Coronavirus
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Urlaub, unbezahlt oder Kündigung: Was droht Mitarbeitern, die in Risikoländer reisen?

Die arbeitsrechtlichen Folgen für Personen, die trotz Corona in Risikoländer reisen, sind unklar. Der Aargau hat dazu keine eigenen Regelungen erlassen, er folgt dem Bund. Theoretisch könnte eine Reise in ein Risikoland auch in einer Kündigung enden.

Raphael Karpf und Mireille Fluri / ch media



epa07806482 A woman checks her flight on a screen at El Prat airport in Barcelona, Spain, during the second day of strike held by Iberia's ground staff workers, 31 August 2019. According to the airline only 20 percent of their workers are following the strike that is being held in Madrid and Barcelona airports.  EPA/Toni Albir

Wo soll's den hingehen? Bild: EPA

Angestellte Tausende Serben, Kosovarinnen oder Mazedonier leben im Aargau. Dazu kommen Secondos und Personen, die sich mittlerweile haben einbürgern lassen. Viele von ihnen fahren über den Sommer jeweils in die Heimat, um ihre Verwandten zu besuchen.

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Wie viele genau, lässt sich nicht sagen. Aber es sind genug, dass sich mehrere Aargauer Branchenverbände Gedanken dazu gemacht haben, wie sie mit der zehntägigen Quarantänepflicht für Rückreisende aus diesen Ländern umgehen sollen. Denn gesetzlich ist die Lage nicht ganz klar: In welchen Fällen muss einem Angestellten während seiner Quarantäne der Lohn ausbezahlt werden? Und darf jemandem, der in ein Risikoland reist, gekündigt werden?

Keine Lohnfortzahlungen in dieser Zeit, ausser ...

Der Aargau hat dazu keine eigenen Regelungen erlassen, er folgt dem Bund, schreibt Samuel Helbling vom Departement für Volkswirtschaft und Inneres. Ob jemand in einer solchen Quarantäne Anrecht auf Lohn hat, hänge davon ab, ob er zum Zeitpunkt seiner Abreise von der Quarantänepflicht wusste. «Wenn jemand nach dem 6. Juli 2020 in ein Risikogebiet abreist, besteht während der Quarantäne kein Anspruch auf Erwerbsentschädigung», so Helbling.

Ist der Arbeitnehmer aber vor dem 6. Juli abgereist oder reist er aus triftigen Gründen (etwa für den Besuch eines sterbenden Angehörigen), so kann er eine Erwerbsentschädigung beantragen. Die Ausgleichskasse entscheidet dann von Fall zu Fall. Dasselbe gilt für Angestellte, die während der Quarantäne im Homeoffice arbeiten können.

Am stärksten dürfte es die Baubranche treffen

In den verschiedenen Branchen hält man sich denn auch mehrheitlich an diese Vorgaben. Wobei die einzelnen Branchen ganz unterschiedlich betroffen sind. Am stärksten dürfte es die Baubranche treffen. So stammen etwa bei der Ernst Frey AG, einem Bauunternehmen mit 330 Mitarbeitern aus Kaiseraugst, über 35 Personen aus einem der Risikoländer. «Wir haben alle Mitarbeiter über die neue Ausgangslage informiert und appellieren an ihre Vernunft», sagt Personalleiterin Nicole Zimmermann.

Wer dennoch in ein Risikoland in die Ferien reist und anschliessend in Quarantäne muss, muss für diese Zeit unbezahlten Urlaub nehmen. Ähnlich handhaben es die Erne AG, ein Bauunternehmen aus Laufenburg, und die Implenia AG, das grösste Schweizer Bauunternehmen. Nebst der Baubranche ist auch die Gastrobranche betroffen. Auch dort gilt: Die Mitarbeiter werden informiert, wer dennoch in ein Risikoland verreist, muss für die Quarantäne Ferien oder unbezahlten Urlaub nehmen. Gleiches gilt übrigens auch für Angestellte des Kantons, falls diese nicht im Homeoffice arbeiten können.

Reise in ein Risikoland könnte ein Kündigungsgrund sein

Theoretisch könnte eine Reise in ein Risikoland auch in einer Kündigung enden. Sämtliche angefragten Unternehmen betonen jedoch, dass sie diesen Schritt nicht in Betracht ziehen. Beat Berchtold, Direktor der Aargauer Industrie- und Handelskammer, schreibt dazu: «Gerade wenn ein Mitarbeiter trotz entsprechender Warnung und ohne sachlichen Grund (etwa die Beerdigung von Verwandten) in ein Risikoland reist und er in der Folge zehn Tage in Quarantäne muss, kann dies unter Umständen eine Kündigung rechtfertigen, da die Arbeitsverhinderung verschuldet ist.»

Berchtold betont aber auch, dass Arbeitgeber in einem solchen Fall besser Nachsicht walten lassen würden und es bei einer Verwarnung belassen sollten. Solange es keine Gerichtsurteile zu solchen Fällen gibt, lässt sich die Frage rechtlich nicht abschliessend beantworten. (aargauerzeitung.ch)

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Malkollektivdurchatmen 16.07.2020 11:06
    Highlight Highlight In Spreitenbach wird dieses Thema unter meinen Nachbarn gerade sehr kontrovers diskutiert. Gerade die Ausnahmeregel Beerdigungen (wo sich Menschen weinend in den Armen liegen) wird als Virenschleuder betrachtet. Viele mussten eine Einverständnisregel unterzeichnen, dass sie im Quarantänefall keinen Lohn erhalten. Heikel, wenn man quasi den Mitarbeiter unter Generalverdacht stellt und ihm im Vorfeld jegliche Vernunft abspricht...🤔
  • KnolleBolle 16.07.2020 09:36
    Highlight Highlight Wenn ich angesteckt werde, oder jemand meiner Familie und ich weiss dass er/sie aus xy kommt und nicht in Karantäne war setzt es eine Strafanzeige ab, denn mit so was ertrage ich keinen Spassfaktor !
  • Frausowieso 16.07.2020 09:31
    Highlight Highlight In der Schweiz besteht allerdings auch die Kündigungsfreiheit. So lange keine Unzeit vorliegt (Krankheit, Schwangerschaft, Militär etc), darf ein Arbeitgeber seinen Mitarbeiter ,ohne Angaben von Gründen, fristgereicht kündigen.
  • 6030ebikon 16.07.2020 09:20
    Highlight Highlight Bei uns ist es so geregelt, dass man nach dem Aufenthalt in einem Risikoland in Quarantäne muss und dafür unbezahlten Urlaub oder Ferien beziehen muss, aber sicher nicht die Kündigung erhält...
  • ChillDaHood 16.07.2020 08:55
    Highlight Highlight Bei uns klar:
    Es wird stark empfohlen, nicht in Risikoländer zu reisen.
    Wer trotzdem geht, muss die Quarantäne zu seinem Urlaub hinzuzählen und selber mit Ferientagen (notfalls unbezahlt) stemmen. Das müsste wie alle Ferien vorgängig besprochen sein.
    Wer einfach nicht auftaucht, weil er jetzt (quarantänebedingt) immer noch Ferien braucht und dies vorgängig wusste, riskiert eine Kündigung. Gute Mitarbeiter kündigt man aber im Normalfall nicht deswegen, wenn man aber grad froh um einen Grund ist...
    Wer zu verheimlichen versucht und die Firma in Quarantäne bringt, fristlos!
  • Meinung 16.07.2020 08:30
    Highlight Highlight Es scheint das Motto, No Risk No Fun gewinnt.
    Welch ein Hohn für alle die sich an die Regeln halten!
    Die Zahlen werden uns leider aufzeigen, was richtig oder falsch war.
  • SchnippDippDapp 16.07.2020 08:04
    Highlight Highlight Wer also wissentlich in ein Risikoland reist wird versuchen, seinen Aufenthalt zu verbergen. So werden wir kaum sinkenden Fallzahlen haben im August/September.
    • Butch Cassidy & Sundance Kid 16.07.2020 08:45
      Highlight Highlight Oder die Person schaltet ihr Hirn ein un lässt es einfach sein mit dem verreisen?
    • Thorium 16.07.2020 10:12
      Highlight Highlight Das ist ein nicht zu unterschätzender Gedanke. So wie im Moment getestet wird, bzw. eben nicht getestet wird, frage ich mich wie wir das überhaupt in den Griff bekommen wollen.
    • SchnippDippDapp 16.07.2020 18:53
      Highlight Highlight @Butch, jemand der das vertuschen will hat sein Hirn nicht eingeschaltet. Ich hoffe die meisten schalten ihres ein.
  • katerli 16.07.2020 07:39
    Highlight Highlight Ich frage mich wie die Behörden prüfen wollen woher jemand anreist? Ich kann mir vorstellen, dass die meisten irgend ne Story vom Pferd erzählen werden, woher sie gerade kommen. Bulgarien, Griechenland, Kroatien, Österreich, Italien, usw. Ohne einen Stempel im Pass nicht nachvollziehbar. Nimmt mich wunder was der August/September uns Coronamässig bringen wird.
  • Mundos 16.07.2020 07:33
    Highlight Highlight In der Schweiz sind wir immer dem Arbeitnehmer ausgeliefert. Es ist nicht an dem Arbeitnehmer, Richter zu spielen. Die Regeln werden durch öffentliche Instanzen gemacht und nicht durch private.
  • Glatttaler 16.07.2020 07:20
    Highlight Highlight Wer in ein Risikoland reist, ist selber schuld...
  • Irene Adler 16.07.2020 07:15
    Highlight Highlight Kurz zusammengefasst: wer in ein Risikoland reist, wird gekündigt. Oder nicht.
    • Forrest Gump 16.07.2020 08:05
      Highlight Highlight Haben Sie den selben Artikel gelesen wie ich?

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