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Führender Werbeblocker-Anbieter kritisiert Facebook



Facebook will künftig Werbeblocker technisch aushebeln. Ein weltweit führenden Anbieter solcher Software übt scharfe Kritik.

Wenn Facebook jetzt auch Nutzern von Werbeblockern Werbung aufzwingen wolle, sei dies «ein bedauernswerter Schritt, da hier gegen die Entscheidung der Nutzer gehandelt wird», erklärte Ben Williams, Sprecher des Kölner Unternehmens Eyeo. Eyeo bietet den populären Webeblocker Adblock Plus an.

«Katz-und-Maus-Spiel»

«Die Konsequenzen bleiben vorerst abzuwarten, schliesslich besteht das Katz-und-Maus-Spiel seitdem Spammails gelernt haben Spammail-Filter zu umgehen.» Das Aufzwingen von Werbung werde weder für die Nutzer noch für Publisher und Werber einen Mehrwert haben.

Facebook hatte angekündigt, Werbeblocker bei der Nutzung des Dienstes auf einem Desktop-Rechner oder Laptop zu umgehen. Gleichzeitig kritisierte Facebook die Praxis, dass die Betreiber von Blockern Geld dafür kassieren, dass sie bisher blockierte Werbeanzeigen zulassen.

Eyeo setzt nun bei der Abwehr der Facebook-Massnahme auf Verbündete. «Wir gehen davon aus, dass die Community eine Antwort finden wird.» Beim «Adblock Plus» pflegen nach Angaben von Eyeo Freiwillige die Liste der «akzeptablen Werbung», die nicht blockiert wird.

Bedrohung des Geschäftsmodells

Werbeeinnahmen sind für Facebook die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle. Sie brachten dem Unternehmen im zweiten Quartal 6.2 Milliarden Dollar ein, 62 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig hat sich in den letzten zweieinhalb Jahren die Zahl der eingesetzten Werbeblocker weltweit mehr als verdreifacht.

Das Aussperren von Onlinewerbung durch Apps wie «Adblock Plus» ist auch vielen Medienunternehmen ein Dorn im Auge, denn wenn alle einen Werbeblocker haben, zahlt der Werbekunde nicht mehr.

Auch Schweizer Medien unter Zugzwang

Wie viele Internetnutzer in der Schweiz einen Blocker verwenden, ist nicht bekannt. In Deutschland sind es rund ein Viertel. Im Rahmen einer Umfrage der Nachrichtenagentur sda im letzten Herbst hiess es von Seiten des Medienhauses Tamedia, Adblocker seien in der Schweiz weiterhin weniger verbreitet als in anderen Ländern. Das Bündner Medienhaus Somedia schätzte den Anteil der Leser mit Werbeblocker auf unter zehn Prozent.

Doch auch hierzulande scheinen die Programme beliebter zu werden: Die Leser würden in steigendem Ausmass Blocker installieren, hiess es von Seiten der NZZ. Und Ringier schrieb, Adblocking sei eine Herausforderung, die den Verlag künftig noch stärker beschäftigen werde.

In Deutschland sorgte im Oktober vergangenen Jahres der Axel-Springer-Verlag für Aufsehen. So wurden die redaktionellen Inhalte des Portals Bild.de für Nutzer mit Werbeblocker automatisch gesperrt. (sda/dpa)

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