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Marlen Reusser sorgt für die sechste Schweizer Medaille in Tokio.
Marlen Reusser sorgt für die sechste Schweizer Medaille in Tokio.
Bild: keystone

Die Schweiz hat schon 6 Medaillen – was neben Reussers Zeitfahr-Silber in Tokio lief

Die Schweiz holt an den Olympischen Spielen in Tokio dank Silber von Zeitfahrerin Marlen Reusser bereits die sechste Medaille. Daneben sorgen Alex Wilson und ein deutscher Radtrainer für negative Schlagzeilen.
28.07.2021, 17:1028.07.2021, 17:17

Wenn Sekundenbruchteile enttäuschen

44,2 Kilometer und etwas mehr als 56 Minuten ist Stefan Küng im Zeitfahren der Männer unterwegs. Am Ende entscheiden mickrige 0,4 Sekunden gegen den Thurgauer. Statt der erhofften Medaille gibt es Platz 4. Leder. Er muss sich Sieger Primoz Roglic, dem zweitplatzierten Tom Dumoulin und dem Dritten Rohan Dennis geschlagen geben.

So bitter die Entscheidung auf dem Asphalt war, so erfrischend ehrlich und menschlich war Küngs Interview nach der Enttäuschung. «Meine Leistung war medaillenwürdig», sagte der 27-Jährige. «Ich konnte am Tag X meine Leistung abrufen, aber ich wusste schon vorher, dass ich dazu in der Lage bin. Man investiert im Vorfeld so viel, feilt am Material, versucht jeden Zehntel herauszuholen und dann fehlen im Ziel vier Zehntel … Aber es ist, wie es ist.» Er müsse dieses Rennen nun schnell abhaken, sonst könne er eine Woche lang nicht mehr schlafen.

Reussers Steigerung zu Silber

Besser lief es bereits früher am Tag Marlen Reusser. Die Bernerin, die ebenfalls mit Medaillenambitionen ins Zeitfahren gestartet war, wurde diesen auch gerecht. Sie steigerte sich im Lauf des Rennens sukzessive, fuhr mit 56 Sekunden Rückstand auf Siegerin Annemiek van Vleuten über die Ziellinie und holte sich Silber.

Die Medaille wollte die Rennfahrerin aber nicht für sich behalten, sondern ihrem Trainer geben: «Ich schenke sie Edi Telser. Diesen Mann muss man auszeichnen, ich gebe ihm meine Medaille», sagte Reusser direkt nach dem Rennen. Telser winkte allerdings ab: «Das nehme ich nicht an, und das kann man nicht annehmen.»

Doppelter Tennis-Halbfinal

Neben der Abteilung auf zwei Rädern befinden sich auch die Schweizer Tennisspielerinnen weiter im Hoch. Belinda Bencic und Viktorija Golubic schlagen im Doppel-Viertelfinal die Australierinnen Sam Stosur und Ellen Perez mit 6:4 und 6:4 und haben damit zwei Chancen, eine Medaille zu holen. Im Halbfinal treffen sie auf die überraschenden Brasilianerinnen Laura Pigossi und Luisa Stefani.

Zuvor hatte sich Belinda Bencic bereits in der Einzelkonkurrenz mit dem Halbfinaleinzug die Möglichkeit gesichert, zwei Mal um eine Medaille zu spielen. Die Ostschweizerin schlug die Russin Anastasia Pawljutschenkowa in drei Sätzen mit 6:0, 3:6 und 6:3. Doch wie Bencic im SRF-Interview scherzte: «Das Einzel ist die Pre-Show, das Doppel mit Viktorija ist das Hauptprogramm.»

Turn-Spektakel

Der Mehrkampf-Final der Männer bot erwartungsgemäss viel Spektakel. Zuvorderst lieferten sich der Japaner Daiki Hashimoto, der Chinese Xiao Ruoteng und der Russe Nikita Nagorni einen packenden Dreikampf. Das bessere Ende behielt Hashimoto für sich. Silber ging an Ruoteng und Bronze an Nagorni.

Auch die Schweizer haben einen überzeugenden Wettkampf gezeigt. Benjamin Gischard bestätigte seine starke Leistung aus der Qualifikation und blieb erneut ohne Fehl und Tadel. Rang 13 mit 82,732 Punkten ist für den 25-Jährigen aus Münchenbuchsee eine ausgezeichnete Leistung, galt er doch im Vorfeld der Spiele als nominell schwächster der vier Schweizer Mehrkämpfer.

Auch Eddy Yusof zeigte einen guten Wettkampf. Er vergab ein ähnliches Glanzresultat wie beim 12. Platz vor fünf Jahren in Rio mit einem Sturz zum Auftakt des Wettkampfes am Sprung, als er den Yeo nicht in den Stand brachte. Mit 81,732 Punkten, genau einem Zähler weniger als Gischard, belegte er Rang 16.

Doping-Skandal

Weniger erfreulich ist die Meldung, die am Mittwochmorgen die Runde machte: Alex Wilson reist nicht an die Olympischen Spiele. Der Grund: ein positiver Dopingtest von Mitte März. Bei ihm wurde eine geringe Menge Epitrenbolon (ein Metabolit von Trenbolon) gefunden. Wilson bestreitet, das Mittel eingenommen zu haben und schiebt die Schuld auf den Verzehr von Rindfleisch in den USA.

Mehr zum Fall Wilson:

Rassismus-Skandal

Während des Zeitfahrens der Männer tauchte ein Video eines deutschen Trainers auf, wie er seinen Fahrer Nikias Arndt mit rassistischen Bemerkungen anfeuert. «Hol die Kameltreiber! Hol die Kameltreiber, komm!», schreit der Betreuer und meinte damit die vor Arndt fahrenden Amanuel Ghebreigzabhier aus Eritrea und Azzedine Lagab aus Algerien. Zeitfahrer Arndt distanzierte sich nach dem Rennen sofort von den Aussagen des Nationaltrainers.

Kein deutsches Sommermärchen

Bereits vorbei sind die Olympischen Spiele in Tokio für Deutschlands Fussballer. Die Teilnahme stand aufgrund vieler Absagen von Beginn an unter einem schlechten Stern. Nach einem 1:1 gegen die Elfenbeinküste beendet die DFB-Elf die Gruppenphase auf Rang 3 – das reicht nicht zum Weiterkommen.

Auch Frankreich und Argentinien sind nach der Gruppenphase bereits draussen. Das führt zu folgenden, überraschenden Viertelfinals: Japan gegen Neuseeland, Spanien gegen die Elfenbeinküste, Südkorea gegen Mexiko und Brasilien gegen Ägypten.

Bild: keystone

Enttäuschung für Ruderer

Der Schweizer Doppelzweier mit Barnabé Delarze und Roman Röösli verpasst die angestrebte Olympia-Medaille. Im Final bleibt das Schweizer Duo chancenlos und klassiert sich abgeschlagen im 5. Rang.

Delarze/Röösli mussten im Final rasch erkennen, dass sich der Traum von Olympia-Gold nicht erfüllen würde. Das horrende Tempo des späteren Olympiasiegers aus Frankreich mit Hugo Boucheron/Matthieu Androdias und der Niederländer Melvin Twellaar/Stef Broenink konnten die Schweizer nicht mitgehen.

Schweizer Schwimmer souverän

Jérémy Desplanches, der einzige Schweizer Schwimmer, der in Tokio realistische Medaillenchancen hat, überzeugt im Vorlauf über 200 Meter lagen. Mit 1:56,89 und damit persönlicher Jahresbestzeit zieht der Westschweizer in den Halbfinal ein.

Auch Lisa Mamié (200 m Brust) und Roman Mityukov (200 m Rücken) schaffen es in die Halbfinals. Einzig Maria Ugolkova ist über 100 m Freistil ausgeschieden.

Jaquets bitterer Abschied

Sabrina Jaquet verliert im olympischen Badminton-Turnier auch ihr drittes Gruppenspiel. Die Neuenburgerin beendet damit auch ihre dritten Olympischen Spiele ohne Sieg und ohne Satzgewinn.

Die einzige Schweizer Vertreterin im Badminton unterlag in ihrem allerletzten Match der Karriere der Vietnamesin Thuy Linh Nguyen 8:21, 17:21. Jaquet beendete das Turnier in Tokio damit wie bei ihrer Olympia-Premiere 2012 in London und vor fünf Jahren in Rio de Janeiro sieglos als Letzte ihrer Gruppe. Als Siegerin der Vierergruppe zog Tai Tzu-Ying, die Weltnummer 1 aus Taiwan, souverän und ohne Satzverlust in die Viertelfinals ein.

Erste Street-Ball-Olympiasieger

Lettland und die USA holten sich die ersten Goldmedaillen im 3vs3-Basketball. Die Balten schlugen in der Männer-Konkurrenz im Final das russische olympische Komitee nach einer packenden Wende. Bei den Frauen setzten sich die Vereinigten Staaten im Final ebenfalls gegen die Russinnen durch. Die «Streetball-Variante» des Basketballs war in Tokio erstmals olympisch.

Lettland jubelt über Olympiagold.
Lettland jubelt über Olympiagold.
Bild: keystone

Djokovic weiter, Tsitsipas scheitert

Im olympischen Tennisturnier bleibt Novak Djokovic weiterhin ungefährdet. Die serbische Weltnummer 1 schlug im Achtelfinal den Spanier Alejandro Davidovich Fokina klar in zwei Sätzen mit 6:3 und 6:1. Ausgeschieden ist dagegen die griechische Weltnummer 4 Stefanos Tsitsipas, die dem Franzosen Ugo Humbert (ATP 28) mit 6:2, 6:7 und 2:6 unterlag.

Der Medaillenspiegel:

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Alle Schweizer Medaillen-Gewinner bei Olympia 2020 in Tokio

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Alle Schweizer Medaillen-Gewinner bei Olympia 2020 in Tokio
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