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Das Oltner Kult-Maskottchen Speedy.
Das Oltner Kult-Maskottchen Speedy.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Wo wäre Olten eigentlich mit zwei echten ausländischen Stars?

Nach einem spektakulären Auftakt zur Saison der Swiss League wollen wir nicht gleich polemisieren. Aber Oltens Heimniederlage gegen den Lokalrivalen Langenthal (3:4) provoziert halt doch eine polemische Frage.
16.09.2018, 14:2916.09.2018, 15:27

Olten rockt.

Das ist auch beim Saisonstart gegen Langenthal so. Die Oltner führen 2:0 und 3:1. Sie können im Schlussdrittel beim Stande von 3:3 während zwei Minuten in «doppelter Überzahl» den Siegestreffer anstreben – und am Ende verlieren sie 3:4. Obwohl sie das Spiel klar dominiert haben (35:24 Torschüsse).

In einem so schnell vorgetragenen Spektakel passieren Fehler. So wie das halt bei einem Spiel auf rutschiger Unterlage ist. Und es gibt mindestens zehn glaubwürdige Thesen, warum Olten diese Partie hätte gewinnen müssen.

Ich sollte mich also hüten, nach einem von mehr als 40 Spielen bereits zu polemisieren oder voreilig Schlüsse zu ziehen, die länger als einen Tag Gültigkeit haben.

Und doch provoziert gerade diese Partie eine Frage, die über den Tag, über die Woche, ja über mehrere Jahre hinaus Gültigkeit hat: Wo wäre Olten eigentlich mit zwei echten ausländischen Stars?

Der Amerikaner Cason Hohmann und der Kanadier Bryce Gervais hätten diese Partie eigentlich für Olten entscheiden müssen. Die Ausländer spielen in der Swiss League eine dominierende Rolle. Sie vollenden oft, was ihre eifrigen helvetischen Mitspieler offensiv erarbeiten, aber mangels Klasse nicht in Tore umzumünzen vermögen.

Die Highlights des ersten Derbys.Video: YouTube/MySports

Aber es blieb bei einem Assist für Hohmann. Die beiden ausländischen Stürmer verpassten die erste goldene Gelegenheit, sich in die Herzen der Oltner zu spielen. Vielleicht werden sie ja schon noch Publikumslieblinge. Zumal beim nächsten Heimspiel die Ticino Rockets, die ewigen letzten der Liga, zu Gast sein werden.

Und doch: Mit dieser bitteren Derby-Niederlage können wir Oltens langjähriges Problem erklären. Nicht mit einer Polemik. Da seien die Hockeygötter davor. Sondern mit staubtrockenen Fakten.

Hier eine Übersicht über die zwei in der Liga-Skorerliste in der Qualifikation am besten klassierten Ausländer der Oltner und der Langenthaler in den letzten neun Jahren. Selbst wenn sich ein Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen haben sollte, ändert dies nichts an der Aussagekraft.

2009/10:

  • Olten: 3. Brent Kelly, 5. Jeff Campbell.
  • Langenthal: 50. Eric Himelfarb, 62. Matt Murley.

2010/11:

  • Olten: 8. Marty Sertich, 19. Carsen Germyn.
  • Langenthal: 4. Brent Kelly, 9. Jeff Campbell.

2011/12:

  • Olten: 14. Marty Sertich, 43. Cory Pecker.
  • Langenthal: 1. Jeff Campbell, 2. Brent Kelly.

2012/13:

  • Olten: 10. Marty Sertich, 19. Colton Fretter.
  • Langenthal: 5. Brent Kelly, 13. Jeff Campbell.

2013/14:

  • Olten: 8. Shayne Wiebe, 19. Justin Feser.
  • Langenthal: 1. Jeff Campbell, 3. Brent Kelly.

2014/15:

  • Olten: 8. Justin Feser, 31. Shayne Wiebe.
  • Langenthal: 4. Brent Kelly, 5. Jeff Campbell.

2015/16:

  • Olten: Justin Feser, 24. Shayne Wiebe.
  • Langenthal: 3. Brent Kelly, 19. Jeff Campbell.

2016/17:

  • Olten: 11, Justin Fieser, 25. Curtis Gedig.
  • Langenthal: 5. Jeff Campbell, 6. Brent Kelly.

2017/18:

  • Olten: 56. Jay McClement, 59. Tim Stapleton.
  • Langenthal: 3. Brent Kelly, 36. Kim Karlsson.

Die Rolle der Ausländer

Die Oltner waren in diesen neun Jahren trotz offensichtlichen Schwierigkeiten mit den ausländischen Fachkräften praktisch konstant ein Spitzenteam. Was für die Substanz der helvetischen Spieler spricht. Aber die Meisterschaft in der zweithöchsten Liga haben sie in dieser Zeit nie gewonnen. Die Langenthaler aber zweimal (2012 und 2017). Und hätten sie gewollt, dann wären sie 2012 (in der Liga-Qualifikation gegen ein Ambri in sportlicher Auflösung) mit ziemlicher Sicherheit aufgestiegen. Und 2017 hätten sie wiederum gegen Ambri eine gute Chance gehabt. Aber die Langenthaler wollten und wollen weiterhin nicht nach oben.

Die Oltner wollten und wollen richtigerweise nach oben. Sie haben alle Voraussetzungen für die höchste Liga. Aber sie durften in den letzten neun Jahren gar nie in der Liga-Qualifikation um den Aufstieg spielen.

Bei diesem Scheitern auf hohem Niveau spielen die ausländischen Spieler eine Rolle. Ganz offensichtlich ist es den Langenthalern mit weniger Geld gelungen, mehr aus ihrem Potenzial zu machen. Weil sie seit Jahren das bessere ausländische Personal einsetzen können. Brisant ist dabei, dass sie den Oltnern im Frühjahr 2010 Brent Kelly und Jeff Campbell ausgespannt haben.

Kelly, Campbell und Co. am Jubeln.
Kelly, Campbell und Co. am Jubeln.Bild: KEYSTONE

Im nächsten Frühjahr müssen die Langenthaler nun Brent Kelly und Jeff Campbell (er ist zurzeit noch verletzt) ersetzen. Eine Behauptung wage ich und verwette meine ganze Pensionskasse: Diesmal werden die Langenthaler den Oltnern die beiden aktuellen Ausländer nicht ausspannen wie damals 2010.

Was auch für die These der fehlenden Klasse der Oltner Gastarbeiter spricht: Keiner der Nachfolger von Brent Kelly und Jeff Campbell hätte in den Schuhen von Roberto Lavoie, Greg Theberge, Mark Morrison, Ray Alison, Paul Gangé und Mike Richard, den Aufstiegsausländern von 1985, 1988 und 1993 stehen können. Die Ausländer spielen bei einem Aufstieg immer eine zentrale Rolle.

Auf die Idee, dass wir die jüngste Vergangenheit der Oltner auch mit dem ausländischen Personal erklären können, bin ich übrigens nach einem netten Gespräch mit Tino Catti über die guten alten Zeiten, über die goldenen Oltner Jahre und den ausländischen Stars von damals gekommen. Er war als Sportchef der Architekt der ruhmreichen 1980er Jahre mit dem ersten Aufstieg in die NLA. Inzwischen ist er mit 82 Jahren noch immer ein fachkundiger Besucher der Oltner Heimspiele.

Und auf die eingangs gestellte Frage («Wo wäre Olten eigentlich mit zwei echten ausländischen Stars?») erlaube ich mir eine Antwort: in der NLA.

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