Blattmann: Helikopter soll Stromkabel berührt habe

28.09.16, 16:52

Armeechef André Blattmann hat vor Medienvertretern an der Absturzstelle des Militärhelikopters beim Gotthard-Hospiz sein Bedauern über den Vorfall mit zwei toten Piloten ausgedrückt. Ihm zufolge soll der Helikopter das Stromkabel berührt haben.

Was danach geschehen sei, sei Gegenstand von Ermittlungen, sagte Blattmann am Mittwochnachmittag. Beim Absturz waren beide Piloten ums Leben gekommen. Der Flughelfer wurde ins Spital gebracht. Der Super Puma hatte vor dem Unfall mehrere Passagiere aussteigen lassen.

Der Armeehelikopter war gegen Mittag kurz nach dem Start beim Gotthard-Hospiz abgestürzt, wie Luftwaffenchef Aldo Schellenberg vor den Medien in Bern sagte. Er zeigte sich «tief erschüttert». Es falle ihm unglaublich schwer, knapp einen Monat nach dem letzten Unglück schon wieder vor die Medien treten zu müssen, sagte er.

Bis die Unfallursache klar sei, würden als Vorsichtsmassnahme alle Trainingsflüge mit Super-Puma-Helikoptern gestrichen.

Untersuchungsrichter vor Ort

Die Militärjustiz nahm eine Untersuchung auf. Untersuchungsrichter waren am Mittwoch vor Ort, wie Sprecher Tobias Kühne auf Anfrage sagte. Untersucht werde unter anderem, ob das Wetter eine Rolle beim Unfall gespielt haben könnte.

Der Flug auf den Gotthard von im Rahmen einer OSZE-Inspektion statt. Vor dem Unfall hatte der Helikopter, der für 18 Passagiere Platz bietet, vier französische Offiziere und mehrere Schweizer Begleiter aussteigen lassen. Alle diese Passagiere blieben unverletzt. Zur Zahl der Schweizer machten die Luftwaffenvertreter keine Angaben.

Die französische Botschaft in Bern und der Militärattaché des Nachbarlandes seien umgehend über den Unfall informiert worden, sagte Schellenberg. Die OSZE-Inspektion hatte am Montag begonnen und sollte bis Mittwoch dauern. Auf dem Gotthard wollte die Delegation eine militärische Anlage besichtigen, wie Schellenberg sagte.

Grundlage der Inspektion ist das Wiener Dokument der OSZE. Jeder Teilnehmerstaat hat demnach das Recht, sich hinsichtlich der Einhaltung der vereinbarten vertrauens- und sicherheitsbildenden Massnahmen vor Ort Informationen zu beschaffen. Gleich mehrere Male erhielt die Schweiz in den vergangenen Jahren Besuche aus Russland.

Es war nicht der erste Unfall mit einem Super-Puma-Helikopter der Schweizer Luftwaffe. Am 30. März 2011 stürzte eine typengleiche Maschine im Maderanertal im Kanton Uri ab. Dabei wurden drei Personen verletzt, wie Schellenberg sagte.

Die Super-Puma- und -Cougar-Flotte der Luftwaffe ist seit 1989 in Betrieb und umfasst 25 Maschinen, wie der zuständige Chef-Fluglehrer Lukas Rechsteiner ausführte. Die Maschinen würden in kurzen Intervallen revidiert. Die älteren hätten zudem ein Werterhaltungsprogramm hinter sich.

Nationalratspräsidentin Christa Markwalder (FDP/BE) sprach den Angehörigen ihr Beileid aus. «Wir sind sehr traurig, dass unsere Armee schon wieder Opfer zu beklagen hat», sagte sie zu Beginn der Ratssitzung am Nachmittag.

Komplett ausgebrannt

Wie Leserbilder auf verschiedenen Newsportalen zeigten, war der Helikopter beim Absturz in Brand geraten. Dichter schwarzer Rauch war über der Unfallstelle zu sehen. Nach 14 Uhr schien der Brand aber gelöscht.

Augenzeugen berichteten einem sda-Korrespondenten vor Ort, der Helikopter sei komplett ausgebrannt. Es gebe nur noch ein paar Überreste und ein Tragseil, das zu sehen sei. Eine Explosion gab es gemäss Augenzeugen nicht. (sda)

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