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Ein Bettler in der Tiroler Hauptstadt Innsbruck.  Bild: PD/prosec

Sogar Behinderungen vorgetäuscht

Österreichische Rechtspopulisten setzen Privatdetektiv auf Bettler an

Für die rechtspopulistische FPÖ im Tirol ist es klar: «Die sogenannten Krüppel sind keine Krüppel.» Sie liess die Bettlerszene in Innsbruck systematisch beobachten und fordert, Bettlern kein Geld zu geben. Dieses Vorgehen wird indes massiv kritisiert.



Die rechtspopulistische FPÖ in der Tiroler Hauptstadt Innsbruck liess von Ende März bis Ende Mai die Bettlerszene von Privatdetektiven observieren. Ihr Ziel war es herauszufinden, ob die Szene gewerbsmässig organisiert wird und ob allfällige Behinderungen der Bettler vorgetäuscht werden, «um dadurch einen Vermögensvorteil zu erlangen».

Der Bericht, der watson vorliegt, deckt Brisantes auf. Der Privatdetektiv zählte systematisch alle Bettler, machte über 50 Fotografien und verfolgte sie, um deren Tagesablauf zu rekonstruieren. 

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Bild: PD/prosec

Gewerbsmässige Bettlerei nachgewiesen

Der Bericht kommt zum Schluss, dass in Innsbruck eine gewerbsmässige Bettlerszene existiert. Zu Spitzenzeiten waren bis zu 17 Bettler tätig. Sie bettelten in der Regel an fünf Standorten, wobei jeweils drei bis vier Bettler «mobil» in der Einkaufspassage mit Krücken unterwegs waren.

In einer Stunde sollen sie durchschnittlich 10 Euro (rund 12 Franken) erhalten haben. Der Privatdetektiv schreibt weiter, dass Bettler mit einer Behinderung einen «höheren ‹Gabenanteil›» erhielten. Er beobachtete zudem, dass sie täglich von 9 bis 18 Uhr durchgehend auf der Strasse sind. So soll ein Bettler bis zu 90 Euro (110 Franken) am Tag verdient haben

Weitere Beobachtungen zeigen, dass die Bettlerszene organisiert ist. Sieben Fahrzeuge konnten «eindeutig den Bettlerkolonnen zugeordnet werden». Diese holen die Bettler an einem zentralen Platz ab, versorgen sie mit Essen, holen regelmässig den Verdienst ab und sollen sie nach zu langen Pausen «wieder zum Arbeiten animieren».

Behinderungen vorgetäuscht

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Bettler mit Krücken. Bild: PD/prosec

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Derselbe Bettler beim Scooter-Fahren. Bild: PD/prosec

Aufgefallen ist, dass jene Bettler, die zuvor mit Krücken unterwegs waren, sich während den Mittagspausen ohne Einschränkungen bewegen konnten. Sie werden in Grossfahrzeugen jeweils zu einem Autobahnparkplatz gefahren, wo sie gemeinsam essen. Der Privatdetektiv beobachtete auch, dass einige Bettler ihre Schuhe wechselten. Für ihn ein Anzeichen dafür, dass die Schuhe schmerzen und sie die Bettler «in die verkrümmte Haltung ‹zwingen›».

Die Bettler mit Krücken hätten auch mit ihren Kindern gespielt. Kein einziger von ihnen habe ohne Krücken gehumpelt, alle hätten sich «absolut normal» bewegt.

FPÖ spricht von «Bettlermafia»

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Bettler am Abend beim gemeinsamen Bier. Bild: PD/prosec

«Es handelt sich um eine organisierte Struktur, die bisher verleugnet wurde. Die sogenannten Krüppel sind keine Krüppel. Sie müssen sogar Schuhe anziehen, die ihnen wehtun. Am Abend trinken sie dann fröhlich ein Bier», meinte FPÖ-Fraktionschef Ruedi Federpiel.

«Die sogenannten Krüppel sind keine Krüppel. Sie müssen sogar Schuhe anziehen, die ihnen wehtun. Am Abend trinken sie dann fröhlich ein Bier.»

Tiroler FPÖ-Fraktionschef Ruedi Federpiel Quelle: heute.at

An der Pressekonferenz rief Federpiel die Bevölkerung dazu auf, den Bettlern nichts zu geben. Für ihn stecken hinter den Bettlerbanden «mafiöse Strukturen». Er kritisiert derweil auch die Arbeit der Polizei: «Die Polizei ignoriert das im Grossen und Ganzen».

Tiroler Sozialdemokraten kritisieren Vorgehen massiv

Dass die FPÖ Bettler in Innsbruck von einem Detektiv überwachen lässt, stösst der Innsbrucker SPÖ-Präsidentin Schiessling sauer auf: «Ich bin absolut gegen ein derartiges Spitzelwesen, das ist menschenverachtend», stellt sie klar. «Bei der FPÖ herrscht offenbar ein Verfolgungswahn, der therapeutisch behandelt gehört», so Schiessling weiter. 

«Bei der FPÖ herrscht offenbar ein Verfolgungswahn, der therapeutisch behandelt gehört.»

Gabi Schiessling, Präsidentin der SPÖ Tirol

Der Fraktionspräsident der Tiroler Sozialdemokratien Gerhard Reheis fühlt sich an Stasi-Methoden erinnert. «Das ist ein ungehöriges Vorgehen. Ich frage mich, wen die FPÖ als nächstes überwachen lassen will: Obdachlose, NGOs oder politische Gegner? Das für den Detektiv ausgegebene Geld hätte die FPÖ besser an den Verein für Obdachlose gespendet, da wäre es weit sinnvoller eingesetzt gewesen», so Reheis. 

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