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Verwahrung wegen häuslicher Gewalt? Wie ein 42-Jähriger seine Frau quälte

Der Fall, der vor dem Bezirksgericht Kulm verhandelt wurde, ist so schlimm, dass man ihn fast nicht erträgt. Der Staatsanwalt beantragte die Verwahrung eines rückfälligen 42-Jährigen.

Kim Barbara Wyttenbach / ch media



THEMENBILD ZUR KRIMINALSTATISTIK 2013 --- (Themenbild Gewalt in der Ehe, gestellte Aufnahme 2010)
Schaetzungsweise jede zehnte Frau wird im Laufe ihres Erwachsenenlebens in einer Paarbeziehung Opfer koerperlicher oder sexueller Gewalt. 2007 bestand bei rund 15'500 Beratungen der kantonalen Opferberatungsstellen in der Schweiz eine haeusliche Beziehung zwischen Opfer und Taeter. An den Folgen von Gewalt in Paarbeziehungen starben zwischen 2001 und 2004 pro Jahr im Mittel 22 weibliche und 4 maennliche Opfer. (KEYSTONE/Luis Berg)

«Der Beschuldigte schlug sein Opfer zunächst mit einem Fernsehkabel, anschliessend mit einer Holzlatte. Dabei drosch er mit voller Wucht auf die Frau ein.» Bild: KEYSTONE

Er ist 42 Jahre alt, sie Ende 20. Er behauptet, in Bosnien als Automechaniker und Förster gearbeitet zu haben. Sie hat ihre Wurzeln ebenfalls in diesem Kulturraum, spricht aber fast akzentfrei Mundart. Er ist ein derart krasser Täter im Bereich häusliche Gewalt, dass Staatsanwalt Simon Burger im Prozess vor dem Bezirksgericht Kulm sogar seine Verwahrung beantragte. Sie ist unzweifelhaft ein Opfer – auch wenn es schwerfällt, zu verstehen, weshalb sie sich über Monate hinweg von ihm drangsalieren liess. Weshalb sie nicht früher flüchtete, Alarm schlug. Nach all den Erniedrigungen, Schlägen, sexuellen Übergriffen. «Ich hatte Todesangst», erklärte sie vor Gericht. Er habe sie immer wieder bedroht. Ein Gutachter fand heraus, dass sie eine sogenannte «abhängige Persönlichkeitsstörung» hat, ständig befürchtet, verlassen zu werden.

Das nutzte er schamlos aus. Er, der bereits einschlägig vorbestraft ist. Der Bosnier, nennen wir ihn Cazim, ist im Jahr 2000 ein erstes Mal in die Schweiz gekommen. Cazim war hier vier Jahre lang verheiratet. In dieser Zeit wurde er drei Mal verurteilt: wegen häuslicher Gewalt, Tätlichkeit, Diebstahl. Nachdem er eine 32-monatige Strafe abgesessen hatte, durfte er vier Jahre lang nicht mehr in die Schweiz einreisen.

Fussfesseln nicht abgenommen

Der mittelgrosse, schmächtige Mann mit kurzrasiertem Haar wurde in Handschellen und Fussfesseln in den Gerichtssaal geführt. Letztere wurden ihm auch während der Verhandlung nicht abgenommen. Er war sehr mitteilungsbedürftig, antwortete auf jede Frage der Gerichtspräsidentin mit ausschweifenden Erklärungen – allerdings mussten diese immer von einem Dolmetscher übersetzt werden. So richtig Emotionen zeigte er erst, als er das Urteil vernahm. Der vorher so selbstsichere Cazim vergoss Tränen. 

Angeklagter zeigte keine Reue

Staatsanwalt Simon Burger hatte 11 Jahre Freiheitsstrafe und 20 Jahre Landesverweis gefordert. Er hob im Plädoyer hervor, dass der Angeklagte überhaupt keine Reue oder Einsicht zeige und darüber hinaus Lügengebäude fabriziere. Zudem forderte er das Gericht auf, die Verwahrung auszusprechen. Ein Gutachten habe gezeigt, dass Cazim an einer schweren Persönlichkeitsstörung leide und mit einer hohen Wahrscheinlichkeit wieder rückfällig werde. Der Angeklagte sei nicht therapierbar. «Eine Freilassung des Angeklagten kommt dem russischen Roulette nahe – wobei nicht nur eine Kugel im Lauf ist, sondern zwei. Das Gutachten hat gezeigt, dass der Angeklagte mir einer 40-prozentigen Sicherheit innerhalb von vier Jahren wieder einer Frau Schaden zuführen wird», meinte Burger.

Über Facebook kennen gelernt

Cazim und die etwa 15 Jahre jüngere Frau lernten sich 2017 über Facebook kennen. Er lebte in Bosnien, sie in der Schweiz. Die Frau war zwar noch verheiratet, lebte aber von ihrem Mann getrennt. Nachdem sie sich während einer Woche Nachrichten geschickt hatten, beschloss Cazim, ins Wynental zu reisen und bei ihr einzuziehen. Man wollte sich näher kennenlernen und sehen, ob man eine gemeinsame Zukunft hat. Bis dahin stimmen die Schilderungen des Opfers und des Angeklagten überein.

Der Angeklagte behauptete etwa: «Ich habe sie nie geschlagen, ihr nicht einmal eine Ohrfeige gegeben.» Sie sei eine sehr eifersüchtige Frau. «Sie war es, die Männer in die Wohnung gebracht hat und eine Affäre mit einem Mann hatte. Die beiden haben mir Schlafmittel in den Kaffee getan. Dann hatten sie Sex im Wohnzimmer, während ich im Zimmer schlief.»

Messer gegen Kopf geworfen

Die Attacken des Angeklagten wurden über die Zeit immer heftiger. Der Staatsanwalt schilderte in der Anklageschrift Vorfälle aus den letzten zehn Tagen, ehe es das Opfer schaffte, zu flüchten. Fünf besonders schlimme Fälle aus der Anklageschrift:

Verteidiger wollte Freispruch

Der Verteidiger von Cazim forderte einen Freispruch: «Im vorliegenden Fall steht Aussage gegen Aussage.» Das Gericht sprach ihn schuldig und verurteilte den Bosnier zu sechs Jahren unbedingt. Zudem verhängte es einen 15-jährigen Landesverweis. Von einer Verwahrung sahen die Richter ab: Diese Massnahme sei in diesem Fall «unverhältnismässig». 

Dominique Rinderknecht und Tamy Glauser gegen Gewalt

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Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • Spirulina 12.02.2019 20:50
    Highlight Highlight Mir schmerzt das Herz, wenn ich sowas lese. Was ist dem Täter selbst widerfahren, dass er ein solch boshafter und verkehrter Mensch geworden ist? Zum Schutze des Opfers und der Gesellschaft wäre eine Verwahrung das einzig Richtige... Dem Opfer wünsche ich eine friedliche Zukunft mit liebevollen Momenten, und dass sie einmal wieder Vertrauen zu einem Menschen aufbauen kann. Dies wird wahrscheinlich das Schwierigste sein.
  • Todesstern 12.02.2019 19:38
    Highlight Highlight Aber bei Durchlesen dieses Textes, kann Mama auch sagen, dass dies kein Mann, kein Mann sondern ein Monster ist. So jemand gehört definitiv verwahrt oder ausgeschaft.
  • no-Name 12.02.2019 19:34
    Highlight Highlight «Das Gutachten hat gezeigt, dass der Angeklagte mir einer 40-prozentigen Sicherheit innerhalb von vier Jahren wieder einer Frau Schaden zuführen wird»

    Wow! Ich bin Sprachlos! Eine genaue Prozentangabe mit einem zeitlich terminierten Rahmen!

    Sowas schaffen nicht einmal Onkologen mit Krebszellen und deren Wachstum, obwohl sich diese an einen Stoffwechsel halten...???

    Ich würde zu gerne diese Forensiker und die Methode kennenlernen.
    • Albert J. Katzenellenbogen 12.02.2019 19:57
      Highlight Highlight Generell ein Problem bei der Beurteilung von Gewalttätern. Lch habe vor Gericht schon mehrmals mitbekommen wie zwei unabhängige Gutachter, die vom Gericht bestellt waren, sich komplett widersprachen.
      Tragisch.
  • Todesstern 12.02.2019 19:28
    Highlight Highlight Hört das Männer bashing auch mal auf?
    Habt ihr das nötig? Klar ist das nicht schön. Aber Frauen sind genauso zur häuslichen Gewalt fähig.
    • Na_Ja 12.02.2019 19:46
      Highlight Highlight Niemand sagte etwas von alle Männer sind gewalttätig. Es ist eine Schilderung eines realen Vorfalles. Bashing wäre eine Verallgemeinerung, das ist ein Fall von vielen Gewalttätigkeiten, egal ob männlichem/weiblichem Täter.
    • Albert J. Katzenellenbogen 12.02.2019 19:59
      Highlight Highlight Fähig wären die Frauen dazu sicher. Nur kommt es halt schon viel, viel seltener vor (Dunkelziffer einkalkuliert).
    • Olf 12.02.2019 20:28
      Highlight Highlight Echt jetzt?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Randalf 12.02.2019 17:36
    Highlight Highlight Wieso kann man solche Deliquenten nicht lebenslänglich aus der Schweiz verbannen?
    • loquito 12.02.2019 18:49
      Highlight Highlight Der wär auch in Bosnien eine Gefahr. Verwahren und die Kosten als Entwicklungszusammenarbeit ver
    • no-Name 12.02.2019 19:27
      Highlight Highlight Weil wenn das land anders heisst sind die straftaten halb so schlimm...

  • Gregor Samsa 12.02.2019 17:27
    Highlight Highlight Scheint ein ganz unangenehmer Zeitgenosse zu sein. Weshalb darf er die Schweiz jemals wieder betreten? Wäre besser für uns alle wenn er für immer fern bleiben würde.
    • Albert J. Katzenellenbogen 12.02.2019 20:03
      Highlight Highlight Man würde das Problem damit nur weitergeben. Ausserdem ist ein Landesverweis nur ein Stücklein Papier. Fragen Sie mal beim GWK an, wie oft man teilweise die selbe (des Landes verwiesene) Person wieder feststellt. Besonders wenn diese in der Schweiz Kontakte hat.
      Besser einsperren und denn Schlüssel verlieren.
  • Pisti 12.02.2019 17:20
    Highlight Highlight Was soll eigentlich dieser Schwachsinn mit 4, 10, 15 Jahren Landesverweis etc.?
    Wenn einer Ausgeschafft wird, soll man im gefälligst ein lebenslanges Einreiseverbot geben.
    Grob geschätzt könnte sich der Typ nach 18 Jahren sein nächstes Opfer suchen hier.
  • loquito 12.02.2019 17:15
    Highlight Highlight Egal ob Bosnier, Latino, Schweizer oder weiss was, einfach nur Psycho. Und trotzden, Frauen lasst euch das nicht 1Mal gefallen, dafür gibts Polizei!
  • der_senf_istda 12.02.2019 17:11
    Highlight Highlight Gibt es irgend einen Grund, diesen Herrn wieder in die Schweiz zu lassen? Ich verstehe nicht, weshalb nur 15 Jahre Landesverweis erhält. Solche Typen müssen brauchen wir hier nicht.
    • Lavamera 12.02.2019 17:42
      Highlight Highlight Dafür hat ihn jetzt Bosnien, sollen doch die Frauen dort schauen wie sie mit ihm zurechtkommen. Das Beste wäre wohl eine Verwahrung gewesen.
      Aber selbst ohne Verwahrung wäre es wohl besser in der ch zu bleiben, da ich vermute, dass es hier für Frauen einfacher ist Hilfe zu finden.
    • Herr Ole 12.02.2019 17:52
      Highlight Highlight Solche Typen braucht es auch sonst nirgendwo, von dem her sehe ich nicht ganz, was hier ein Landesverweis überhaupt bringen sollte. (Man muss natürlich einen aussprechen wegen Gesetzen und so)
    • loquito 12.02.2019 18:49
      Highlight Highlight Warum überhaupt Landesverweis? Der gehört eingesperrt. Auch dort unten ist er eine Gefahr. Sogar eine grössere...
    Weitere Antworten anzeigen
  • who cares? 12.02.2019 17:04
    Highlight Highlight Und nach 6 Jahren ist einfach die nächste Frau dran. Dann halt in Bosnien. Wo solche Fälle noch schwieriger anzuzeigen sind. Aber aus den Augen aus dem Sinn, wie man so schön sagt.

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