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Nach dem Ausbruch stieg über Tonga eine Aschewolke bis in 20 Kilometer Höhe.
Nach dem Ausbruch stieg über Tonga eine Aschewolke bis in 20 Kilometer Höhe. bild: twitter

«Die grösste Eruption seit dem Pinatubo 1991» – Schweizer Vulkanologen zu Tonga-Ausbruch

Die gewaltige Eruption des Unterwasservulkans in der Südsee schreckt auf. Kühlt sich nun das Klima ab? Und wie stark ist der Ausbruch wirklich? ETH-Experten klären auf.
18.01.2022, 19:5919.01.2022, 14:19

Eine dicke Ascheschicht überzieht das sonst so farbenfrohe Südsee-Archipel Tonga. Das ganze Ausmass der gewaltigen Eruption des Unterwasser-Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha’apai im Pazifik ist weiter unklar. Satellitenbilder der vergangenen Tage zeigen eine gigantische Aschewolke, die sich über die Region legt.

Mit Argusaugen beobachten die Schweizer ETH-Vulkanologen Olivier Bachmann und sein Kollege Razvan-Gabriel Popa die Entwicklung in Tonga. Inzwischen haben Aufklärungsflugzeuge erste Bilder und Daten von den verwüsteten Gebieten übermittelt. «Es ist meines Wissens nach die grösste Eruption seit dem Ausbruch des Pinatubo», sagt Popa zu watson. Auf dem Vulkanexplosivitätsindex (VEI) erreiche der Hunga-Tonga eine 4 oder 5.

Zum Vergleich: Die Stufe 4 erreichte 2010 der Ausbruch des Eyjafjallajökull in Island. Als Stufe-5-Eruption gilt etwa die Eruption des Vesuv, der 79 n. Chr. die Stadt Pompeji bei Neapel zerstörte. Oder der Ausbruch des Mount St.Helens im US-Bundesstaat Washington, als pyroklastische Ströme mit 400 km/h den Berg runter donnerten und 57 Menschen das Leben kosteten.

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Eruption mit Druckwelle, die sich um den Globus verbreitet hat (unten rechts).Bild: NOAA/NESDIS; CSU/CIRA

Die grössten Ausbrüche der letzten Jahrzehnte

Hunga Tonga (Tonga) 2022, Stufe 4–5

Bild: keystone

Eyjafjallajökull (Island) 2010, Stufe 4

2010 brach der Eyjafjallajökull in Island aus.
2010 brach der Eyjafjallajökull in Island aus. Bild: EPA/EPA FILE

Pinatubo (Philippinen) 1991, Stufe 6

Bild: keystone

Mount St.Helens (USA) 1980, Stufe 4

Bild: AP

Der heftigste Ausbruch der letzten Jahrzehnte ereignete sich 1991 auf den Philippinen, als der Pinatubo nach 550 Jahren Ruhezeit ausbrach und Stufe 6 erreichte. «Damals stieg die Aschewolke bis auf 35 Kilometer Höhe, in Tonga sind es 20 Kilometer», sagt Popa weiter. Gegen 900 Menschen kamen damals ums Leben.

Kühlt sich das Klima ab?

Die Auswirkungen dieser Eruption waren weltweit spürbar. Sie bewirkte eine grössere Freisetzung von Aerosolen in die Stratosphäre. So war ein globaler Temperaturabfall um 0,6 °C zu verzeichnen.

«Nach derzeitigem Wissensstand hat der Ausbruch in Tonga keine grösseren Auswirkungen auf das weltweite Klima», sagt Oliver Bachmann. Die vergleichbare Eruption des Mount St.Helens habe damals das Weltklima um 0,1 Grad abgekühlt. Es komme nun darauf an, wie die Eruption weitergehe, fügt Popa an.

Video: watson/een

Wie wirkt eine Unterwasserexplosion?

Beim Hunga-Tonga-Hunga-Ha’apai handelt es sich um einen Unterwasservulkan. Dies führt nicht etwa dazu, dass die Eruption oder der Ascheausstoss gedämpft wird. Im Gegenteil. «Wenn Magma in geringer Tiefe auf Wasser trifft, kann dies die Explosion verstärken und dazu führen, dass die Asche noch höher in die Atmosphäre steigt», führt Popa aus.

«Wenn Magma in geringer Tiefe auf Wasser trifft, kann dies die Explosion verstärken.»
Razvan-Gabriel Popa

Der Vulkan in der Südsee sei bereits seit einigen Wochen aktiv gewesen. Der Ausbruch sei also mit Vorwarnung erfolgt. Dies obschon der abgelegene Feuerschlund nicht so intensiv beobachtet wird wie andere Vulkane.

Einer der gefährlichsten Vulkane der Welt liegt in Europa, genauer gesagt in Süditalien am Golf von Neapel. Der Vesuv brach im Jahr 79 n. Chr. aus und zerstörte die Stadt Pompeji. Ist so eine Eruption ohne grosse Vorwarnung wieder möglich? «Der Vesuv braucht normalerweise mehrere Jahrhunderte bis Jahrtausende, um bis zu dem Punkt zu steigen, an dem er grosse explosive Eruptionen hervorruft, wie die im Jahr 79 n. Chr», sagt Bachmann dazu.

Zudem beobachten Wissenschaftlerinnen den Vesuv rund um die Uhr mittels unzähligen Instrumenten.

Mehrere Tote in Tonga geborgen

Tongas Regierung hat in einer ersten offiziellen Mitteilung seit der gewaltigen Eruption des Untersee-Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai im Pazifik mindestens drei Tote bestätigt. Es handele sich um zwei Tongaer und einen britischen Staatsbürger, teilten die Behörden am Dienstag mit. Die Kommunikationsverbindungen zu dem Inselreich waren seit dem Ausbruch am Samstag massiv eingeschränkt. Infolge der «beispiellosen Katastrophe» seien auch Verletzte gemeldet worden, hiess es weiter. Demnach entstand durch die Eruption eine vulkanische Aschewolke, die alle Inseln Tongas bedeckte. Ausserdem habe der Ausbruch bis zu 15 Meter hohe Tsunamiwellen verursacht. (sda)

So gross wäre die Tonga-Eruption in Europa

Video: watson
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12 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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c-bra
18.01.2022 20:13registriert April 2016
Ist so eine Eruption ohne grosse Vorwarnung wieder möglich? «Der Vesuv braucht normalerweise mehrere Jahrhunderte bis Jahrtausende, um bis zu dem Punkt zu steigen, an dem er grosse explosive Eruptionen hervorruft, wie die im Jahr 79 n. Chr», sagt Bachmann dazu.


Dann bin ich ja beruhigt.


Wait… 😳
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dega
18.01.2022 20:26registriert Mai 2021
Unglaublich mit welcher Wucht der explodiert ist. Ich hoffe es kann der Bevölkerung geholfen werden.

Danke für das Video am Schluss mit dem Grössenvergleich in Europa. Sehr eindrücklich. Es zeigt einmal mehr, dass wir der Natur ausgeliefert sind.
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