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Im Horrorfilm «Halloween» ist das erste Opfer die Handlung

Der Serienkiller Michael Myers treibt wieder sein Unwesen im Kino. Das Erschreckendste dabei ist aber die vor Klischees triefende Story.



Von Leuten, die noch nie «Star Wars» gesehen haben, höre ich immer wieder, dass sie Mühe damit hätten, einen Zugang zu der Filmreihe zu finden. Das läge vor allem an den vielen Teilen, bei denen man gar nicht wisse, wo man denn nun beginnen solle.

Mit «Halloween» ist es ein bisschen ähnlich. Zehn Teile gibt es bisher. Nach dem Originalfilm von 1978 kamen neun weitere Filme hinzu, die mal auf der Vorlage aufbauten, mal nicht. Schliesslich gab es 2007 ein Remake und von diesem Remake kam 2009 wiederum eine Fortsetzung. Damit gibt es also zwei Filme mit dem Titel «Halloween II». Und dank des neusten Teils, den ich heute bespreche, gibt es sogar drei Filme mit dem Titel «Halloween»:

Um die Verwirrung noch komplett zu machen, ist «Halloween» 2018 aber keine weitere Neuverfilmung, sondern eine direkte Fortsetzung zu «Halloween» 1978, die alle anderen Teile inhaltlich nicht berücksichtigt.

Alles klar soweit? Gut!

Halloween 2018

Bild: Universal Pictures

Die Handlung des Films setzt 40 Jahre nach dem Original ein. Michael Myers ist am Leben, auch wenn er die vergangenen vier Jahrzehnte in einer geschlossenen Anstalt verbracht hat. Dort hat er während seines ganzen Aufenthalts nicht ein einziges Wort gesprochen, was zwei Journalisten äusserst interessant finden.

Die beiden Schreiberlinge, welche Myers schon bald besser kennenlernen als ihnen lieb ist, führen uns mit ihren Recherchen im Schnelldurchlauf noch einmal durch die Story des ersten Films. Spätestens nach zehn Minuten weiss sogar ein Zuschauer, der den ersten Teil nie gesehen hat, worum es geht.

Halloween

Besagte Reporter, zusammen mit Myers Psychiater (vorne links). Bild: Universal Pictures

Nach der Einführung soll Myers dann mit einem netten, gelben Gefängnisbus in eine andere Anstalt verlegt werden. Wir alle wissen, was das bedeutet: Der Bösewicht nutzt diese Gelegenheit, um auszubrechen. Fortan sucht er nach Laurie Strode, der Frau, die sich im ersten Teil seinen Mordgelüsten entziehen konnte. Auf dieser Suche mordet er sich durch die amerikanische Mittelschicht, wie ein Mähdrescher sich durch ein Kornfeld frisst.

Nachvollziehbar müssen diese Morde nicht sein. Hauptsache, möglichst brutal und möglichst viele. Namenloser Automechaniker mit Latzhose? Zack, tot! Namenlose Frau mit Pferdeschwanz? Zack, tot! Namenloser Junge mit Schrotflinte? Ja, genau – zack, tot! Den Bodycount des Originalfilms hat Myers bereits nach wenigen Minuten in Freiheit übertroffen, auch wenn die meisten dieser Morde für die Handlung überhaupt nicht relevant sind.

Bei dieser Mordtour bedient sich der Film an gefühlt jedem Horrorfilmklischee der letzten 40 Jahre. Beispielsweise hat man fast den Eindruck, dass Michael Myers sich von Haus zu Haus teleportieren kann, so urplötzlich wie er jeweils in den Zimmern der Opfer auftaucht. Diese stellen sich währenddessen natürlich möglichst ungeschickt an, wenn es darum geht, ihrem zukünftigen Schlächter zu entkommen.

Halloween

Jamie Lee Curtis kehrt erneut in ihrer Rolle als Laurie Strode zurück. Bild: Universal Pictures

Klar, man könnte hier nun argumentieren, dass diese ganzen Klischees ein Tribut an das Original sind, immerhin hat John Carpenter 1978 mit seinem Film den Grundstein für genau diese Klischees gelegt. Aber mal ehrlich: Wenn ein Bösewicht einfach immer und immer und immer wieder aufsteht, selbst wenn man ihn mit dem Auto so richtig übel über den Haufen fährt, ist das einfach ermüdend.

Das alles macht die Story ziemlich vorhersehbar und lässt nicht wirklich Spannung aufkommen. Man nimmt es mehr zur Kenntnis, wenn etwas Dramatisches passiert, als dass man mit der Situation mitfiebert.

Dabei beweist der Film im zweiten Drittel der Geschichte, in welche Richtung es hätte gehen können: Dort nimmt der Streifen sich selbst und das ganze Horrorgenre in einer kleinen, aber feinen Sequenz dezent aufs Korn. Das hätte sich ruhig durch den ganzen Film ziehen dürfen.

Auch der Gruselfaktor hält sich sehr stark in Grenzen. Ab und zu ein Jump-Scare, um das Publikum zu erschrecken, mehr liegt nicht drin. Eine beklemmende Stimmung, in der man seine Finger vor lauter Anspannung in die Polsterung des Kinosessels krallt, wollte bei mir jedenfalls nicht aufkommen. Das ist sehr schade, denn vor allem die letzten 20 Minuten hätten einige Möglichkeiten für ein richtig gruseliges Kammerspiel geboten.

Halloween

Der unverwüstliche Myers boxt sich auch ohne Probleme durch Glas- und Holzwände. Bild: Universal Pictures

Unter dem Strich ist «Halloween» ein Film für genau zwei Gruppen von Zuschauern:

Kinostart: «Halloween» läuft am 24. Oktober im Tessin und am 25. Oktober in der Romandie und der Deutschschweiz an. Der Film hat eine Länge von 109 Minuten.

Anno dazumal waren Verkleidungen wirklich noch gruselig. 11 Vintage-Kostüme zum Schreien:

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Video: watson/Emily Engkent

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    Alle Leser-Kommentare
  • köbi77 24.10.2018 13:26
    Highlight Highlight Ich hab den Film gestern gesehen und bin begeistert.
    Der Film komt ohne jeglichen computereffekte aus und erinnert stark an die klassischen Filme in den 80 und 90er Jahren.
    Die Geschichte wird langsam erzählt und ist nicht überladen wie die meisten modernen Filme.

    Sehr angenehm ist auch die Hauptdarstellerin die sich für ihr alter nicht schämt und auch als oma noch bei einem solchen Horrorfilm mitmischt.

    Ich wünsche mir die Actionfilme würden auch wieder wie in den 90ern gedreht ohne computer dafür mit Benzin und Fäusten.
    8 0 Melden
  • Nik G. 24.10.2018 11:30
    Highlight Highlight Alle diese Filme zielen ja nur in diese Richtung. Man will ja gar nicht mehr sehen als Leute die umgebracht werden.
    1 3 Melden
  • Olmabrotwurst 24.10.2018 10:19
    Highlight Highlight Michael myers ist wie der schwarze Mann und Frankenstein. Ihn kann man nicht töten nie never er kommt immer wieder, hat das Horrorgenre auf einen neuen level gebracht
    3 3 Melden
  • Imnon 24.10.2018 00:04
    Highlight Highlight Es gibt eine dritte mögliche Zuschauergruppe, zu der ich gehöre: Fans von Jamie Lee Curtis. Ich find die Frau seit jeher absolut Hammer.
    19 2 Melden
    • Knety 24.10.2018 13:08
      Highlight Highlight Sie bekam die Schauspielerei halt auch in die Wiege gelegt.
      6 0 Melden
  • Apireon 23.10.2018 22:58
    Highlight Highlight Den Film kann man mögen oder nicht. Ich fand ihn klasse. Tolle Kamerafahrten, kreative Kills, toller Score und eine Homage an das Original. Ich vergebe 8.5/10 Küchenmesser.

    Keine Ahnung welchen Film der Schreiberling hier gesehen hat...
    31 2 Melden
  • Closer 23.10.2018 21:49
    Highlight Highlight Der Film ist in Amerika ein riesen Hit und scheint seine Fans gefunden zu haben. Als bald 50ig jähriger, der diese Zeit noch erleben durfte als man mit dem Mofa zur Videothek gerast ist und den Rucksack mit VHS Filmen gefüllt nach Hause gefahren ist und die ganze Nacht Tanz der Teufel, Halloween, Zombie etc. Geschaut hat, freue ich mich auf den guten alten Old School Slasher👻
    74 0 Melden
  • Clife 23.10.2018 21:13
    Highlight Highlight Ach und ich dachte schon, dass es Ähnlichkeiten zu Freddie und Jason hätte. Scheint wohl, dass es mehr Ähnlichkeiten zu Saw hat. Nayah, ich warte mal ab, bis der Film auf Netflix ist^^
    1 36 Melden
  • Laut_bis_10 23.10.2018 20:25
    Highlight Highlight Horror heisst nicht wahlloses Schlachten. Wann begreift Hollywood das endlich ... Danke für den Artikel, werde mir den Film definitiv nicht ansehen.
    35 37 Melden
    • Pana 23.10.2018 23:07
      Highlight Highlight Schau dir auf Netflix mal "The Haunting of Hill House" an. Horror ohne Schlachten. Verdammt guter Horror.
      24 6 Melden
    • Imnon 24.10.2018 00:06
      Highlight Highlight Und ich hab das Hill House nicht weiter geguckt, weil ich da nur noch ein Klischee nach dem anderen gesehen habe. Horror ohne Schlachten stimmt schon. Aber in Sachen Klischee ist das auch nur blanker Durchschnitt.
      Falls man allerdings noch jünger ist und nicht hunderte von Filmen und Serien gesehen und noch mehr Bücher gelesen hat, ist die Serie wirklich schön gemacht.
      11 1 Melden
    • wydy 24.10.2018 11:49
      Highlight Highlight Naja man kann nicht immer das Rat neu erfinden. Irgendwann hat man alles schon mal gesehen. Trotzdem hat Hill House eine solide Story, ist unheimlich und unterhält. Da ist nichts böses weil es böse ist. Leute sterben nicht einfach so nur des Horror / Effekte wegen.
      Wenn ihr etwas neues in Sachen Horror sehen wollt, wird wohl "Black Mirror" in diese Kategorie fallen, wobei es sich langsam nur noch wiederholt.
      Ebenfalls gibt es die weniger bekannte Serie "Channel Zero", wo vor allem die zweite Staffel super ist. Aber auch die erste hat ein paar interessante Ideen
      2 2 Melden

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