Warum (schon ein bisschen) Grosszügigkeit glücklich macht

11.07.17, 17:00 11.07.17, 17:56

Grosszügige Menschen sind glücklicher als Egoisten. Zürcher Forschende haben aufgedeckt, welche Prozesse im Gehirn dabei eine Rolle spielen.

Warum sind wir anderen gegenüber grosszügig, wenn es doch meist auf unsere eigenen Kosten geht? Eine mögliche Erklärung steckt in der Verschaltung unseres Gehirns: Anderen Gutes tun macht glücklich, wie eine Studie der Universität Zürich unterstreicht.

«Man braucht nicht gleich aufopfernd selbstlos zu werden, um sich glücklicher zu fühlen.»

Philippe Tobler von der Uni Zürich

Als «warm glow» bezeichnen Verhaltensökonomen das wohlige Gefühl, nachdem man einer anderen Person gegenüber grosszügig war. Ein Forscherteam um Philippe Tobler und Ernst Fehr von der Uni Zürich ist mit internationalen Kollegen dem Zusammenhang zwischen Grosszügigkeit und Glücksgefühl auf den Grund gegangen.

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«Ich hasse geizige Menschen! S*******!»

Video: watson/Nico Franzoni, Emily Engkent

Ein bisschen Grosszügigkeit genügt

Die gute Nachricht: Es reicht schon, ein bisschen freigiebiger zu sein, um den «warm glow» zu erleben, wie die Hochschule am Dienstag mitteilte. «Man braucht nicht gleich aufopfernd selbstlos zu werden, um sich glücklicher zu fühlen», fasst Tobler die Ergebnisse der Studie zusammen, die im Fachblatt «Nature Communications» erscheint. Sogar die reine Absicht, freigiebiger zu handeln, löst demnach im Gehirn schon entsprechende Veränderungen aus.

«Es ist bemerkenswert, dass bereits der reine Vorsatz (grosszügig zu sein) eine neuronale Veränderung erzeugt, bevor dieser überhaupt in die Tat umgesetzt wird.»

Philippe Tobler von der Uni Zürich

Die Forschenden teilten für ihre Studie 50 Probanden in eine Versuchs- und eine Kontrollgruppe ein. Im ersten Schritt verpflichteten sie die Versuchsgruppe zu grosszügigem Handeln: Ihnen wurde Geld in Aussicht gestellt, das sie für andere ausgeben sollten, beispielsweise um jemanden zum Essen einzuladen. Die Kontrollgruppe wurde angewiesen, sich selbst mit dem Geld etwas Gutes zu tun. Tatsächlich ausbezahlt wurde das Geld anschliessend aber nicht.

Aktivität im Hirn gemessen

Im zweiten Schritt nahmen die Probanden an einem Experiment teil, bei dem sie entscheiden mussten, sich mehr oder weniger grosszügig oder egoistisch zu verhalten. Währenddessen massen die Forschenden ihre Hirnaktivität in drei Hirnarealen: Einem, wo prosoziales Verhalten und Grosszügigkeit verarbeitet werden, einem, das mit Glücklichsein assoziiert ist, und einem, der das Für und Wider während Entscheidungen abwägt.

Die Versuchsgruppe, die sich im ersten Experiment zu Grosszügigkeit verpflichtet hatte, verhielt sich auch im zweiten Experiment freigiebiger und schätzte sich danach – aber nicht vorher – glücklicher ein als die «egoistische» Kontrollgruppe, schrieb die Uni Zürich. Dabei spielte es keine Rolle, in welchem Ausmass sie im Versuch freigiebig gehandelt hatten. Ein bisschen genügte, damit sie sich glücklicher fühlten.

Schon die Absicht ändert Hirnprozesse

Die Hirnscans verrieten auch bereits während des Versuchs einen Unterschied zwischen der Versuchs- und der Kontrollgruppe: Nämlich dass bereits das reine Versprechen, sich grosszügig zu verhalten, den altruistischen Bereich im Hirn aktivierte und dessen Kommunikation mit dem Areal für Glücksempfinden verstärkte.

«Es ist bemerkenswert, dass bereits der reine Vorsatz eine neuronale Veränderung erzeugt, bevor dieser überhaupt in die Tat umgesetzt wird», sagte Tobler gemäss der Mitteilung. Ein gezieltes Versprechen abzugeben, liesse sich auch gezielt einsetzen, ist der Forscher überzeugt. Zum einen, um sich einfach glücklicher zu fühlen, zum anderen, um das gewünschte Verhalten zu verstärken.

Es seien noch einige Fragen offen, fügte Studienautorin Soyoung Park von der Universität Lübeck hinzu. Zum Beispiel ob sich die Kommunikation zwischen den beiden Hirnregionen trainieren und verstärken lasse. Und ob der Effekt auch anhalte, wenn er bewusst eingesetzt werde, also man sich nur grosszügig verhalte, um sich dadurch glücklicher zu fühlen. (whr/sda)

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Die Wissenschaft des Küssens

Video: srf

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kieran Murphy 11.07.2017 23:20
    Highlight also sind Altruisten die wahren Egoisten, weil sie nur ihr eigenes Glück maximieren wollen? Diese verlogenen Säcke, ich wusste es! Da bleib ich lieber Ego, aber ehrlich ;-)
    0 0 Melden
  • Sugarless 11.07.2017 22:54
    Highlight Auch wenn ich nun wieder grosszügig Häme einstecken muss, will ich daran erinnern, dass diese Erkenntnisnun wirklich nicht neu ist. Kann man sein Jahrhunderten nachlesen unter: Apostelgeschichte 35
    "Ich wollte euch damit klarmachen, dass man arbeiten muss, um mit dem Geld Armen zu helfen. Das hat Jesus uns so beigebracht, er sagte immer: ‚Leuten was zu geben, macht mehr Spaß, als nur zu bekommen."
    Oder bekannter auch unter: "Geben ist seliger denn nehmen."
    0 0 Melden
  • Echo der Zeit 11.07.2017 18:44
    Highlight Ich Empfehle das Buch von Joachim Bauer - SCHMERZGRENZE vom Ursprung Alltäglicher und Globaler Gewalt. Bauer ist Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut. Er geht in seinem Buch, genau auf dieses Thema ein.
    5 0 Melden