USA
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bolton: Trump hat «keine triftigen Gründe» für Truppenabzug aus Deutschland



Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, hat den geplanten Abzug von US-Truppen aus Deutschland kritisiert. Trump habe keine «triftigen Gründe» angeführt, warum er fast 12'000 Soldaten abziehen wolle, sagte Bolton der Deutschen Presse-Agentur anlässlich des Erscheinens seines Buchs «Der Raum, in dem alles geschah» in Deutschland am 14. August.

epa08493532 (FILE) - US National Security Advisor John Bolton speaks to media at the Palace of Independence in Minsk, Belaru, 29 August 2019 (reissued 18 June 2020). According to media reports, the US government wants to prevent publication of a book by former National Security advisor Bolton, arguing that national security was at risk.  EPA/TATYANA ZENKOVICH *** Local Caption *** 55457707

Volle Breitseite gegen Trump: John Bolton. Bild: keystone

Trump wolle die Soldaten wegen der geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands und des Handelsdefizits verlegen, daran habe er aufgrund seiner öffentlichen Äusserungen keinen Zweifel gelassen. «Es mag andere triftige Gründe für eine Verlegung geben. Das sind keine triftigen Gründe», sagte Bolton. «Er tut das, weil er denkt, dass Deutschland es verdient hat.»

Trump sei der Ansicht, dass die USA dafür bezahlt werden müssten, Soldaten in Deutschland stationiert zu haben. «Wir sind nicht dort, weil wir uns gegenüber Deutschland wohltätig fühlen oder hoffen, nebenbei ein bisschen Geld zu verdienen», sagte Bolton. «Wir sind aus tiefgreifenden historischen Gründen dort, weil wir glauben, dass es auch unser nationales Sicherheitsinteresse ist. Trump sieht das nicht so.» Dies gelte auch für Einsätze in Südkorea, Japan, Afghanistan oder im Irak.

Hoffen auf eine Abwahl Trumps

Bolton ist ein harter Konservativer, wie Trump Republikaner und eine umstrittene Figur. Er arbeitete für mehrere US-Präsidenten, unter anderem für George W. Bush. Zwischen April 2018 und September 2019 war er Nationaler Sicherheitsberater im Weissen Haus. Trump will ihn geschasst haben, Bolton gibt an, gekündigt zu haben. Mittlerweile hofft er darauf, dass Trump abgewählt wird.

Mit seinem Enthüllungsbuch hatte Bolton in USA für Furore gesorgt. Er zeichnet darin ein vernichtendes Bild eines Präsidenten, der «unberechenbar» ist und dem es in erster Linie um seine Wiederwahl geht. Das Weisse Haus hatte versucht, die Veröffentlichung zu verhindern.

«Ich denke, dass der Schaden, den Trump sowohl im Land als auch international angerichtet hat, schnell repariert werden kann, wenn er nur eine Amtszeit lang regiert», sagte Bolton. «Bei zwei Amtszeiten wäre der Schaden grösser und es wäre schwieriger, ihn zu reparieren.»

So drohe im Falle von Trumps Wiederwahl ein Auseinanderbrechen der Nato, warnte Bolton. «Ich glaube nicht, dass sich die Menschen in Europa dessen tatsächlich voll bewusst sind.» Trump sehe in dem Verteidigungsbündnis keinen Vorteil für Amerika. «Aus seiner Sicht handelt es sich mit einigen Ausnahmen um eine Gruppe von Leuten, die auf unfaire Weise davon profitiert haben, dass die Vereinigten Staaten sie verteidigen.» Bolton will verhindert haben, dass Trump beim Nato-Gipfel 2018 offen mit einem Austritt aus dem Bündnis drohte, wie er in seinem Buch schreibt.

Nach Boltons Einschätzung ist Trump sich auch nach mehr als drei Jahren nicht vollständig darüber bewusst, was es bedeute, Präsident der Vereinigten Staaten zu sein. «Die Schwere des Amtes, das Gewicht der Verantwortung, die Konsequenzen, die jede Handlung oder auch nur jedes Wort des Präsidenten nach sich zieht» habe auf Trump nicht denselben Effekt gehabt wie auf Präsidenten vor ihm, sagte Bolton.

Stattdessen regiere Trump das Weisse Haus wie er einst seine Firma geführt habe: Jeder Tag sei ein neuer Tag. Auf eine Frage im Interview antwortete Bolton unmissverständlich: «Hören Sie auf, Weltanschauung zu sagen! Er hat keine Weltanschauung.» Trump folge auch keiner Strategie.

epa08504045 Former National Security Advisor John Bolton's new book about the Trump White House 'The Room Where It Happened: A White House Memoir' on sale the first day of its release at a Barnes & Noble bookstore in Alexandria, Virginia, USA, 23 June 2020. In the book, which has generated much consternation at the White House, Bolton claims, among other things, that US President Donald J. Trump asked China for help to win the 2020 elections, and that he didn't know the United Kingdom is a nuclear power. A fedral court on 20 June turned down a request from the Trump administration to stop the book from being published.  EPA/JIM LO SCALZO

Geschrieben für einen Millionen-Vorschuss: «The Room Where It Happened». Bild: keystone

Für Angriffe Trumps auf Deutschland macht Bolton die wirtschaftliche Stärke der Bundesrepublik verantwortlich. «Aber ich glaube nicht, dass es irgendetwas mit Kanzlerin (Angela) Merkel zu tun hat», sagte Bolton. Trump habe durchaus ein Problem mit mächtigen Frauen, aber auch generell mit vielen Staats- und Regierungschefs demokratischer Staaten. Trump komme besser mit «autoritären» Staats- und Regierungschefs aus. Neben Russlands Präsident Wladimir Putin nannte Bolton als Beispiel den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Keine Selbstkritik

Im Zuge der Veröffentlichung seines Buches, das in Deutschland beim Verlag Das Neue Berlin erscheinen wird, hat Bolton sich in zahlreichen US- und internationalen Medien ausführlich zu Trump geäussert. Selbstkritik liess er im Gespräch mit dpa nicht erkennen.

Auf die Frage, ob seine harte Linie gegen den Iran gescheitert sei, sagte er: Er sei noch immer überzeugt, dass das «einzige wirkliche politische Ziel» der USA angesichts Irans Interesse an Atomwaffen sein könne, das «Regime» in Teheran zu stürzen. Zu beanstanden sei, dass Trump dies nicht zu Ende geführt habe. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Trump und Bolton - eine Feindschaft in Bildern

John Boltons Notiz sorgt für Spekulationen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • cool zurich boy 07.08.2020 10:12
    Highlight Highlight Verstehe nicht, wie man einem solchen Ultra soviel Platz einräumen kann. Bolton, das ist Trump+Bellizismus. Der wird womöglich in 4 Jahren noch gewählt. Nach rechts ist in den USA alles möglich.
  • Chom 07.08.2020 08:52
    Highlight Highlight Wo ist das Problem? Die Zeiten als die USA als "Beschützer" gebraucht wurden sind längst vorbei. Die USA sollten ihre Truppen aus ganz Europa abziehen.
  • bokl 07.08.2020 07:58
    Highlight Highlight Was Bolton eigentlich meint ist: "Trump hat nicht so viel Geld im Rüstungs- und Ölsektor investiert wie ich!"
  • alessandro 07.08.2020 06:58
    Highlight Highlight Bolton ist mindestens genauso irr wie Trump. Einfach anders. Seine feuchten Träume sind Kriege für Öl in Iran und Venezuela. Ganz übler Typ, warum diesem so eine Plattform geboten wird weiss ich nicht.
    • Dirk Leinher 07.08.2020 07:29
      Highlight Highlight Er bekommt eine Plattform, weil er gegen Trump wettert. Anscheinend geht das Reservoir an seriösen Kritikern zur Neige, wenn man ausgemachten skrupelosen Kriegstreiber gegen jamanden in Stellung bringt, dem man Skrupellosigkeit und Kriegstreiberei vorwirft.
    • Vipermaschine 07.08.2020 08:26
      Highlight Highlight Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Derart skrupellose Gestalten sind selbst in der amerikanischen Politik nicht alltäglich.
    • rodolofo 07.08.2020 08:32
      Highlight Highlight Ich habe da eine Verschwörungstheorie:
      Bolten's Rechts-rechtsaussen-Opposition hat zum Zweck, Trump's Rechtsaussen-Regierung gemässigt und friedliebend erscheinen zu lassen.
      Insgeheim stecken Bolton und Trump unter einer gemeinsamen Decke, spielen uns aber ein Theater vor, mit Regierung und Pseudo-Opposition...
    Weitere Antworten anzeigen

«QAnon ist eine Ersatzreligion»: Warum so viele Schweizer an Verschwörungstheorien glauben

Seit dem Beginn der Coronakrise glauben massiv mehr Schweizer an Verschwörungstheorien. Jeder Zehnte neigt dazu, sagt Sektenexperte Georg Schmid.

Die Verschwörungsbewegung QAnon aus den USA breitet sich in der Schweiz aus. Ihre absurde Überzeugung: Ein Ring aus pädophilen Politikern und unbekannten Strippenziehern kontrolliere die Welt. US-Präsident Donald Trump ist ihr Held, der dagegen kämpft - zusammen mit einem angeblichen Geheimdienstler, der auf obskuren Websiten unter dem Namen «Q» Nachrichten hinterlässt. Sekten- und Religionsexperte Georg Schmid erklärt, was den Verschwörungsglauben so interessant macht.

Herr Schmid, wie kann es …

Artikel lesen
Link zum Artikel