Syrien
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Um die bekannteste Figur im syrischen Militär hat sich ein Personenkult entwickelt: Brigadegeneral Suheil al-Hassan. Bild: screenshot twitter

«Des Teufels General» – syrischer Kommandant Suhail al-Hassan wird sogar Assad zu populär

Anhänger des syrischen Regimes verehren ihn, Oppositionelle fürchten ihn: Suhail al-Hassan, Kampfname Tiger, leitet die rücksichtslose Schlacht um Ost-Ghuta. Kann ausgerechnet er Baschar al-Assad gefährlich werden?

22.02.18, 23:52 23.02.18, 07:33

Christoph Sydow



Ein Artikel von

Der Kriegsverbrecher hat eine Vorliebe für Poesie: Fast immer, wenn Suhail al-Hassan an der Front vor seine Kämpfer tritt, spricht er eine Art Kriegsgedicht. So auch am Wochenende, als er seine Männer auf die Schlacht um Ost-Ghuta einschwor.

«Ich verspreche, dass ich ihnen eine Lektion erteilen werde, im Kampf und im Feuer», sagte Hassan in einer Rede vor seinen Soldaten an die Menschen in dem Rebellengebiet gerichtet. «Ihr werdet keinen Retter finden. Und falls doch, werdet ihr gerettet wie Öl mit Wasser gelöscht wird. Ihr werdet mit Blut gerettet», kündigte Hassan vor feixenden Kämpfern an. Unterstützer des Regimes haben ein Video der Szene in den sozialen Netzwerken und Medien verbreitet.

Der Endvierziger ist die bekannteste Figur im syrischen Militär. Bei den Regimegegnern ist er wegen seiner rücksichtslosen Kriegstaktik verhasst und gefürchtet. Die Anhänger des Regimes hingegen feiern Hassan als Bezwinger des Terrorismus. In den vergangenen Jahren hat sich ein regelrechter Personenkult um den Mann mit dem Kampfnamen Nimr - Tiger - entwickelt.

Hassan wurde um das Jahr 1970 im Küstenort Dschabla am Mittelmeer geboren. Hassan ist Alawit, genau wie die Familie von Baschar al-Assad. Qardaha, der Heimatort der Präsidentenfamilie liegt nur wenige Kilometer entfernt, ebenso Hmeimim. Dort unterhält die russische Armee seit Ende 2015 ihren wichtigsten Luftwaffenstützpunkt in Syrien.

Putin lobte Hassan

In den Neunzigerjahren machte Hassan Karriere in der syrischen Luftwaffe. Mit Beginn des Aufstands gegen das Regime 2011 wurde er zu den Spezialkräften der syrischen Armee versetzt. Nachdem er sich bei der Niederschlagung der Revolte in der Küstenstadt Latakia bewährte, übertrug ihm das Regime im Herbst 2013 das Kommando über eine eigene Spezialeinheit, die Quwat al-Nimr, die Tiger-Kräfte. Die Beförderung sollen Diktator Baschar al-Assad und sein Bruder Maher, der Kommandeur der Präsidentengarde ist, veranlasst haben. Inzwischen ist Hassan Brigadegeneral.

«Ihr werdet keinen Retter finden»: Suheil al-Hassan. Bild: screenshot twitter

Hassan und seine Tiger-Kräfte stehen im Ruf, seit Beginn des Syrienkriegs noch keine einzige Schlacht verloren zu haben. Die Einheit war unter anderem an der Schlacht um Aleppo beteiligt, besiegte die dschihadistische Nusra-Front in der Provinz Hama und eroberte das Gasfeld Schaar von der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) zurück.

Hassan geht in seinen Gefechten äusserst rücksichtslos vor. Bevor er Bodentruppen in die Schlacht schickt, lässt er das feindliche Gebiet aus der Luft bombardieren und mit Artillerie beschiessen. Erst wenn das Feindgebiet in Trümmern liegt, erteilt er den Befehl zum Häuserkampf. So war es in Aleppo, so kommt es nun in Ost-Ghuta.

Seit Beginn ihrer Militäroperation in Syrien im September 2015 arbeitet die russische Armee Hand in Hand mit Hassan. Moskaus Luftwaffe hat den Tiger-Kräften vielerorts den Weg freigebombt. Im Gegenzug hat Russland ihm mehrere Orden und Auszeichnungen verliehen. Zuletzt überreichte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu im August 2017 ein Schwert als Dank für seine Kampfeinsätze.

Als Wladimir Putin im Dezember die Luftwaffenbasis Hmeimim besuchte, sass ihm Hassan gegenüber. Der russische Staatschef sprach ihn direkt an: «Präsident Assad und meine russischen Kollegen haben mir gesagt, dass Ihre Kräfte mutig sind und effektiv kämpfen», sagte der russische Präsident. Hassan tippte sich ans Herz und bedankte sich artig.

Kann er Assad gefährlich werden?

Nicht nur deshalb blühen die Spekulationen, dass Putin den Brigadegeneral als Assads möglichen Nachfolger aufbauen will - für den Fall, dass er den Diktator im Rahmen eines Syrien-Kompromisses fallen lassen muss. Die meisten Anhänger des Regimes könnten mit dieser Art eines Machtwechsels wohl durchaus leben. Sie verehren Hassan auf Plakaten und in Liedern wie einen Popstar - fast ähnlich wie Assad. Vor allem junge Männer posieren gern mit ihm.

Doch genau das könnte für Hassan selbst über kurz oder lang gefährlich werden: Syrische Oppositionelle berichteten schon vor Jahren, dass der Chef des Militärgeheimdienstes in der Provinz Hama im Oktober 2014 einen Attentatsplan gegen Hassan geschmiedet haben soll. Der Geheimdienstmann wurde daraufhin gefeuert.

Und dann war da noch Issam Zahreddine: Der Generalmajor der Republikanischen Garden war ähnlich wie Hassan im Bürgerkrieg zu einem der mächtigsten Militärs in Syrien aufgestiegen, den Anhänger des Regimes nahezu vergötterten. Für Aufsehen sorgte er im September 2017, als er geflüchtete Syrer als Verräter bezeichnete und sie vor der Rückkehr in ihre Heimat warnte. «Selbst wenn der Staat euch vergibt, wir werden niemals vergessen und verzeihen», drohte Zahreddine vor laufender Kamera im Staatsfernsehen. Auch wenn er sich bald darauf entschuldigte - mit diesem Satz hatte er sich gegen Assad gestellt, der immer von einer «nationalen Versöhnung» spricht.

Keine sechs Wochen später kam Zahreddine unter mysteriösen Umständen ums Leben. Angeblich soll sein Fahrzeug auf eine Landmine des IS gefahren und der General so getötet worden sein. Der IS hat sich jedoch nie zu der Tat bekannt. Auch deshalb halten sich hartnäckig Gerüchte, Assad habe einen potenziellen Rivalen aus dem Weg geräumt.

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sunking_Randy_XIV. 23.02.2018 22:28
    Highlight Tolle Quellen für die Behauptung im Titel, Hassan werde Assad zu populär.
    "blühende Spekulationen", dass Putin Hassan als Nachfolger aufbauen will.
    "Bericht von syrischen Oppositionellen" über ein Komplott eines syrischen Geheimdienstmannes.
    "Hartnäckige Gerüchte", dass Assad Zahreddine hat umbringen lassen.
    Ach, eigentlich sagt der Artikel damit alles, was man wissen muss; das Ganze ist pure Spekulation und dazu noch einigermassen dürftig.
    13 1 Melden
    • Focke 24.02.2018 00:07
      Highlight absolut, liest sich aber besser😁
      2 0 Melden
    • blaubar 24.02.2018 00:54
      Highlight Der Artikel von Sydow, der übrigens Islamwissenschaften studiert hatte und Vollbart trägt (Zufall?), zeigt in erster Linie ein riesiges unscharfes Bild mit einem unsympatisch gefährlich dreinschauenden Soldaten, dazu der Titel: „des Teufels General“. Zuunterst dann noch 13 Kinderbilder. Das sagt alles über die Beweggründe des Artikels.
      5 1 Melden
  • CASSIO 23.02.2018 06:13
    Highlight diese logik verstehe ich nicht: "Moskaus Luftwaffe hat den Tiger-Kräften vielerorts den Weg freigebombt. Im Gegenzug hat Russland ihm mehrere Orden und Auszeichnungen verliehen."
    54 2 Melden
    • Yakari 23.02.2018 09:11
      Highlight Da bin ich froh bin ich nicht der Einzige. Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass ich wohl noch zu müde bin um Zusammenhänge zu erkennen. 😴
      30 1 Melden
  • Oberon 23.02.2018 03:19
    Highlight Leider schauen alle nur zu und fragen sich danach.

    "Wie konnte das nur passieren" ...
    5 26 Melden
  • Posersalami 23.02.2018 02:49
    Highlight „Hassan geht in seinen Gefechten äusserst rücksichtslos vor.“

    Also so wie damals, als „die Guten“ Mossul und Raqqa Meter für Meter in Schutt und Asche gebombt haben? Wo waren sie da Herr Sydow? Haben selbst weggesehen oder haben ihre transatlantischen Befehlshaber ihnen das Wegsehen befohlen?

    84 17 Melden
    • IchSageNichts 23.02.2018 19:51
      Highlight Peinlich: ich nicht aber er auch....
      Willst du Mosul mit Aleppo vergleichen???
      6 9 Melden

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