Charlie Hebdo

Der getötete Polizist Ahmed Merabet. Bild: twitter

Blutbad bei «Charlie Hebdo»

«JeSuisAhmed» – Twitter-Tribut für toten muslimischen Polizisten

09.01.15, 13:18 09.01.15, 14:34

Das Video ist schwer zu ertragen: Als die beiden Attentäter nach dem Blutbad auf der Redaktion von «Charlie Hebdo» mit ihrem Auto die Flucht ergreifen, stellt sich ihnen ein Polizist entgegen: Ahmed Merabet. Der 40-Jährige ist mit seinem Velo auf Streife und versucht, die Terroristen mit seiner Pistole zu stoppen.

Doch er wird selber getroffen. Als er hiflos am Boden liegt, schreit ihn einer der Täter an: «Willst du uns töten?» Merabet erwidert: «Nein, schon gut, Chef.» Es nützt nichts, der Terrorist tötet ihn mit einem Kopfschuss.

Die Bestürzung ist gross, denn Ahmed Merabet war selber Muslim. Er arbeitete seit acht Jahren im 11. Arrondissement von Paris und hatte sich laut der Zeitung «Le Figaro» erst kürzlich für den Dienst bei der Kriminalpolizei qualifiziert. Er war unverheiratet, hatte aber eine Freundin. Ein Vertreter der Polizeigewerkschaft bezeichnete ihn als ruhig und besonnen.

Zahlreiche Twitter-User bekunden dem toten Polizisten unter dem Hashtag «JeSuisAhmed» ihre Anteilnahme, in Anlehnung an «JeSuisCharlie». Für Aufsehen sorgte ein Tweet von Dyab Abou Jahjah, Autor und Kolumnist der belgischen Zeitung «De Standaard»: «Ich bin nicht Charlie. Ich bin Ahmed, der tote Bulle. Charlie hat meinen Glauben und meine Kultur lächerlich gemacht, und ich starb, als ich sein Recht verteidigte, dies zu tun.»

Bis Freitagmittag verzeichnete dieser Eintrag rund 20'000 Retweets. Andere User sagten schlicht «Danke», oder sie rühmten Merabet als «jene Art Muslim, mit dem ich verbunden sein will».

Ein weiterer Polizist wurde Opfer des Massakers bei der Satirezeitung: Franck Brinsolaro, 48 Jahre alt, persönlicher Leibwächter von «Charlie Hebdo»-Chefredaktor Stéphane Charbonnier. Er starb in den Redaktionsräumen. Besonders tragisch: Der aus Marseille stammende Polizist hatte erst kürzlich geheiratet und war Vater einer einjährigen Tochter. Auch für ihn gibt es zahlreiche Ehrbezeugungen auf Twitter.

(pbl)

Charlie-Hebdo-Titelblätter

Solidarität mit «Charlie Hebdo» in aller Welt

08.01.2015: So berichteten die Zeitungen über die Attacke auf «Charlie Hebdo»

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 09.01.2015 15:19
    Highlight So makaber es klingt, aber eine bessere Werbung für „Soumission“, das neue Buch Michel Houellebecqs über die kommende Islamisierung Frankreichs, kann es kaum geben. Auch wenn es sicher zu früh ist über die wahren Motive der Mörder zu spekulieren, so scheinen sie es schon auf die Respektlosigkeit des "Charlie Hebdo" in religiösen Dingen abgesehen zu haben. Und es sind leider immer wieder Muslime, denen eine gesunde Distanz zu Witzen über ihre Religion fehlt. Es kommt aber zukünftig im Zusammenhang mit dem Islam noch wesentlich grösseren Ärger auf Europa zu.
    11 9 Melden

Das musste ja kommen

Das sind die populärsten Verschwörungstheorien zu «Charlie Hebdo» 

Der Terroranschlag in Paris elektrisiert eine Unzahl von Verschwörungstheoretikern. Ihre Thesen sind so abenteuerlich wie widersprüchlich. 

Kaum hatten die Attentäter nach dem Blutbad auf der Redaktion der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» ihr Fluchtfahrzeug bestiegen, rollte eine gigantische Nachrichtenwelle an, die in kürzester Zeit das Internet geradezu flutete. Und noch bevor bekannt war, was genau sich im 11. Arrondissement der französischen Hauptstadt abgespielt hatte, wussten die ersten Analytiker schon Bescheid. 

Bald tauchten dann auch die ersten «Ungereimtheiten» auf – Nahrung für all die …

Artikel lesen