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Kommt es in Europa zu dieser Grenzverschiebung? Die Anzeichen verdichten sich

Gespräche zwischen Kosovo und Serbien seien in einer finalen Phase, sagte Präsident Hashim Thaci am Wochenende. Doch akzeptiert die EU die Pläne?



Es ist noch keine 20 Jahre her, da standen sich die beiden im Krieg gegenüber. Hashim Thaci als politischer Anführer der kosovarischen Befreiungsarmee UÇK und Aleksandar Vucic als Informationsminister unter dem serbischen Staatschef Slobodan Milosevic.

Heute sind sie Präsidenten der beiden Länder und stehen möglicherweise kurz vor einem historischen Deal, der unter anderem eine Grenzverschiebung beinhalten könnte.

Viel von einander halten tun sie auch heute nicht. Das machte Vucic am Samstag klar. «Thaci mag mich nicht und ich mag ihn sowieso überhaupt nicht», sagte der serbische Präsident über seinen Amtskollegen.

epa06932151 Serbian President Aleksandar Vucic talks during the press conference in Belgrade, Serbia, 07 August 2018. Vucic held a press conference answering questions on Serbia Kosovo relations, recent tensions, status of negotiations and general region stability.  EPA/ANDREJ CUKIC

Aleksandar Vucic über Hashim Thaci: «Ich mag ihn überhaupt nicht.»  Bild: EPA/EPA

Trotz der Animositäten arbeiten die beiden Staatschefs derzeit aber auf eine gemeinsame Lösung für die seit Jahren schwelenden Grenzstreitigkeiten hin. Dies bestätigten sowohl Thaci als auch Vucic am Wochenende beim European Forum Alpbach in Österreich, wo es zum gemeinsamen Treffen kam. 

Seit Wochen kursierten Gerüchte über eine allfällige Grenzverschiebung, doch am Samstag war das erste Mal, dass sich die beiden Präsidenten öffentlich dazu äusserten. 

«Der Kosovo ist entschlossen, eine verbindliche rechtliche Vereinbarung mit Serbien zu treffen. Die Zeit dafür ist jetzt gekommen», sagte Thaci. «Länder unserer Region, EU-Mitgliedstaaten oder andere Länder der Welt sollten sich einer möglichen friedlichen Einigung zwischen dem Kosovo und Serbien nicht widersetzen oder Angst haben, auch wenn eine solche Vereinbarung eine Grenzkorrektur beinhalten könnte.»

FILE - In this Wednesday Feb. 14, 2018 file photo, Kosovo President Hashim Thaci speaks during an interview with The Associated Press on  in Kosovo capital Pristina. The president of Kosovo has rejected the idea of dividing the country along ethnic lines to resolve a dispute over its independence from Serbia. But President Hashim Thaci told The Associated Press in an interview Wednesday Aug. 1, 2018, that he was open to discussing “a correction” of borders during difficult European Union-mediated peace negotiations. (AP Photo/Visar Kryeziu, File)

Hashim Thaci sprach am Wochenende öffentlich von einer «Grenzkorrektur». Bild: AP/AP

Details zur anvisierten Grenzverschiebung wollten die Staatspräsidenten nicht preisgeben. Die am meisten geäusserte Vermutung lautet aber, dass der nördliche Teil des Kosovos Serbien zugeteilt und das serbische Presevo-Tal Teil des Kosovos werden würde. In beiden Regionen leben heute viele serbische beziehungsweise albanische Minderheiten. 

Thaci brachte am Montag in einem Interview mit European Western Balkans neben Presevo auch die Ortschaften Medveda und Bujanovac ins Spiel. Deren Bewohner hätten bereits in einem Referendum im Jahr 1992 den Wunsch geäussert, Teil des Kosovos zu werden.

Kosovo Grenzverschiebung Infografik

So ungefähr könnte die geplante Grenzkorrektur aussehen. karte: watson

Merkel erteilte Plänen eine Abfuhr

Sowohl Thaci als auch Vucic äusserten jedoch Befürchtungen, dass ein solches Abkommen von der EU nicht akzeptiert würde. Erst vor zwei Wochen erteilte Angela Merkel derartigen Plänen eine klare Absage. «Die territoriale Integrität der Staaten des Westbalkans ist unantastbar», sagte die Kanzlerin. 

In Brüssel geht die Sorge um, dass auf eine Grenzkorrektur beim Kosovo weitere folgen könnten. Konkret geht es etwa um die «Republika Srpska» im Norden Bosniens, die den Anschluss an Serbien suchen könnte. Zudem betonen EU-Vertreter, dass der Grenz-Deal auch in der Region umstritten sei.

German Chancellor Angela Merkel addresses the media during a joint press conference after a meeting with the President of Angola, Joao Lourenco, at the chancellery in Berlin, Wednesday, Aug. 22, 2018. (AP Photo/Markus Schreiber)

Schloss Grenzkorrekturen kategorisch aus: Angela Merkel. Bild: AP/AP

Vucic wehrt sich jedoch gegen Einmischung von aussen. «Weshalb interessiert es sie, was wir tun?», fragte der serbische Präsident am Samstag. «Wir tun etwas für die Zukunft der Serben und Albaner. Wir kümmern uns um uns selber und schaden niemand anderem.» Er respektiere die territoriale Integrität Bosniens, versicherte Vucic.

Eine Lösung zwischen Serbien und Kosovo, so Vucic, sei jedoch nur dann möglich, wenn sie die Unterstützung der EU erhielten. 

Beide Länder würden gerne EU-Mitglied werden. Doch Brüssel hat deutlich gemacht, dass eine Aufnahme sowieso erst in Frage kommt, wenn die Grenzstreitigkeiten beigelegt würden. Für den Kosovo steht zudem die Aufnahme in die UNO auf dem Spiel. Bis heute haben 117 Staaten die Unabhängigkeit des jungen Staates anerkannt.

Solange keine Einigung mit Serbien vorliegt, wird Belgrads Alliierter Russland eine Aufnahme weiterhin blockieren.

EU-Kommissar signalisiert Gesprächsbereitschaft

Haben die Bemühungen Serbiens und Kosovos tatsächlich eine Chance, durchzukommen? Der zuständige EU-Kommissar Johannes Hahn liess am Wochenende durchblicken, dass die Positionen in Brüssel vielleicht doch nicht so verhärtet sind wie kürzlich von Merkel vorgetragen.

EU enlargement commissioner Johannes Hahn speaks during a meeting at the Albanian western port city of Durres, 33 kilometers (20 miles) from the capital Tirana, Monday, Aug. 27, 2018. Prime ministers of the Western Balkan countries have gathered at an informal meeting at the Albanian western port city of Durres to discuss regional issues. (AP Photo/Hektor Pustina)

Johannes Hahn: Der EU-Kommissar schliesst Grenzverschiebungen nicht grundsätzlich aus. Bild: AP/AP

Zwar äusserte Hahn Bedenken wegen eines möglichen Domino-Effekts. Aber er schloss Grenzverschiebungen grundsätzlich nicht aus. «Wir brauchen die Stabilität der gesamten Region», forderte Hahn, «und dafür braucht die internationale Gemeinschaft eure Zusicherung». Die Anstrengungen der beiden Parteien bezeichnete er als «historisch». 

Grenzverschiebungen gab es schon immer. Doch kennst du dich damit auch aus?

Quiz
1.Die Grenzen auf dieser Europakarte sind aktuell, nicht aber das rot gefärbte Gebiet. Welche Jahreszahl passt zu diesem Deutschland?
Karte Deutsches Kaiserreich
1246
1452
1648
1871
1937
2.Weiter geht's nach Frankreich, das hier dunkelblau gefärbt ist. Vasallenstaaten und Verbündete sind in Blautönen gehalten, feindliche Staaten in Rot. Wann war unser westlicher Nachbar so gross?
Karten: Historisches Länderquiz
756
1157
1515
1789
1812
3.Wir bleiben vorerst bei unseren Nachbarn. Das ist Italien – aber wann?
Italien 1865
1774
1823
1865
1912
1946
4.Das hier ist Mexiko. Die Frage ist: Wann sah der nordamerikanische Staat so aus?
Kaiserreich Mexiko 1821-1823
1822
1855
1892
1921
1938
5.Wir bleiben in der Region. Die USA waren im Gegensatz zu Mexiko früher kleiner als heute. Welches Jahr zeigt diese Karte?
Karten: Historisches Länderquiz
1776
1789
1812
1848
1865
6.Apropos Spanien: Hier sehen wir die Iberische Halbinsel. In welchem Jahr?
Karten: Historisches Länderquiz
1066
1221
1450
1532
1812
7.Das Römische Reich beherrschte während Jahrhunderten den Mittelmeerraum und angrenzende Gebiete. Wann hatte es die auf dieser Karte gezeigte Ausdehnung?
Das Römische Reich 40 v. Chr.
140 v.Chr.
40 v.Chr.
70 n.Chr.
117 n.Chr.
300 n.Chr.
8.Das Heilige Römische Reich existierte bis 1806. Hier sehen wir es (mit den aktuellen Staatsgrenzen im Hintergrund) zum Zeitpunkt seiner grössten Ausdehnung. Wann?
Karten: Historisches Länderquiz
860
992
1200
1415
1618
9.Hier sehen wir ein anderes Imperium, das Osmanische Reich, jedoch nicht zum Zeitpunkt seiner grössten Ausdehnung. Welches Jahr zählen wir?
Karten: Historisches Länderquiz
1451
1571
1683
1876
1923
10.Einer der Rivalen des Osmanischen Reiches war das Russische Zarenreich. Es entwickelte sich zu einem der grössten Territorialstaaten der Geschichte. Welches Jahr sehen wir hier?
Russisches Reich 1865
1551
1612
1797
1865
1917
11.Enorme territoriale Schwankungen erlebte Polen – zeitweise existierte gar kein polnischer Staat. Welches Jahr passt zu dieser Karte?
Polen 1618
1291
1618
1772
1815
1937
12.Das gelb gefärbte Gebiet in Asien ist China, wie man unschwer erkennt. Aber in welchem Jahr?
Asien 1815
1057
1533
1712
1820
1997
13.Zum Schluss kommen wir nach Hause: Die Schweiz darf hier selbstredend nicht fehlen. Welches Jahr zeigt diese Karte?
Karten: Historisches Länderquiz
1648
1712
1799
1815
1848

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