittel- und langfristige Sicht können sich neue Innovationen und Potenziale entwickeln, die sonst vielleicht gar nicht möglich wären – oder zumindest nicht so schnell und radikal umgesetzt werden.

    Boeing wird nicht das einzige Unternehmen sein, das sich in diesen Zeiten "neu erfinden" muss.
    • -thomi- 29.07.2020 21:00
      Highlight Highlight Was bitte schön ist daran jetzt disruptiv?
    • MartinZH 29.07.2020 21:22
      Highlight Highlight @thomi: In Anbetracht der Firma Boeing mit Produkten wie der 747, die bereits über 50 Jahre alt sind, ist eine solche Frage Ihrerseits äusserst merkwürdig und befremdlich...

      Kennen Sie den Begriff "Disruption" überhaupt? Wenn ja, dann erübrigt sich Ihre Frage hoffentlich. Wenn nein, können Sie sich gerne kundig machen.

      Die Wirtschafts-Geschichte kennt viele solche Beispiele, wenn die Gesellschaft in eine neue Ära vorstösst. Dies passiert oft nicht 'freiwillig' ("systembedingt"), sondern aufgrund von exogenen Faktoren.

      Wäre gut, wenn Sie jetzt nicht mit Heinz-Tomato-Ketchup kommen würden.
    • MartinZH 29.07.2020 21:45
      Highlight Highlight @thomi: Sie können bei Ihrer Recherche auch einfach nach "schöpferischer Zerstörung" suchen. Oder googeln Sie nach "disruptive innovation". Es wird Ihnen, früher oder später, sicher ein Licht aufgehen... 💡😉👍
    Weitere Antworten anzeigen
  • Fiction42 29.07.2020 16:15
    Highlight Highlight Sehr schade...da geht ein Stück Aviatikgeschichte zu Ende. War immer sehr fasziniert von diesem gigantischen Flugzeug!
    • MartinZH 29.07.2020 23:08
      Highlight Highlight @Fiction42: Ja wirklich schade, dass mit der 747 ein Stück Aviatikgeschichte zu Ende geht. 😔

      Ich mag mich noch gut erinnern: Als Bub hatte ich in meinem Kinderzimmer ein Riesenplakat von der Swissair an der Wand: Ganz zuoberst der "Jumbo", die Boeing 747. 🙄

      Nun ja. Irgendwann geht jede Ära zu Ende. Es ist immer schön, wenn der richtige Zeitpunkt nicht verpasst wird: Besser "im Zenit" abtreten, als wenn es zu spät ist. Und ich denke, der "richtige" Zeitpunkt wurde bereits verpasst...

      Die letzte 747 wird noch 20 Jahre lang fliegen. So hast Du also gute Chancen, die 747 weiter zu erleben. 😉
  • Miikee 29.07.2020 15:57
    Highlight Highlight Ganz ehrlich, bei der 737 Max steig ich die ersten 2 Jahre erstmals nicht ein.
    Das Vertrauen ist da definitiv weg und wenn man einige Berichte liest kommt das auch so schnell nicht mehr wieder. Keine Ahnung wie sie diesen Image Schaden retten wollen, es braucht sehr viel mehr Transparenz.
    • Knety 29.07.2020 16:13
      Highlight Highlight Jetzt wo sie nur noch 3 Stück pro Monat produzieren, steigt vielleicht auch die Qualität ein Stück weit.
    • chrimark 29.07.2020 19:13
      Highlight Highlight Da können sie noch so lange an der Software rumprogrammieren, physikalisch bleibt das ein Schrottflieger. Nein Danke.
    • Miikee 29.07.2020 19:50
      Highlight Highlight @Knety
      Ja man sollte es Meinen aber es kommt immer wieder was neues zum Vorschein. Und solche Sachen wie das hier geht einfach nicht, egal ob schnell oder langsam gebaut wird.

      https://www.google.com/amp/s/www.bbc.com/news/amp/business-51499777

Interview

Schweizer in Kalifornien: «Wir haben seit vier Tagen das Haus nicht mehr verlassen.»

Wie geht es euch?Leanne und Thierry Oggier [lachen]: Es könnte besser gehen. Wir haben seit vier Tagen das Haus nicht mehr verlassen.

Aber ihr seid durch die Feuer nicht direkt bedroht?Nicht mehr. Das Feuer, das uns am nächsten kam, ist mittlerweile gelöscht. Am schlimmsten war es vor zwei Wochen. Da wüteten 15 Autofahrminuten westlich und östlich zwei der schlimmsten Waldbrände der kalifornischen Geschichte. Die Evakuationsgrenze kam uns immer näher und die Bewohner der Nachbarstadt …

Artikel lesen
Link zum Artikel