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Der Tatort: Polizisten und Zeugen stehen vor dem Club Grey in Konstanz.
Der Tatort: Polizisten und Zeugen stehen vor dem Club Grey in Konstanz.
Bild: DPA

Familienstreit führte zu Drama in Konstanz: Schütze kam mit Sturmgewehr zurück

Der Auslöser für die Schiesserei in Konstanz in der Nacht auf Sonntag war ein Familienstreit: Der mutmassliche Täter feuerte mit einem Sturmgewehr vor der Diskothek seines Schwiegervaters – der Türsteher kam dabei ums Leben.
30.07.2017, 10:0830.07.2017, 19:19

Tragisches Ende einer Partynacht: Mit einem Sturmgewehr wie es US-Streitkräfte benutzen hat ein vorbestrafter Mann in einer Diskothek in Konstanz um sich geschossen. Ein Türsteher starb, vier Menschen wurden schwer verletzt, darunter ein Polizist.

Die Ermittler schliessen ein islamistisch motiviertes Verbrechen aus, wie Baden-Württembergs Innenstaatssekretär Martin Jäger sagte.
Die Ermittler schliessen ein islamistisch motiviertes Verbrechen aus, wie Baden-Württembergs Innenstaatssekretär Martin Jäger sagte.
Bild: EPA/EPA

Nach einem Schusswechsel mit der Polizei starb ausserdem der 34 Jahre alte Angreifer. Bei ihm handelt es sich um einen anerkannten Asylbewerber irakisch-kurdischer Herkunft, der als Kind 1991 nach Deutschland gekommen war. Das teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Johannes-Georg Roth am Sonntag in Konstanz mit.

Baden-Württembergs Innenstaatssekretär Martin Jäger betonte, es handle sich um kein islamistisch motiviertes Verbrechen. Im Gegenteil: Laut der Polizei seien die tödlichen Schüsse auf das persönliche Umfeld des Täters zurückzuführen. Sie spricht von einer Beziehungstat, beziehungsweise von einem Familienstreit, da der Besitzer der Disco der Schwiegervater des Täters war.

Die Staatsanwaltschaft berichtete, es habe Streit vor der Diskothek gegeben. Der 34-Jährige sei daraufhin nach Hause gefahren, habe die Kriegswaffe geholt und sei damit zu dem Club zurückgekehrt. Der Mann habe als Einzeltäter gehandelt.

Täter war der Polizei bekannt

Nach Angaben des Experten Andreas Stenger vom Landeskriminalamt nutzte der Mann eine US-Kriegswaffe vom Typ M16. Das Sturmgewehr sei die Standardwaffe der US-Streitkräfte. Woher der Mann die Waffe hatte, war zunächst unklar.

Der irakisch-kurdische Tatverdächtige wohnte den Angaben zufolge bereits seit über 15 Jahren im Landkreis Konstanz. Er sei aufgrund verschiedener Delikte bei der Polizei bekannt gewesen. Der Schütze war vorbestraft, er war der Polizei unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen Drogendelikten bekannt.

Der Täter schoss gegen 4.30 Uhr am Sonntagmorgen an dem in einem Konstanzer Industriegebiet gelegenen «Grey Club» um sich. Er war wohl nicht im Innern der Disco.

Zu den Schüssen kam es nach Angaben der Ermittler vor allem im Eingangsbereich des Clubs. Der 34-Jährige sei dann wenig später bei einem Schusswechsel mit Polizeibeamten lebensgefährlich verletzt worden. Er erlag in einem Spital seinen Verletzungen. Auch ein Polizist erlitt eine Schussverletzung. Er befand sich jedoch nicht in Lebensgefahr.

Experten der Spurensicherung waren auch Stunden später noch am Tatort und untersuchten den Club.
Experten der Spurensicherung waren auch Stunden später noch am Tatort und untersuchten den Club.
Bild: DPA

Ein Augenzeuge hatte der Nachrichtenagentur dpa erzählt, dass ein Täter wahllos auf die Gäste geschossen habe. «Die Diskothek war rammelvoll. Ich schätze, dass mehrere Hundert Menschen da waren», sagte er.

Sowohl der Zeuge als auch die Polizei hatten mitgeteilt, dass zahlreiche Gäste nach den Schüssen das Gebäude in Panik verlassen und sich verschanzt hätten. Nach Angaben der Stadt werden mehrere Gäste psychologisch betreut.

Die Polizei war gegen 4.30 Uhr alarmiert worden und war danach mit starken Kräften an Ort und Stelle, auch Spezialkräfte waren an dem Einsatz beteiligt.

Durch ein neues Einsatzkonzept der Polizei seien so bezeichnete Erstinterventionskräfte schnell dort gewesen, sagte Polizeipräsident Ekkehard Falk. Dadurch sei wohl verhindert worden, dass mehr Menschen zu Schaden kamen.

An der Disco seien nach Eingang der Notrufe rasch elf Einsatzwagen gewesen. Nach Angaben des Experten Andreas Stenger vom Landeskriminalamt nutzte der Mann eine US-Kriegswaffe vom Typ M16. Das Sturmgewehr sei die Standardwaffe der US-Streitkräfte. Woher der Mann die Waffe hatte, war zunächst unklar.

Die süddeutsche Stadt Konstanz (Bundesland Baden-Württemberg) liegt am Bodensee an der Grenze zur Schweiz; gerade am Wochenende halten sich auch viele Schweizer in der Stadt auf. Hinweise auf Schweizer Opfer gebe es keine, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Sonntag auf Nachfrage der Nachrichtenagentur sda mit.

(oli/sda/dpa/afp)

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Video: srf
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