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Fahrrad von vermisstem Paul gefunden – er zählte die Tage bis zu seinem Verschwinden  

Der 12-jährige Paul Schickling aus Gunzgen (SO) hatte die Absicht, sein Zuhause zu verlassen. In Gunzgen geht derweil die Angst vor Kindsentführungen um.
21.06.2016, 06:1327.06.2016, 10:30

Im Zuge ihrer Ermittlungen hat die Kantonspolizei Solothurn, aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung, am Dienstag das Fahrrad von Paul Schickling in Härkingen in der Nähe der Kirche auffinden können. Die Kantonspolizei Solothurn erhofft sich nun aufgrund des Fahrradfundes weitere Erkenntnisse zu gewinnen.   

In Gunzgen ist der Knabe losgefahren, in Härkingen wurde sein Velo entdeckt.

Ausgerissen, verschleppt oder verunfallt – noch immer ist unklar, was mit dem am Samstag verschwundenen Paul Schickling aus Gunzgen passiert ist. Fest steht nun aber, «dass Paul Schickling am Samstagmittag sein Elternhaus in der Absicht verlassen hat, nicht mehr zurückzukehren», wie Thomas Kummer, Sprecher der Kantonspolizei Solothurn, gegenüber «Tele M1» sagt.

Er habe gegenüber seinen Mitschülern gesagt, dass er nach einer gewissen Anzahl Tage nicht mehr da sein werde. Ein Klassenkamerad sagt denn auch in die Kamera, dass der 12-jährige Paul Kleberli auf sein Pult geklebt habe, auf denen er die Zahlen 1 bis 18 notiert habe. Diese habe er Tag für Tag abgestrichen – bis eben zu seinem Verschwinden am 18. Juni.

«Dass er einfach verschwindet, ohne etwas zu sagen, passt nicht zu Paul»
Pauls Mutter Monika Schickling

In Gunzgen geht die Angst um

Seither sucht das Dorf nach dem Bub. Die Angst geht um. Auffällig viele Eltern bringen ihre Kinder nun persönlich zum Unterricht, wie verschiedene Dorfbewohner bestätigen. Besonders verzweifelt ist Mutter Monika Schickling. Sie macht sich Sorgen, dass ihr Sohn irgendwo verletzt im Wald liegt, oder einem Unbekannten ins Auto gestiegen ist. Dass er einfach so verschwinde, ohne etwas zu sagen, passe überhaupt nicht zu Paul. Über Facebook versucht sie ihren Sohn zu finden.

Aufgrund der Öffentlichkeitsfahndung, die die Polizei am Sonntagmorgen startete, sind diverse Hinweise bei der Polizei eingegangen, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt. Die Suche und Abklärungen der Polizei blieben erfolglos.  Die Polizei ist daher um weitere Hinweise dankbar: Der 12-jährige ist ungefähr 1.55 Meter gross, schlank und hat kurze blonde, gelockte Haare. Er spricht mehrheitlich hochdeutsch, trägt eine rote Windjacke mit Kapuze und hellblaue Jeans. Möglicherweise hat er einen roten Rucksack mit schwarzen Riemen und Rückenteil sowie einen blau/lila Velohelm dabei. Paul Schickling ist mit einem blauen Fahrrad mit auffälligen schmalen Rennradreifen unterwegs.

Keine Hinweise auf Entführung

Seit sechs Jahren existiert in der Schweiz ein umfassendes Schnell-Alarmsystem für vermisste Kinder. Dieses wurde hier nicht ausgelöst. Laut Kummer von der Kapo Solothurn müssen begründete Hinweise darauf vorliegen, dass eine Entführung stattgefunden hat. «Ist hier nicht der Fall.»

Paul hatte bei seinem Verschwinden wohl einen solchen roten Rucksack bei sich.<br data-editable="remove">
Paul hatte bei seinem Verschwinden wohl einen solchen roten Rucksack bei sich.
kapo solothurn

Das Alarmsystem steht wegen seiner strengen Kriterien seit längerem in der Kritik. Damit der Alarm ausgelöst wird, müssen drei Bedingungen erfüllt sein: Erstens muss konkret festgestellt werden oder ein begründeter Verdacht bestehen, dass eine minderjährige Person entführt wurde. Zweitens muss angenommen werden, dass die entführte Person ernsthaft in ihrer physischen, sexuellen oder psychischen Integrität gefährdet ist. Drittens müssen genügend gesicherte Informationen vorliegen, damit der Alarm mit Aussicht auf eine erfolgreiche Lokalisierung von Täterschaft und/oder Opfer ausgelöst werden kann. Verschiedene Vorstösse, die Kriterien zu lockern, liefen bislang ins Leere. (rwy)

Personen, die sachdienliche Angaben über den Verbleib des Jungen machen können, werden gebeten, sich mit der Kantonspolizei Solothurn in Verbindung zu setzen, Telefon 032 627 71 11.

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