Coronavirus
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A man stands in front of an electronic stock board showing Japan's Nikkei 225 index and other city's index at a securities firm in Tokyo Tuesday, Feb. 25, 2020. Shares are mostly lower in Asia on Tuesday after Wall Street suffered its worst session in two years, with the Dow Jones Industrial Average slumping more than 1,000 points on fears that a viral outbreak that began in China will weaken the world economy. (AP Photo/Eugene Hoshiko)

In Tokio und anderen Börsenplätzen kam es am Montag und Dienstag zu einem Absturz. Bild: AP

Corona bringt die Börsen zum Beben – da hat auch TINA nichts zu melden

Obwohl das Coronavirus weite Teile der chinesischen Wirtschaft lahmgelegt hat, ging es an den Finanzmärkten weiter nach oben. Am Montag kam es zum Einbruch. Wie geht es weiter?



An der Wall Street ist häufig von TINA die Rede. Damit ist keine weibliche Person gemeint, sondern die Abkürzung von «There Is No Alternative». Gemeint ist der Notstand der Anleger in Zeiten, in denen die Zentralbanken die Zinsen auf null oder noch tiefer gesenkt haben. Wer Geld verdienen will, hat praktisch keine andere Wahl, als Aktien zu kaufen.

TINA wurde als Begründung dafür genannt, dass es nach dem Ausbruch der Corona-Epidemie in China an den Finanzmärkten weiter bergauf ging – obwohl China heute für die Weltwirtschaft eine weit grössere Bedeutung hat als beim Ausbruch des Sars-Virus 2003. Die Epidemie werde auf das Reich der Mitte beschränkt bleiben und bald ein Impfstoff gefunden sein, redete man sich ein.

Das Coronavirus breitet sich in Italien aus

Am Montag platzte diese Illusion: Der Dow-Jones-Index büsste mehr als 1000 Punkte ein, wodurch sämtliche Gewinne dieses Jahres ausradiert wurden. Auch die europäischen Börsen gaben nach, ebenso jene in Asien. Der Ölpreis geriet unter Druck, dafür stieg der Goldpreis. Der Franken wertete sich ebenfalls auf. Alles klare Anzeichen für die Verunsicherung der Investoren.

Mit der Realität kollidiert

Am Wochenende platzte die Illusion, dass eine Ausbreitung des Coronavirus abgewendet werden kann. In Südkorea nahm die Zahl der gemeldeten Fälle stark zu, ebenso in Iran. In Italien sind ausgerechnet die Lombardei und Venetien betroffen, die wirtschaftlich stärksten Regionen des Landes. Der italienische Leitindex sauste mit minus 5,4 Prozent besonders stark nach unten.

«Der Optimismus der Investoren ist mit der Realität kollidiert», heisst es in einem Kommentar der «Financial Times». Nun hoffe man auf ein erneutes Eingreifen der Zentralbanken, doch es sei fraglich, wie sich damit ein wirtschaftlicher Einbruch verhindern lasse, «der auf Todesfälle, gegroundete Flüge, geschlossene Fabriken und Geisterstädte zurückzuführen ist».

«Wenn sich Reisebeschränkungen und Unterbrechungen der Lieferkette fortsetzen, könnten die Auswirkungen auf das globale Wachstum weiter verbreitet sein und länger anhalten», sagte Jonas Glotermann vom Londoner Forschungsunternehmen Capital Economics. Was könnte dies konkret bedeuten, etwa für die beiden weltgrössten Wirtschaftsmächte USA und China?

China

Wuhan praktisch abgeschottet

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Video: srf

Die Signale aus dem Ursprungsland des Coronavirus sind verwirrend. Das betrifft besonders die Millionenstadt Wuhan, wo das Virus im Dezember diagnostiziert wurde und sich durch die Vertuschung der Behörden zu einer Epidemie ausweiten konnte. Am Montag hiess es erst, die strikte Quarantäne werde gelockert. Dann wurde diese Mitteilung für «ungültig» erklärt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte, die Epidemie habe in China bereits vor drei Wochen ihren Höhepunkt überschritten. Mit seinen drastischen Massnahmen habe China möglicherweise Hunderttausende Fälle der Krankheit Covid-19 verhindert, sagte der WHO-Experte Bruce Aylward. Aber nach wie vor werden neue Infektionen und Todesfälle registriert.

Die chinesische Regierung rechnet mit deutlichen Auswirkungen auf die Wirtschaft. Zwar haben viele Fabriken die Produktion wieder aufgenommen. Laut der parteinahen Zeitung «Global Times» sind jedoch 95 Prozent der chinesischen Firmen vom Virus betroffen. Rund 60 Prozent hätten mit betrieblichen Problemen zu kämpfen, und sechs Prozent stünden vor dem Bankrott.

USA

President Donald Trump speaks with business leaders at a roundtable event at Roosevelt House, Tuesday, Feb. 25, 2020, in New Delhi, India. (AP Photo/Alex Brandon)
Donald Trump.Narendra Modi.Melania Trump

Donald Trump verbreitet frohe Botschaften aus Indien. Bild: AP

Präsident Donald Trump bemühte sich am Montag, Optimismus zu verbreiten. Das Coronavirus sei in den USA «weitgehend unter Kontrolle», der Aktienmarkt sehe aus seiner Warte «sehr gut aus», vermeldete er von seinem Staatsbesuch in Indien via Twitter. Das erstaunt wenig: In einem Wahljahr kann Trump keine schlechten Nachrichten von der Wirtschaftsfront brauchen.

Sein Wirtschaftsberater Peter Navarro betonte in einem Interview, man arbeite «in Trump-Zeit» an einem Impfstoff gegen das Virus. Das Weisse Haus beantragte dafür am Montag beim Kongress Sonderausgaben von 1,4 Milliarden Dollar. Kritiker glauben allerdings, dass die Regierung weder für einen Einbruch der Wirtschaft noch für den Ausbruch einer Epidemie gerüstet ist.

Trump habe wichtige Positionen in vielen Bereichen der Regierung «ausgehöhlt» und sei nun «dringend auf professionelle Hilfe von Leuten angewiesen, die er drei Jahre lang verschmäht hat», sagte der Historiker Russell Riley von der University of Virginia der «Washington Post». Selbst Trump-Anhänger sorgen sich um die Folgen einer längeren Talfahrt an den Finanzmärkten.

Die europäischen Märkte tendierten am Dienstag nach einer kurzen Erholung wieder ins Minus. Mehr und mehr werde den Investoren bewusst, dass das Coronavirus in der Weltwirtschaft Spuren hinterlassen werde, sagten Händler der Agentur AWP. «Die Folgen der Pandemie werden sich bald auch in den Unternehmenszahlen niederschlagen», meinte ein Händler.

An seinen Aktien festhalten will hingegen der 89-jährige Investment-Guru Warren Buffett. Der Ausbruch des Coronavirus sei «erschreckend», sagte Buffett am Montag im Interview mit dem Fernsehsender CNBC. «Es sollte aber nicht das beeinflussen, was man am Aktienmarkt macht.» Man könne dort immer noch mehr Geld verdienen als mit Anleihen. TINA gilt auch für ihn.

Mit Material von sda

15 Bilder, die zeigen, was gerade in Wuhan vor sich geht

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    Alle Leser-Kommentare
  • DrFreeze 25.02.2020 16:34
    Highlight Highlight Interssant ist, dass auch Pharma Werte unter die Räder kommen.
    • swisskiss 26.02.2020 10:48
      Highlight Highlight DrFreeze: Tausende Medikamente westlicher Pharmafirmen, brauchen Grundstoffe, die zu grossen Teilen nur noch aus China kommen. Da ist absehbar, dass Lieferengpässe dieser Grundstoffe, die Produkion von vielen Medis massiv einschränkt oder gar zum Stillstand bringen. Schlechte Zeiten für Geschäfte....
  • Couleur 25.02.2020 16:19
    Highlight Highlight Seit der letzten Korrektur vor über einem Jahr sind die Kurse regelrecht explodiert. Und dies obwohl das Wirtschaftswachstum seit dem stark nachgelassen hat und einzelne Branchen gar in Rezessionenähnlichen Zuständen sind. Das Ganze ist den Negativzinsen geschuldet, die auch Otto Normalverbraucher blind an die Börse treibt. Da gibt es sehr gute Schweizer Unternehmen, welche in den letzten fünf Jahren ihren Gewinn in dieser Zeitspanne um 40% steigerten, die Aktie hat sich aber verfünffacht. Das ist kein Einzelfall und mit oder ohne Virus einfach eine Blase.
  • MartinZH 25.02.2020 15:50
    Highlight Highlight Die Auswirkungen auf die Volkswirtschaften sind verheerend. Vor allem natürlich in den betroffenen Ländern – aber durch die globalisierte Wirtschaft bleiben wir in der Schweiz selbstverständlich auch nicht verschont: Der Franken ist mittlerweile so stark wie schon lange nicht mehr. Als Fluchtwährung ("Sicherer Hafen") ist der Franken wieder zunehmend gesucht. Die EZB ist aufgrund der Krise in Italien bereits wieder daran, die Zinsen noch weiter abzusenken (bzw. Strafzinsen zu erhöhen). Klar, dass die SNB auch wieder nachziehen muss. Die Implikationen durch die Pandemie sind nicht abzusehen. 😔
  • Coffeetime 25.02.2020 15:34
    Highlight Highlight Das Bild am Anfang... So trägt man seine Maske NICHT... 🤦🏻‍♀️
    • Ueli der Knecht 25.02.2020 23:12
      Highlight Highlight Hochnäsige tragen die Maske immer nur so.
  • swisskiss 25.02.2020 15:27
    Highlight Highlight Natürlich gibt es für Börsenhändler keine Alternative. Aber statt auf steigende Aktienkurse zu setzen, geht man short und spekuliert auf fallende Kurse. Da gibts genügend Produkte, die dies bestens ermöglichen.

    Und wie bei steigenden Kursen, die durch Hebelprodukte leicht zu Kursübertreibungen neigen, sind dieselben Mechanismen bei fallenden Kursen zu beobachten. Alles im grünen Bereich. Die Profis verdienen weiterhin Geld und der Kleinanleger bezahlt wie immer die Zeche.
    • E7#9 25.02.2020 16:24
      Highlight Highlight Ja, bei Termingeschäften (das sind aber spezielle Finanzkonstrukte, die in dieser Art nicht an der Effektenbörse gehandelt werden) oder Optionen (Put) ist das so. Aber bei längerfristigen Anlagen geht man nicht short. Im Gegenteil, der Profi hat im Idealfall sein Depot verkleinert und freut sich über fallende Preise um günstig einzukaufen und geht dann „long“, nicht „short“.
    • buffettino 25.02.2020 16:41
      Highlight Highlight Ja, stay strong stay long. Ich habe gestern und heute gekauft, kleine Summen, weil ich gerade eigentlich keinerlei Liquidität besitze. Nächsten Montag folgen dann noch ein paar regelmässige Käufe von ETFs.
    • Militia 25.02.2020 17:27
      Highlight Highlight Genau bei langfristigen Anlagen geht man unter Umständen doch short um das eigene Portfolio abzusichern.
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  • Chili5000 25.02.2020 14:52
    Highlight Highlight Schon witzig, Greta und die ganzen Umweltaktivisten versuchen uns seit geraumer Zeit ins Gewissen zu reden damit wir weniger fliegen. Dabei braucht es nur ein unsichtbares Virus damit wir plötzlich alle lieber am Boden bleiben wollen...
    • PC Principal 25.02.2020 15:45
      Highlight Highlight Die Corona-Krise zeigt, dass es eigentlich gar nicht so schwierig wäre, aufs Fliegen zu verzichten. Doch trotz der riesigen Flugscham-Diskussion sind die Schweizer 2019 so viel geflogen wie noch nie. . Den Klimawandel wird man niemals durch Verzicht auf irgendwas bekämpfen können denn die Leute wollen nicht verzichten. Es braucht nachhaltige Energieformen (z.b. synthetisches Kerosin).
    • Chili5000 25.02.2020 16:17
      Highlight Highlight Es gab halt auch noch nie so viele Schweizer. Man muss halt einfach damit leben das niemand über die Population reden will. Das ist ein Globales Thema und ich glaube nicht das die Menschen von sich aus aufs Reisen verzichten werden. Seit es die Menschheit gibt sind Menschen am reisen...
    • swisskiss 25.02.2020 16:22
      Highlight Highlight PC Principal: Aber bitte! Auf peruanischen weissen Spargel oder spanische Treibhauserdbeeren im Februar kann nun wirklich JEDER verzichten. Genauso fragwürdig ist es, ob man für knapp 35 Franken nach Barcelona oder knapp 60 Franken nach London fliegen muss. Jede Perversität freier Marktwirtschaft sollte man nicht per se als alternativlos und notwendig betrachten. Denn nach dieser Denkweise wird sich nichts ändern.
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  • Lowend 25.02.2020 14:34
    Highlight Highlight Es könnte zum schlimmsten Albtraum werden, wenn dieser unfähige Typ in Washington mal mit Problemen konfrontiert wird, die er nicht selber geschaffen hat.

    Wenn ich an das lausige Krisenmanagement bei im Grunde bekannten Naturkatastrophen wie in Puerto Rico usw. denke, dann kann einem beim Gedanken Angst und Bange werden, dass sich das Corona-Virus fast mit Sicherheit früher oder später auch in amerikanischen Grossstädten verbreiten wird.
    • Chili5000 26.02.2020 08:36
      Highlight Highlight Ach die amerikanischen Städte sind mir so ziemlich egal. Ich sorge mich höchstens um die Schweiz und um meine Region...

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