Katalanische Regionalregierung wird wohl am Samstag abgesetzt

28.10.17, 05:32

Die spanische Regierung will den Konflikt mit den Separatisten in Katalonien mit der Absetzung der gesamten Regionalregierung beenden. Separatisten feierten trotzdem in der Nacht auf Samstag die Unabhängigkeitserklärung. In Barcelona kam es zu Ausschreitungen.

Vor dem Regionalparlament in Barcelona versammelten sich nach Medienschätzung mehr als 15'000 Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung. Viele der Demonstranten waren auch in der Nacht zu Samstag auf den Strassen und feierten den Unabhängigkeitsbeschluss. Die Bekanntgabe der Zwangsmassnahmen durch die Zentralregierung in Madrid wurde dabei kaum zur Kenntnis genommen.

Bei einer Demonstration von ultrarechten antiseparatistischen Gruppen gegen den Unabhängigkeitsbeschluss beschädigten Teilnehmer zum Teil vermummt am späten Freitagabend Glastüren und Fenster des Radiosenders Catalunya Radio. Nach Berichten der Zeitung «El Diario» und anderer Medien wurden auch Passanten attackiert. Zwei Männer seien leicht verletzt in ein Spital gebracht worden.

Die linksgerichtete, aber nichtseparatistische Bürgermeisterin Ada Colau beklagte auf Twitter die Ausschreitungen. Sie schrieb, auch eine Schule sei angegriffen worden. «Totale Verurteilung der gewalttätigen Ultra-Demonstranten, die heute Abend Medien und eine Schule angegriffen haben.»

Ablehnung im Ausland

Knapp vier Wochen nach dem umstrittenen Votum der Katalanen für eine Abspaltung von Spanien hatte die Zentralregierung in Madrid die Separatisten in Barcelona entmachtet. Regierungschef Rajoy setzte am Freitagabend den Chef der Regionalregierung, Carles Puigdemont, ab. Die Massnahme wird wohl am Samstag nach der Veröffentlichung im Amtsblatt wirksam, teilte die Zentralregierung der Nachrichtenagentur dpa mit.

Für den 21. Dezember setzte Rajoy eine Neuwahl in Katalonien an. Das dortige Parlament hatte nur Stunden zuvor für die Loslösung der autonomen Region vom spanischen Staat gestimmt und damit den Konflikt mit der Zentralregierung eskalieren lassen.

Im Ausland stiess der Unabhängigkeitsresolution der Katalanen bislang auf Ablehnung. Nach den USA und der EU hat auch Mexiko erklärt, es werde die durch Katalonien ausgerufene Unabhängigkeit von Spanien nicht anerkennen. Ähnlich hatten sich unter anderem Deutschland und Frankreich geäussert. (sda/dpa/reu)

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